Naher Osten

Tödlicher Raketenangriff

Al-Quds-Brigaden bekennen sich zur Tat

Al-Quds-Brigaden bekennen sich zur Tat

15. November 2006 Bei einem Raketenangriff militanter Palästinenser auf die israelische Stadt Sderot an der Grenze zum Gazastreifen. sind am Mittwoch eine Passantin getötet und ein Wachmann von Verteidigungsminister Amir Perez schwer verletzt worden. Nach dem ersten tödlichen Raketenangriff seit dem israelischen Abzug aus dem Gazastreifen im September vergangenen Jahres sprachen die Hamas-Bewegung und der Islamische Dschihad von einem Vergeltungsakt für den Tod von 18 Palästinensern in der vergangenen Woche. (Siehe auch: Palästinenser wollen Verurteilung Israels wegen Angriffen in Gaza)

Das Geschoß explodierte nur etwa 150 Meter entfernt vom Haus des Verteidigungsministers in Sderot. Peretz berief eine Sondersitzung des Sicherheitskabinetts ein und erklärte: „Terrororganisationen werden einen hohen Preis zahlen.“ Die Al-Quds-Brigaden, dwr bewaffnete Arm der Hamas bekannte sich dazu, zwei Raketen auf Sderot abgefeuert zu haben. Im israelischen Fernsehen hieß es, sechs Raketen seien in der Stadt eingeschlagen. Der Abschuß der meist primitiv gebauten Raketen aus dem Gazastreifen hat seit 2001 neun Israelis das Leben gekostet.

Armee will Ensatz im Gazastreifen ausweiten

Der israelische Minister für innere Sicherheit, Avi Dichter, erklärte, die Armee müsse ihren vor vier Monaten begonnenen Einsatz im Gazastreifen ausweiten. Die Regierung müsse ihren Truppen befehlen, die Raketenangriffe vollständig zu beenden, sagte Dichter in einem Telefoninterview mit dem israelischen Militärrundfunk.

Er begleitet derzeit Ministerpräsident Ehud Olmert bei dessen Besuch in den Vereinigten Staaten. Die Armee geht seit Monaten im Gazastreifen verstärkt gegen Extremisten vor, die Israel mit Raketen angreifen. Vergangene Woche starben 18 palästinensische Zivilisten durch israelischen Artilleriebeschuß in der Stadt Beit Hanun im Grenzgebiet zu Sderot. Die israelische Stadt ist häufig Ziel, palästinensischer Raketenangriffe.

Akt der Selbstverteidigung

Hamas-Sprecher Fausi Barhum bezeichnete den Raketenangriff als Akt der Selbstverteidigung. Hamas und Fatah des palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas stehen kurz vor der Einigung auf eine gemeinsame Regierung.

Am Grenzübergang Rafah nahmen ägyptische Beamte unterdessen einen palästinensischen Parlamentsabgeordneten fest, weil er einen Koffer mit zwei Millionen Dollar bei sich führte. Das Geld wurde beschlagnahmt, wie ägyptische Sicherheitsbehörden am Dienstagabend mitteilten. Der Hamas-Abgeordnete Muschir al Masri wurde kurze Zeit später wieder freigelassen. Er kam dem Vernehmen nach aus Saudi-Arabien. Die Hamas-Regierung versucht offenbar, Geld aus dem Ausland in die Autonomiegebiete einzuschmuggeln, um so die Auswirkungen des westlichen Finanzboykotts zu mildern.

Blair: „Das größte Einzelproblem“

Der britische Premierminister Tony Blair hatte indes von den Vereinigten Staaten verstärkte Anstrengungen zur Überwindung des israelisch-palästinensischen Konflikts verlangt. Dies sei auch von zentraler Bedeutung für die Beendigung des Blutvergießens im Irak, machte Blair am Dienstag nach Angaben seines Sprechers bei einer Anhörung durch amerikanische Experten deutlich.

Blair habe bei der Videokonferenz mit der Studiengruppe für den Irak unter Leitung des früheren amerikanische Außenministers James Baker „wiederholt“ darauf hingewiesen, daß der Israel-Palästina-Konflikt „das größte Einzelproblem“ im Nahen Osten sei. Fortschritte bei der Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts könnten gemäßigte muslimische Staaten dazu bewegen, eine Beendigung des Chaos im Irak zu unterstützen, erklärte Blair den Angaben zufolge.

Text: FAZ.NET mit Material von AP und DPA
Bildmaterial: AP, FAZ.NET

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