Von Markus Bickel, Beirut
25. Januar 2008 Bei einem Autobombenanschlag in der libanesischen Hauptstadt Beirut sind am Freitagvormittag zehn Menschen ums Leben gekommen. Das Attentat richtete sich offenbar gegen Wissam Eid, ein Mitglied des Nachrichtendienstes der Internen Sicherheitskräfte (ISF). ISF-Generaldirektor Ashrat Rifi sagte, Eid sei maßgeblich an der Aufklärung einer Serie politischer Morde im Libanon beteiligt gewesen. Der Anschlag an einer stark befahrenen Kreuzung im christlich dominierten Osten Beiruts ist schon der dritte in diesem Jahr.
Innenminister Hassan Sabaa bezeichnete den Anschlag als Angriff auf das zentrale Nervensystem des libanesischen Sicherheitsapparats. Im Dezember war der Operationschef der libanesischen Armee, François Hajj, ermordet worden. Hajj war maßgeblich an der Niederschlagung des Aufstands der Islamistenmiliz Fatah al Islam im nordlibanesischen Palästinenserlager Nahr al Barid 2007 beteiligt. Auch wenn der Anschlag auf den General wie mehr als zwanzig weitere in den vergangenen drei Jahren nicht aufgeklärt ist, halten politische Beobachter eine Tatbeteiligung der Al Qaida ideologisch wie operativ nahestehenden Fatah al Islam für möglich.
Serie von Attentaten
Der erste Anschlag in einer Serie von Attentaten, die seit 2005 von UN-Ermittlern untersucht werden, galt im Oktober 2004 Telekommunikationsminister Marwan Hamadeh. Richteten sie sich in der Folge gegen antisyrische Publizisten und Politiker wie den früheren Ministerpräsidenten Rafiq Hariri, so geraten nun offenbar verstärkt Angehörige der Sicherheitskräfte ins Visier.
Schon im September 2006, unmittelbar nach Ende des Krieges zwischen Hizbullah und Israel, richtete sich ein Anschlag gegen ein ranghohes Mitglied des ISF-Nachrichtendienstes, Samir Schehade, der in die Aufklärung des Mordes an Hariri beteiligt war. Der am Freitag getötete Eid war nach Angaben aus Sicherheitskreisen zweimal Ziel von Anschlägen. Auch bei den Ermittlungen gegen Mitglieder von Fatah al Islam soll er eine tragende Rolle gespielt haben.
Der Libanon ist seit November 2007 ohne Präsident und das Parlament hat seit mehr als einem Jahr nicht mehr getagt. Zudem erkennt die Opposition um Hizbullah-Generalsekretär Nasrallah und den Vorsitzenden der Freien Patriotischen Bewegung (FPM), Michel Aoun, die Regierung von Ministerpräsident Siniora seit dem Rücktritt vier schiitischer Minister im November 2006 nicht mehr an. Oppositionsmitglieder werfen Siniora und dem Mehrheitsführer im Parlament, Saad Hariri, vor, die ISF zu einer sunnitisch dominierten Miliz auszubauen.
Text: FAZ.NET mit bic.
Bildmaterial: dpa, REUTERS