09. Februar 2007 In Mekka, der heiligen Stadt des Islams, hat man versucht, große Geschichte zu schreiben. Es ist freilich unklar, wie verbindlich die Einigung zwischen Fatah und Hamas ist, was für ein Dokument sie überhaupt unterzeichnet haben.
Die Chance, den Bruderkampf der vergangenen Wochen zu beenden, scheint ein wenig größer zu sein; doch die verhaltenen internationalen Stellungnahmen nähren Zweifel, wie erfolgreich man in Mekka wirklich war. Man muss abwarten, ob die Verwirklichung des Unterzeichneten, vor allem was die personelle Besetzung des Kabinetts betrifft, in der vereinbarten Frist gelingt und ruhig vonstatten geht, ja, ob dies alles auch die Zustimmung der Basis in Gaza und im Westjordanland findet.
Die Suche nach Formulierungen
Der Scheitan liegt im Detail. Man ist versucht, die Abreden als Sieg für die Hamas zu werten, die ihren Regierungschef behalten soll und für sie wichtige Ministerien; zudem hat sie sich, was die Anerkennung der von der PLO mit Israel getroffenen Abmachungen angeht, aus ihrer Sicht nichts vergeben.
Da muss genauer hingeschaut werden. Was heißt es, dass die Hamas die Abmachungen mit dem jüdischen Staat respektieren wolle? Ist das ein kleiner Schritt hin auf die Anerkennung Israels, schlussendlich auf eine Änderung der Charta von 1988? Diesen Prozess hat auch die PLO durchmachen müssen.
Ein Erfolg für den Vermittler
Aus Mekka hat man dazu nichts Konkretes erfahren, außer dass man eine Formulierung suche, die Amerikaner und Europäer zufriedenstelle. Schließlich will man wieder Hilfsgelder haben, die seit dem vorigen Jahr eingefroren sind. Die jüngste Unruhe am Tempelberg zeigt indes, wie rasch die Wogen der Empörung, auch aus geringem Anlass, wieder hochschlagen können, wie rasch etwas Unterschriebenes Makulatur werden kann.
Gleichwohl ist das Treffen von Mekka für den Vermittler Saudi-Arabien ein gewisser Erfolg. Immer mehr scheint das wahhabitische Königreich zur wichtigsten Macht Arabiens zu werden, obwohl man auch seine Schwächen nicht übersehen sollte: Nach wie vor ist Saudi-Arabien ein Land, das unter enormen inneren Spannungen zwischen Modernisierung und rigidem Traditionalismus leidet. Doch nach dem Wegfall des Iraks, in dem Chaos herrscht, und der zunehmenden Sklerose Ägyptens hat Saudi-Arabien gegenwärtig eine relativ starke Stellung in der Region.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa