Offensive gegen Hamas

Israel will „Krieg bis zum bitteren Ende“

In der Stadt Rafah versuchen palästinensische Feuerwehrleute ein Feuer in ein...

In der Stadt Rafah versuchen palästinensische Feuerwehrleute ein Feuer in einem Medikamentenlager zu löschen, das durch eine israelische Rakete entfacht wurde

29. Dezember 2008 Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak hat eine Lösung des Konflikts mit der radikalislamischen Hamas im Gazastreifen durch Verhandlungen ausgeschlossen. Israel führe einen „Krieg bis zum bitteren Ende“, sagte er laut der Nachrichtenagentur AP am Montag vor einem Parlamentsausschuss in Jerusalem. Gemäß der Agentur AFP sprach Barak von einem „gnadenlosen Krieg gegen die Hamas und ihre Verbündeten“.

Barak betonte, dass sich die israelischen Luftangriffe nicht gegen die palästinensische Bevölkerung richteten, sondern allein gegen die Hamas. Die Organisation solle dazu gezwungen werden, ihre „feindlichen Aktionen“ gegen die israelische Zivilbevölkerung einzustellen. Die Offensive werde fortgesetzt und eventuell intensiviert.

Der Militäreinsatz sei keine Folge von „Wut“ oder „Rachegelüsten“, sagte Barak. Die Operation sei akribisch geplant worden. Sie werde mit klarem Kopf und Verantwortungsgefühl ausgeführt. Barak nahm vor dem Parlament auch auf eine Äußerung des künftigen amerikanischen Präsidenten Barack Obama Bezug, die er während dessen Besuchs in der Grenzstadt Sderot gemacht hatte. „Obama sagte, dass er alles unternehmen würde, wenn auf sein Haus geschossen würde, während seine beiden Töchter schliefen“, sagte Barak.

„Israel mit moralischem Vorteil“

Nachdem sich Israel lange zurückgehalten habe, kämpfe es jetzt mit „einem moralischen Vorteil“, sagte Barak. Während die Hamas absichtlich israelische Zivilisten treffen wolle, bemühe sich Israel, zivile Opfer zu vermeiden und lasse humanitäre Hilfe für die Menschen im Gazastreifen zu. Diese Einschätzung teilt UN-Generalsekretär Ban Ki-moon offenbar nicht. Er rief die Regierung in Jerusalem am Montag dazu auf, die Grenzen für die Lieferung dringend benötigter Hilfsgüter zu öffnen. Ein Mitarbeiter der Vereinten Nationen und acht Referendare seien getötet worden, sagte Ban.

Die israelische Regierung erklärte ein an den Gazastreifen grenzendes Gebiet zur militärischen Sperrzone. Das wurde als ein weiterer Schritt zur Vorbereitung einer Bodenoffensive gewertet. In der Nacht zum Montag beschossen Kampfflugzeuge auch die Islamische Universität in Gaza und das von der Hamas kontrollierte Innenministerium.

„Das Schlimmste ist noch nicht ausgestanden“

Nach drei Tagen massiver Luftangriffe auf den Gazastreifen sagte der israelische Vize-Generalstabschef Dan Harel am Montag, das Schlimmste stehe noch bevor. Der israelische Online-Dienst „ynet“ zitierte Harel mit den Worten: „Wir befinden uns erst am Anfang des Kampfes. Das kann man nicht mit einem Schlag lösen. Das Schlimmste ist noch nicht ausgestanden, es steht uns noch bevor, und darauf müssen wir uns vorbereiten.“

Unterdessen erklärte der palästinensische Chefunterhändler Ahmad Qurei die von Washington forcierten Friedensverhandlungen mit Israel für ausgesetzt. „Es gibt keine Verhandlungen, und es gibt keine Chance auf Verhandlungen, solange wir angegriffen werden“, sagte Qurei am Montag im Westjordanland.

Mehr als 300 Tote

Die Zahl der bei der israelischen Operation „Gegossenes Blei“ getöteten Palästinenser stieg am Montag nach palästinensischen Angaben auf 313. Ein Sprecher der palästinensischen Gesundheitsbehörde teilte in Gaza zudem mit, etwa 1400 Menschen seien seit Beginn der Offensive am Samstagmorgen verletzt worden. Eine UN-Behörde nannte am Montag hingegen die Zahl von mindestens 51 getöteten Zivilisten. Das sei eine eher konservative Schätzung, sagte ein Sprecher des Hilfswerks der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten. Die Zahl basiere auf Besuchen seiner Behörde in Krankenhäusern und Versorgungszentren im Gazastreifen.

Auf israelischer Seite gab es am Montag ein weiteres Todesopfer. Durch einen palästinensischen Raketenangriff aus dem Gazastreifen wurde in der südisraelischen Stadt Aschkelon ein Mensch getötet, wie der Bürgermeister mitteilte. Im Westjordanland wurden zudem drei Israelis bei einer Messerattacke eines Palästinensers verletzt. Der Angreifer wurde von einem bewaffneten Passanten angeschossen und von israelischen Sicherheitskräften festgenommen.

In vielen Ländern wollen radikale Muslime die Palästinenser bei deren Kampf gegen Israel unterstützen. Iranische Glaubensführer begannen am Montag mit der Rekrutierung von Freiwilligen. Wie die iranische Nachrichtenagentur Fars berichtete, meldeten sich schon mehr als 1100 Menschen. Auch in Indonesien soll in den nächsten Tagen die Registrierung freiwilliger Kämpfer beginnen. „Die Kämpfer sollten in guter physischer Verfassung sein, einen starken Glauben haben und bereit sein zu sterben“, sagte der Anführer der militanten Gruppe „Islamische Verteidigungsfront“, Ahmad Soebri Lubis, am Montag in einem Telefongespräch mit der Agentur Reuters. Sie sollten kämpfen, bis Israel besiegt sei.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, dpa, REUTERS

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