Libanon

Bewohner flüchten aus Lager Nahr al Bared

Tausende flüchten, teils zu Fuß, in andere Lager

Tausende flüchten, teils zu Fuß, in andere Lager

23. Mai 2007 Nach drei Tagen heftiger Gefechte zwischen der libanesischen Armee und Kämpfern einer radikalen Islamistengruppe fliehen Bewohner aus dem Flüchtlingslager Nahr al Bared bei Tripoli. Vor allem Frauen mit Kindern und alte Menschen verließen das Lager im Norden des Libanons am Dienstagabend zu Hunderten in Autos und auf Lastwagen. Viele Flüchtlinge versuchten auch, sich zu Fuß in das benachbarte Palästinenserlager Baddawi zu retten. Dabei nutzten sie ein Abflauen der Gefechte am Abend. Allerdings droht auch das Lager Baddawi angesichts des wachsenden Anstroms schnell überfüllt zu sein.

Am Nachmittag hatten die Milizionäre der islamistischen Gruppe Fatah al Islam eine einseitige Waffenruhe verkündet. Während die Kämpfe nach kurzer Zeit wieder aufflammten, beruhigte sich die Lage nach Angaben der Armee mit Einbruch der Dunkelheit. „Die Lage rund um das Camp ist ruhig, und beide Seiten halten sich an die Waffenruhe“, sagte ein Armeesprecher.

UN verurteilen Angriff auf Regierungstruppen

Nächtliche Massenflucht

Nächtliche Massenflucht

Bei den Kämpfen kamen seit Sonntag Dutzende Menschen ums Leben, darunter viele Zivilisten. Genaue Opferzahlen gab es zunächst nicht. Nach Angaben von Nachrichtenagenturen soll es aber mehr als 80 Tote gegeben haben.

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki-moon, verurteilte die Angriffe von Islamisten auf libanesische Regierungssoldaten. Sie stellten einen Angriff auf die Stabilität und Souveränität des Libanons dar und hätten Zivilisten ernsthaft gefährdet, erklärte Ban am Dienstagabend in New York.

Flüchtlinge, die mit weißen Fahnen das Lager verließen, berichteten über katastrophale Zustände in dem Camp. Die Leichen der bei den Kämpfen Getöteten blieben in den Straßen liegen, während die Krankenstationen von Verwundeten überfüllt seien. „Die Belagerung und die Kämpfe führen dazu, dass viele an ihren Verletzungen sterben, weil sie nicht behandelt werden können“, berichtete ein Arzt telefonisch aus dem Lager. Sollten die Gefechte weitergehen, drohe eine Katastrophe.

UN-Konvoi beschossen

Am Dienstagnachmittag war es Mitarbeitern des UN-Flüchtlingshilfswerks UNRWA erstmals gelungen, Nahrungsmittel, Medikamente und Stromgeneratoren in das Lager zu bringen. Auch sie schilderten die Situation dort als dramatisch. Viele Bewohner befänden sich in einem „Zustand des Schocks und der Angst“, sagte ein UN-Mitarbeiter. Der UN-Konvoi sei beschossen und ein Lastwagen mit Trinkwasser beschädigt worden. Mitarbeiter der Organisation kamen aber nicht zu Schaden. UN-Hilfskoordinator John Holmes forderte die Konfliktparteien auf, den Hilfsorganisationen „unter friedlichen Umständen“ Zugang zu dem Lager zu gewähren. Insgesamt leben im Libanon etwa 367.000 Palästinenser in zwölf Flüchtlingslagern.

Die Armee geht seit Sonntag gegen Mitglieder der radikalen Sunniten-Gruppe in dem seit 1949 bestehenden palästinensischen Flüchtlingslager vor. Laut einer 38 Jahre alten Abmachung ist der Armee der Zutritt zum Lager verboten. Die Kämpfe am Eingang waren ausgebrochen, nachdem es zu einem Schusswechsel zwischen Soldaten und Mitgliedern der Gruppe Fatah al Islam gekommen war. Letztere sollen eine Bank ausgeraubt haben.

Washington verspricht Hilfe

Die UN bringt eienen Generator ins Lager

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Die Vereinigten Staaten versicherten die libanesische Regierung ihrer Unterstützung im Kampf gegen Islamisten. Außenministerin Condoleezza Rice verteidigte das Vorgehen der libanesischen Armee. Die Regierung unter Ministerpräsident Fuad Siniora kämpfe gegen einen „sehr gefährlichen extremistischen Feind“, sagte sie.

Nach Angaben des Pentagons bewilligte die amerikanische Regierung die Lieferung von Munition, Lastwagen und Ersatzteilen im Wert von 30,4 Millionen Dollar - etwa 22,6 Millionen Euro. Der Kongress hat demnach zwei Wochen Zeit, um über das Paket zu entscheiden.

In diesem Hotel in Tripoli zündete ein Islamist am Dienstag seinen Sprengstoffgürtel

In diesem Hotel in Tripoli zündete ein Islamist am Dienstag seinen Sprengstoffgürtel

Washington ließ der libanesischen Regierung schon im vergangenen Jahr 40 Millionen Dollar Militärhilfe zukommen. Ein geplantes Hilfspaket im Umfang von 280 Millionen Dollar wartet derzeit noch auf die Verabschiedung durch den Kongress. Washington sieht die libanesische Regierung als Verbündeten im Vorgehen gegen ihre Gegner im Nahen Osten wie etwa die radikale Schiitenmiliz Hizbullah oder die Regierungen in Syrien und Iran.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP, AP, dpa

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