Lage im Irak

„Es klappte nicht, wie wir hofften“

Von Matthias Rüb, Bagdad

10. September 2007 Einen Tag vor den Lageberichten des amerikanischen Befehlshabers im Irak, Heeresgeneral Petraeus, und des Botschafters Crocker hat der irakische Ministerpräsident Maliki die Leistung seiner Regierung verteidigt. „Diese Regierung hat in allen Richtungen wesentliche Fortschritte angesichts des Zerstörungswerks des gestürzten Regimes unter Saddam Hussein erreicht“, sagte Maliki am Sonntag in Bagdad. „Kräfte des Bösen“ wollten dem Irak aber schaden, sagte Maliki mit Blick auf die sunnitischen Terroristen von Al Qaida. „Deshalb müssen wir gegen dieses Böse zusammenstehen“, forderte Maliki bei einem Treffen mit Vertretern verschiedener Länder der Region.

Unterdessen beendete auch die letzte sunnitische Gruppierung den Boykott des Parlaments in Bagdad. Die Front für den nationalen Dialog nahm am Wochenende die Parlamentsarbeit wieder auf, nachdem die Irakische Konsensfront, der führende Block der sunnitischen Parteien, ihren Boykott bereits am 19. Juli nach einer Einigung mit den Schiiten und den Kurden über die Wiedereinsetzung des abgesetzten sunnitischen Parlamentspräsidenten Mahmud al Maschhadani beendet hatte. Der Boykott der sunnitischen Fraktionen hatte die Parlamentsarbeit in den vergangenen Monaten gelähmt.

Drahtzieher des Jessiden-Massakers getötet

In mehreren Äußerungen gegenüber der Presse sowie in einem Brief an die derzeit 168.000 amerikanischen Soldaten im Irak hatte General Petraeus den mangelnden politischen Fortschritt in Bagdad beklagt, der nicht mit der signifikanten Verbesserung der Sicherheitslage im Großraum Bagdad und in den Provinzen Anbar und auch Dijala seit Abschluss der Truppenverstärkung um etwa 29.000 Mann im Juni Schritt gehalten habe. Dabei hätte die Anfang des Jahres von Präsident Bush beschlossene Verstärkung der amerikanischen Streitkräfte der irakischen Führung gerade den Spielraum geben sollen, die schwierigen Fragen anzupacken und sich auf eine Gesetzgebung zur nationalen Versöhnung zu verständigen, schrieb Petraeus: „Es klappte nicht, wie wir es hofften.“

Unterdessen berichteten die amerikanischen Streitkräfte, sie hätten den Drahtzieher der verheerenden Anschläge von Al Qaida gegen zwei Dörfer der Minderheit der Jessiden getötet, bei welchen im August mehr als 400 Zivilisten getötet worden waren. Bei mehreren Anschlägen und anderen Gewalttaten starben am Wochenende insgesamt mindestens 36 Menschen. 15 Zivilisten kamen allein bei einem Selbstmordanschlag mit einer Autobombe in dem von Schiiten bewohnten Bagdader Stadtteil Sadr City ums Leben.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, AP

Lage im Irak

Gemischte Bilanz

Mit knapp 29.000 zusätzlichen Soldaten und einer geänderten Strategie wollten die Amerikaner die Befriedung des Iraks vorantreiben. Bushs Sicherheitsplan hat manches Positive bewirkt. Die politischen Fortschritte blieben aber weitgehend aus.

Verantwortliche im Irak

Zwei Militärs und ein Diplomat

Die Lage im Irak ist nach wie vor schwierig. Mit dem Team Petreaus, Odierno und Crocker versuchen im Moment zwei Militärs und ein Karrierediplomat der Situation Herr zu werden. Wer sind diese drei?

Irakische Sicherheitskräfte

Zweifelhafte Loyalität

Die irakische Armee war einmal gefürchtet. Heute ist sie in marodem Zustand und nicht in der Lage für Sicherheit zu sorgen. Wie es scheint, wird das auch noch eine Weile so bleiben.

Irak

Gespaltene Schiiten

Die Gefechte in Kerbela waren nur ein Vorgeschmack, denn im Irak kämpfen Milizen um Macht und Öl. Die vier Schiitenparteien sind uneins über die Zukunft ihres Landes. Die einen wollen ein föderales System, die anderen den Zentralstaat.

Nach Bin Ladins Videobotschaft

Bush ruft zum Kampf gegen Al Qaida auf

Usama Bin Ladin hat sich kurz vor dem Jahrestag des 11. September mit einer Videobotschaft zurückgemeldet. In der Aufzeichnung, die amerikanische Experten als echt erklärten, kritisiert er den Irakkrieg und fordert unter anderem das amerikanische Volk auf, zum Islam überzutreten.

Irak

General Petraeus: Schrittweise Truppen reduzieren

Der Oberkommandierende der Truppen im Irak empfiehlt jedoch, zunächst als „politische Geste“ lediglich wenige tausend Soldaten abzuziehen. Seinen Bericht zur Lage im Golfstaat hat Präsident Bush als entscheidend für das weitere militärische Engagement dort bezeichnet.

GI im Irak

Sehnsucht nach Schweinfurt

Skepsis bei den Politiker in Washington, vorsichtige Zuversicht unter den Soldaten im „Camp Liberty“ am Flughafen von Bagdad. Matthias Rüb berichtet aus dem Irak über die Stimmung bei den amerikanischen Truppen.

Irak

Amerikanischer Oberbefehlshaber deutet Truppenabzug ab März an

Der amerikanische Oberbefehlshaber im Irak hat angedeutet, eine Reduzierung der amerikanischen Truppen ab März kommenden Jahres zu empfehlen. Zuvor hatte der amerikanische Rechnungshof eine verheerende Bilanz des Irak-Krieges veröffentlicht.

Blitzbesuch in Bagdad

Bush hält „Kriegsrat“ im Irak

Spezial Der amerikanische Präsident deutete während eines Überraschungsbesuches im Irak die Möglichkeit einer Truppenreduzierung an. Das gleiche Maß an Sicherheit könnte unter Umständen mit weniger Soldaten aufrechterhalten werden, sagte Bush. Matthias Rüb berichtet aus Bagdad.

Kommentar

Was im Irak auf dem Spiel steht

In Washington wird der Streit zwischen Präsident Bush und den Demokraten über den Verbleib der amerikanischen Soldaten im Irak immer erbitterter geführt. Ein voreiliger Rückzug aus dem Irak hätte schlimme Folgen in Afghanistan. Von Nikolas Busse.

Irak

Brown: Lage in Basra stabil

Der britische Premierminister Brown hat den störungsfreien Rückzug der britischen Soldaten aus Basra als Beleg dafür gewertet, dass die Sicherheitslage am Ort stabil sei. Das Einsatzziel sei damit erreicht worden.

Rede vor Veteranen

Bush sieht Parallele zwischen Kampf im Irak und Weltkrieg

Der amerikanische Präsident Bush hat den Waffengang im Irak in einen historischen Zusammenhang zum Zweiten Weltkrieg und zum Vietnamkrieg gestellt und Durchhalten angemahnt. Seine Kritik an Iraks Ministerpräsident Maliki nahm er zurück.