Israel schließt Grenzen zum Gazastreifen

„Ohne Kompromisse und ohne Gnade“

Ein israelischer Soldat feuert Tränengas auf palästinensische Steinewerfer

Ein israelischer Soldat feuert Tränengas auf palästinensische Steinewerfer

18. Januar 2008 Die jüngste Eskalation der Gewalt im Gazastreifen stellt den gerade begonnenen Friedensprozess im Nahen Osten wieder in Frage. Ein Sprecher des palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas, Nabil Abu Rdeineh, beschuldigte Israel, die Friedensgespräche zu sabotieren: „Niemand kann mit den Verhandlungen fortfahren, wenn die jetzige Situation andauert.“

Israel kündigte jedoch weitere Offensiven an und verfügte am Freitag die Schließung sämtlicher Grenzübergänge zum Gazastreifen. Betroffen seien auch die Übergänge, die für die Belieferung mit Treibstoff und Hilfsgütern genutzt werden, berichtete der israelische Rundfunk. Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak bezeichnete dies als Reaktion auf den Raketenbeschuss Israels aus den palästinensischen Gebieten heraus.

Tote und Verletzte

Palästinensische Extremisten haben seit dem vergangenen Dienstag mehr als 150 Kassam-Raketen auf Israel abgeschossen, rund 40 allein am Donnerstag. Die militanten Flügel der radikal-islamischen Hamas sowie der Fatah-Bewegung von Abbas übernahmen die Verantwortung für die Raketenangriffe. Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert warnte daraufhin, Israel werde „ohne Kompromisse, ohne Zugeständnisse und ohne Gnade“ auf den anhaltenden Beschuss reagieren. In den letzten Tagen wurden mindestens 30 Palästinenser getötet.

In der Stadt Beit Lahija starben drei Palästinenser, als eine israelische Rakete ein Pferdefuhrwerk traf. Nach Angaben von Augenzeugen und Rettungskräften waren auch eine Frau und ihr Kind unter den Opfern. Drei weitere Palästinenser wurden verletzt. Zuvor waren bei einem israelischen Angriff in der Nähe des Flüchtlingslagers Dschebalia zwei Palästinenser ums Leben gekommen. Bei den Getöteten handelte es sich nach palästinensischen Angaben um ein Mitglied der militanten Volkswiderstandskomitees und dessen Frau. Drei weitere Palästinenser wurden nach Krankenhausangaben verletzt.

Abbas erwägt Rücktritt

Unterdessen berichtete die Zeitung „Jerusalem Post“ unter Berufung auf einen hohen Beamten der palästinensischen Autonomiebehörde, dass Palästinenserpräsident Mahmud Abbas für den Fall weiterer israelischer Militäroperationen im Gazastreifen und im Westjordanland über seinen Rücktritt nachdenke. „Der Präsident hat gesagt, dass er zurücktreten wird, wenn die militärische Eskalation und das tägliche Töten weitergehen“, sagte der namentlich nicht genannte Beamte.

Als ersten Schritt in Richtung auf eine Aussetzung der Friedensgespräche mit Israel denke Abbas darüber nach, das palästinensische Verhandlungsteam aufzulösen, so der Beamte. Israels Aktionen unterminierten die Autorität der Autonomiebehörde und trieben mehr und mehr Palästinenser in die offenen Arme radikaler Organisationen wie Hamas und Islamischer Dschihad. Abbas sei vor allem darüber erzürnt, dass Israel seine Militäroperationen so kurz nach dem Besuch des amerikanischen Präsidenten George W. Bush in der Region forciert habe.

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon zeigte sich „tief besorgt“ über die neue Eskalation der Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern. „Der Generalsekretär erinnert alle Seiten an ihre Verpflichtung, das internationale Menschenrecht einzuhalten und keine Zivilisten zu gefährden“, sagte eine UN-Sprecherin am Donnerstagabend in New York. Ban sei beunruhigt wegen des Blutvergießens auf beiden Seiten und wegen der Gefahr weiterer Zwischenfälle, sollte sich die Lage nicht entspannen. Er verlangte eine sofortige Einstellung der palästinensischen Raketenangriffe auf Israel und forderte die israelischen Verteidigungskräfte zu größter Zurückhaltung auf.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP, AP

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