Naher Osten

Abwiegeln und Dementis nach Israels Luftangriff

Von Horst Bacia und Jörg Bremer

Mehrere solcher Jets vom Typ F-15 sollen den Angriff geflogen haben

Mehrere solcher Jets vom Typ F-15 sollen den Angriff geflogen haben

18. September 2007 Als Desinformation und „plumpe Verschwörung“ hat Nordkorea am Dienstag Berichte zurückgewiesen, es habe mit Syrien bei der Herstellung von Nuklearwaffen zusammengearbeitet und damit den Anlass geboten für den geheimnisumwitterten Luftangriff Israels auf syrisches Gebiet vor zwei Wochen. Die israelische Regierung hüllt sich wegen der Aktion am 6. September weiterhin in Schweigen. Trotz des mysteriösen Zwischenfalls waren die Regierungen in Jerusalem und Damaskus seither bemüht, eine Eskalation in den gespannten Beziehungen zu vermeiden.

Der israelische Ministerpräsident Olmert sagte am Dienstag in seiner ersten Äußerung zu Syrien seit dem Vorfall über den syrischen Präsidenten Assad: „Ich habe eine hohe Meinung vom syrischen Präsidenten, und großen Respekt vor ihm.“ Er sei zu Gesprächen mit ihm bereit: „Wie ich in der Vergangenheit gesagt habe, wollen wir Frieden mit jedem schließen, der bereit ist, mit uns Frieden zu schließen.“

Nur wenige kennen die Satellitenbilder

Olmert: “Ich habe eine hohe Meinung vom syrischen Präsidenten“

Olmert: "Ich habe eine hohe Meinung vom syrischen Präsidenten"

Dass der israelische Luftangriff einer Einrichtung zur Herstellung „nichtkonventioneller Waffen“ oder eines „rudimentären Nuklearprogramms“ gegolten haben könnte, hatten in den vergangenen Tagen die „New York Times“ und die „Washington Post“ berichtet. Die amerikanischen Erkenntnisse, die sich auch auf Luft- und Satellitenbilder stützen sollen, seien auf Anordnung von Sicherheitsberater Hadley nur einen engen Kreis hoher Verantwortlicher bekannt. Israel habe die Vereinigten Staaten vor Beginn des Einsatzes informiert.

Der amerikanische Verteidigungsminister Gates war kürzlich in einem Fernsehinterview der Frage ausgewichen, ob Israel Ziele in Syrien angegriffen habe und ob Nordkorea dem Land bei der Beschaffung nicht-konventioneller Waffen helfe. „Falls es solche Aktivitäten gäbe, wäre das ein Anlass zu großer Besorgnis“, sagte Gates, da das zeigen würde, dass Syrien den Besitz von Massenvernichtungswaffen anstrebe und Nordkorea weiter an deren Verbreitung beteiligt sei. Damaskus soll in den vergangenen zehn oder fünfzehn Jahren von Nordkorea mehr als hundert Raketen des Typs „Scud“ mit einer Reichweite von etwa 300 Kilometern erhalten haben.

Im Februar hatte sich das Regime in Pjöngjang nach längeren Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten, China, Russland, Japan und Südkorea bereit erklärt, sein Nuklearprogramm wieder internationaler Kontrolle zu unterwerfen. Als „verantwortliche Atommacht“ habe Nordkorea sich verpflichtet, die Weitergabe von nuklearem Material nicht zuzulassen, und daran halte man sich, hieß es in einer am Dienstag von der offiziellen Nachrichtenagentur verbreiteten Stellungnahme des Außenministeriums.

„Plumpe Verschwörung“

Der durch die Berichte in amerikanischen Zeitungen genährte Verdacht einer nukleartechnischen Zusammenarbeit mit Syrien beruhe auf einer „plumpen Verschwörung“. Sie diene nur dem Zweck, den Fortschritt in den Sechser-Gesprächen und in den Beziehungen zwischen Washington und Pjöngjang zu untergraben. Bezeichnend scheint, dass Nordkorea das Eindringen israelischer Kampfflugzeuge in den syrischen Luftraum in der vergangenen Woche als „gefährliche Provokation“ verurteilt hatte.

Der Luftzwischenfall war von Syrien ohne Angabe von Einzelheiten bekannt gemacht und vor den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen gebracht worden, wurde dort aber nicht weiterverfolgt. In ersten Spekulationen hieß es, Israel habe mit der Aktion iranische Waffenlieferungen an die Hizbullah-Milizen im Libanon unterbinden wollen. Das tat der syrische UN-Botschafter als „Blabla“ ab.

Nach syrischen Angaben sollen israelische Kampfflugzeuge vom Mittelmeer her in den syrischen Luftraum eingedrungen und nach ihrer Entdeckung beschossen worden sein. Das habe die Flugzeuge veranlasst, ihre Waffen einzusetzen und Zusatztanks abzuwerfen. Ein Schaden sei bei dem Einsatz nicht entstanden.

Pressezensur verhindert Berichterstattung

Die „Jerusalem Post“ schrieb, israelische Journalisten dürften wegen strikter Zensurbestimmungen nicht mitteilen, ob es überhaupt eine militärische Operation in Syrien gegeben habe und diese erfolgreich verlaufen sei oder nicht. „Wir können aber sagen, dass ausländische Medien berichten, das Ziel sei eine nicht-konventionelle, vielleicht nukleare Waffenanlage gewesen und die israelische Aktion die Folge einer kritischen Lieferung aus Nordkorea.“

Die Zeitung deutete an, israelische Journalisten gäben ihnen zugängliche Informationen an ausländische Zeitungen weiter, weil sie selbst darüber nicht berichten könnten.

Nach Berichten in der Londoner „Sunday Times“ und einigen arabischen Blättern soll die militärische Intervention am 6. September kurz nach Mitternacht begonnen haben. Beteiligt waren nach unterschiedlichen Darstellungen angeblich zwischen vier und acht israelische Kampfflugzeuge des Typs F-15. Das Ziel sei eine als landwirtschaftliches Forschungszentrum ausgegebene Anlage am Euphrat, etwa fünfzig Kilometer westlich der Grenze zum Irak gewesen. Dort hätten Spezialkräfte am Boden den Piloten per Laserstrahl das Ziel angezeigt.

Nach dem Angriff steigt Olmerts Ansehen

Die Anlage wurde anscheinend seit längerem durch einen israelischen Satelliten überwacht; außerdem sei die israelische Luftwaffe Aufklärungsmissionen geflogen. Der Angriff habe drei Tage nach Eingang einer als Zement deklarierten Ladung stattgefunden. Auf der türkischen Seite der Grenze zu Syrien wurden angeblich Reste eines abgeworfenen Zusatztanks gefunden.

Die meisten Israelis unterstützen die Militäroperation vom 6. September. Nach einer in „Yediot Ahronot“ veröffentlichten Umfrage sind 78 Prozent für den Schlag auf eine vermeintlich nordkoreanische Atomanlage. Durch die Operation in Syrien steigt erstmals auch das Ansehen Olmerts wieder. 35 Prozent sehen in ihm einen „guten Politiker“, vor zwei Wochen waren es 25 Prozent.

Text: F.A.Z., 19.09.2007, Nr. 218 / Seite 1
Bildmaterial: F.A.Z., picture-alliance / dpa, REUTERS

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