Der Papst in Jerusalem

Wo Judentum, Islam und Christentum sich treffen

Von Jörg Bremer

Zentrum der jüdischen Religion: Der Jerusalemer Tempelberg

Zentrum der jüdischen Religion: Der Jerusalemer Tempelberg

12. Mai 2009 Der Jerusalemer Tempelberg, den Papst Benedikt XVI. an diesem Dienstag besucht, ist weniger den Christen als vielmehr Juden und Muslimen heilig. Für die Christen wanderte das Herz ihrer Religion wenige 100 Meter weiter an die Stelle, wo der Überlieferung nach Jesus gekreuzigt, begraben und wiederauferstanden ist. Dort errichtete die Kaiserinmutter Helena im vierten Jahrhundert die Grabes- und Auferstehungskirche, die „Anastasis“.

Für Juden aber blieb der Tempelberg ein Zentrum ihrer Religion, auch nach der Zerstörung des Tempels unter dem Feldherrn und späteren Kaiser Titus 70 n. Chr. Hier hatte der Jude Jesus die Händler aus dem Vorhof vertrieben, um die Heiligkeit des Tempels zu wahren. Das Bauwerk von König Herodes aus der Zeitenwende stand nahe der Stelle des „Ersten Tempels“, den Salomon vor bald 3000 Jahren errichtet haben soll. In ihm hatte der Tradition nach die „Stiftshütte“ ihren festen Platz erhalten, nachdem sie über Jahrzehnte durch die Wüste transportiert worden war.

Zum Gebet an die „Kotel“

An der in Israel “Kotel“ genannten Klagemauer will der Papst für ein gebet verweilen

An der in Israel "Kotel" genannten Klagemauer will der Papst für ein gebet verweilen

Auf dem Tempelberg errichtete der Tradition nach Abraham den Altar, auf dem er im Gehorsam gegenüber Gott bereit war, seinen Sohn zu opfern. Von den israelitischen Tempeln fanden die Archäologen bisher so gut wie nichts außer Zisternen und Schächten. Nur die „Westmauer“ blieb, die das herodianische Plateau bis heute abstützt.

An dieser Mauer, die in Israel „Kotel“ genannt wird und in einem den jüdischen Glauben missverstehenden Sprachgebrauch „Klagemauer“ genannt wird, will der Papst wie sein Vorgänger Johannes Paul II. für ein Gebet verweilen. Mit der omaijadischen Eroberung Jerusalems 638 übernahmen die Muslime den Berg, auf dem die byzantinischen Christen nur eine Marienkirche errichtet hatten, und schickten sich an, das Judentum an dieser Stelle zu beerben. Sie ließen erst die „Al-Aqsa-Moschee“ und dann den „Felsendom“ unter der goldenen Kuppel errichten. Für die Muslime ist bis heute der „Haram as Scharif“ nach Mekka und Medina der drittheiligste Platz ihres Glaubens.

Zusammenkunft auf dem Zionsberg

Die drei monotheistischen Religionen stoßen auch im „Coenaculum“, dem Abendmahlssaal neben der deutschen Benediktiner-Abtei, der „Dormitio“, auf dem Zionsberg aufeinander. Jesus soll hier das letzte Abendmahl mit seinen Jüngern gefeiert haben. Freilich erscheint der Saal in der ersten Etage in frühgotischem Gewand mit europäischem Spitzbogengewölbe. Es stammt von den Franziskanern, denen die Muslime als den ersten „Westchristen“ nach den Kreuzzügen im 14. Jahrhundert die Rückkehr erlaubten, um im Auftrag des Papstes die „Custodie“ der heiligen Stätten zu übernehmen.

Der Raum wird zudem geschmückt durch einen muslimischen Mihrab, eine Gebetsnische, denn die Muslime verwandelten den Saal nach Umzug der Franziskaner an die „Via Dolorosa“ in eine Moschee. Israel unterhielt den Raum seit Eroberung der Stadt als Museum. Jetzt soll der Papst den Raum für die Franziskaner zurückerhalten. Die Juden verehren im Untergeschoss das vermeintliche Grab Davids in einem mutmaßlichen Kreuzfahrersarkophag. Der Raum selbst könnte allerdings 2000 Jahre alt sein. Eine Gebetsnische in der Wand erlaubt den Schluss, es habe sich um einen Gebetsraum gehandelt, in dem die frühen Christen noch nach jüdischen Gesetzen in Richtung Tempel beteten. Der Überlieferung nach soll hier die Gottesmutter Maria gewohnt haben und der Heilige Geist auf die Jünger herabgekommen sein.


