Nahost-Konflikt

Israels Armee in Alarmbereitschaft

Von Jörg Bremer, Jerusalem

03. April 2008 Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak hat seinen für kommende Woche geplanten Besuch in Berlin verschoben. Diese Entscheidung hänge mit der angespannten Lage an der syrischen Grenze zusammen, berichtete der israelische Rundfunk.

Die in London erscheinende arabische Tageszeitung „Al-Quds al-Arabi“ hatte am Mittwoch berichtet, Syrien mobilisiere seine Reservisten und verstärke die Truppen entlang der Grenze zu Israel und zum Südlibanon. Syrien bereite sich so auf einen möglichen Angriff Israels auf die pro-iranische Hizbullah-Miliz und auf das eigene Land vor. In Israel hieß es hingegen, es gebe keine syrische Mobilisierung an der Grenze.

Nasrallahs Rache

Anfang vergangener Woche war die vierzig Tage dauernde Trauerfrist für den in Damaskus ermordeten Hizbullah-Militärchef Imad Maghnijah zu Ende gegangen, der nach syrischen Angaben vom israelischen Mossad getötet wurde. Israel bestreitet offiziell eine Beteiligung an der Tat. Der Hizbullah-Mitgründer, dem neben Flugzeugentführungen und Terroranschlägen in den achtziger und neunziger Jahren auch die Geiselnahme zweier israelischer Soldaten zu Beginn des Libanon-Krieges im Sommer 2006 zur Verantwortung gelegt werden, war am 12. Februar in der syrischen Hauptstadt Damaskus getötet worden.

Hizbullah-Generalsekretär Hassan Nasrallah schwor später Rache. Die israelische Armee befindet sich deshalb an der Nordgrenze zum Libanon seit Wochen in Alarmbereitschaft. Sicherheitskreise halten auch einen Anschlag der Hizbullah außerhalb Israels für möglich, berichtete „Al-Quds al-Arabi“. Nach Ende der muslimischen Trauerfrist für Maghnijah und dem gescheiterten Arabischen Gipfel in Damaskus am Wochenende rechnen Diplomaten schon seit längerem mit einer militärischen Operation durch die schiitische Parteimiliz.

Barak: Israel stärkste Militärmacht in Nahost

In Israel geht man davon aus, dass Syrien in den Konflikt hineingezogen werden würde, sollte Hizbullah militärisch gegen den Judenstaat vorgehen. Allein wegen der militärischen und politischen Hilfe der syrischen Regierung und Irans stelle die Hizbullah schließlich weiterhin eine Bedrohung für Israels Norden dar. Syrien selbst habe kein Interesse daran, Israel anzugreifen, hieß es im israelischen Verteidigungsministerium. Die israelische Tageszeitung „Haaretz“ berichtete, dass die Regierung in Damaskus über geheime Kanäle versuche, einen Konflikt zu vermeiden.

Israels Verteidigungsminister Ehud Barak hatte am Mittwoch gesagt, Israel sei die stärkste Militärmacht der Region. Er könne niemandem empfehlen, Israel zu provozieren. Nach Medienberichten sollen in der kommenden Woche Militärübungen im Norden abgehalten werden. Vizepremier Ramon, ein Vertrauter von Ministerpräsident Ehud Olmert bezeichnete die Beunruhigung als „überraschend und grundlos“.



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP, AP

 
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