Der Jerusalemer Tempelberg, den Papst Benedikt XVI. an diesem Dienstag besucht, ist weniger den Christen als vielmehr Juden und Muslimen heilig. Für die Christen wanderte das Herz ihrer Religion wenige 100 Meter weiter an die Stelle, wo der Überlieferung nach Jesus gekreuzigt, begraben und wiederauferstanden ist. Dort errichtete die Kaiserinmutter Helena im vierten Jahrhundert die Grabes- und Auferstehungskirche, die „Anastasis“.

Für Juden aber blieb der Tempelberg ein Zentrum ihrer Religion, auch nach der Zerstörung des Tempels unter dem Feldherrn und späteren Kaiser Titus 70 n. Chr. Hier hatte der Jude Jesus die Händler aus dem Vorhof vertrieben, um die Heiligkeit des Tempels zu wahren. Das Bauwerk von König Herodes aus der Zeitenwende stand nahe der Stelle des „Ersten Tempels“, den Salomon vor bald 3000 Jahren errichtet haben soll. In ihm hatte der Tradition nach die „Stiftshütte“ ihren festen Platz erhalten, nachdem sie über Jahrzehnte durch die Wüste transportiert worden war.

Zum Gebet an die „Kotel“

Auf dem Tempelberg errichtete der Tradition nach Abraham den Altar, auf dem er im Gehorsam gegenüber Gott bereit war, seinen Sohn zu opfern. Von den israelitischen Tempeln fanden die Archäologen bisher so gut wie nichts außer Zisternen und Schächten. Nur die „Westmauer“ blieb, die das herodianische Plateau bis heute abstützt.

An dieser Mauer, die in Israel „Kotel“ genannt wird und in einem den jüdischen Glauben missverstehenden Sprachgebrauch „Klagemauer“ genannt wird, will der Papst wie sein Vorgänger Johannes Paul II. für ein Gebet verweilen. Mit der omaijadischen Eroberung Jerusalems 638 übernahmen die Muslime den Berg, auf dem die byzantinischen Christen nur eine Marienkirche errichtet hatten, und schickten sich an, das Judentum an dieser Stelle zu beerben. Sie ließen erst die „Al-Aqsa-Moschee“ und dann den „Felsendom“ unter der goldenen Kuppel errichten. Für die Muslime ist bis heute der „Haram as Scharif“ nach Mekka und Medina der drittheiligste Platz ihres Glaubens.

Zusammenkunft auf dem Zionsberg

Die drei monotheistischen Religionen stoßen auch im „Coenaculum“, dem Abendmahlssaal neben der deutschen Benediktiner-Abtei, der „Dormitio“, auf dem Zionsberg aufeinander. Jesus soll hier das letzte Abendmahl mit seinen Jüngern gefeiert haben. Freilich erscheint der Saal in der ersten Etage in frühgotischem Gewand mit europäischem Spitzbogengewölbe. Es stammt von den Franziskanern, denen die Muslime als den ersten „Westchristen“ nach den Kreuzzügen im 14. Jahrhundert die Rückkehr erlaubten, um im Auftrag des Papstes die „Custodie“ der heiligen Stätten zu übernehmen.

Der Raum wird zudem geschmückt durch einen muslimischen Mihrab, eine Gebetsnische, denn die Muslime verwandelten den Saal nach Umzug der Franziskaner an die „Via Dolorosa“ in eine Moschee. Israel unterhielt den Raum seit Eroberung der Stadt als Museum. Jetzt soll der Papst den Raum für die Franziskaner zurückerhalten. Die Juden verehren im Untergeschoss das vermeintliche Grab Davids in einem mutmaßlichen Kreuzfahrersarkophag. Der Raum selbst könnte allerdings 2000 Jahre alt sein. Eine Gebetsnische in der Wand erlaubt den Schluss, es habe sich um einen Gebetsraum gehandelt, in dem die frühen Christen noch nach jüdischen Gesetzen in Richtung Tempel beteten. Der Überlieferung nach soll hier die Gottesmutter Maria gewohnt haben und der Heilige Geist auf die Jünger herabgekommen sein.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, dpa

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