Naher Osten

Die Antwort auf 200 Raketen an einem Tag

Nach den Hizbullah-Raketen auf Haifa

Nach den Hizbullah-Raketen auf Haifa

07. August 2006 Nach dem Tod von mindestens 15 Israelis bei den jüngsten Raketenangriffen der Hizbullah hat Israel seine Bombardierungen im Libanon abermals ausgeweitet. Kampfflugzeuge drangen in der Nacht zum Montag wieder bis ins Bekaa-Tal vor, rund 100 Kilometer nördlich der israelisch-libanesischen Grenze. Auch die südlichen Stadtteile von Beirut wurden erneut angegriffen, des weiteren gab es im Grenzgebiet Kämpfe am Boden. Mindestens vier Explosionen wurden Augenzeugen zufolge nahe der historischen Stadt Baalbek vernommen, einer Hochburg der schiitischen Hizbullah-Miliz. Außerdem wurde die 20 Kilometer weiter südlich gelegene Region Raschaja bombardiert. Diese bildet den Landkorridor vom Bekaa-Tal in den südlichen Libanon.

Eine weitere Angriffswelle galt den südlichen Stadtteilen von Beirut. Binnen 20 Minuten waren vier laute Explosionen zu hören. In der südlibanesischen Ortschaft Kana zerstörte die israelische Luftwaffe nach Militärangaben genau die Raketenwerfer, die für die jüngsten Hizbullah-Angriffe auf Haifa genutzt wurden. Israelische Kampfjets hätten zudem eine weitere Abschußvorrichtung für Raketen nördlich der libanesischen Hafenstadt Tyrus zerstört. Wie es weiter hieß, drangen auch Bodentruppen in das Gebiet um Tyrus vor und zerstörten sieben Abschußrampen für Langstreckenraketen. Dabei sei es zum Nahkampf mit der Hizbullah gekommen. Drei Milizionäre seien getötet worden, israelische Soldaten seien nicht zu Schaden gekommen.

Am Sonntag fast 200 Raketen auf Nordisrael

Freier Blick ins Wohnzimmer: Kaum ein Haus im Süden Beiruts ist nicht zerstört

Freier Blick ins Wohnzimmer: Kaum ein Haus im Süden Beiruts ist nicht zerstört

Nordisrael war am Sonntag von den folgenschwersten Raketenangriffen der Hizbullah-Miliz seit dem Beginn des Libanon-Kriegs getroffen worden. In dem Kibbuz Kfar Giladi waren zwölf Soldaten getötet worden. Es hatte dutzende Verletzte gegeben. Bei mehreren Einschlägen am Abend in Haifa waren zudem drei Menschen getötet und bis zu 121 verletzt worden. Nach Polizeiangaben waren am Sonntag fast 200 Hizbullah-Raketen auf Nordisrael niedergegangen.

Der Hizbullah-Sender Al Manar berichtete, Milizionäre hätten eine vorrückende israelische Einheit nahe der Ortschaft Hula überfallen. Daraufhin sei es zu heftigen Gefechten gekommen, bei denen vier israelische Soldaten getötet worden seien. Die israelischen Streitkräfte machten vorerst keine Angaben zu etwaigen Opfern.

UN-Resolution: Widerspruch arabischer Länder

Nach der Einigung der Vereinigten Staaten und Frankreichs auf den Text einer Libanon-Resolution ging das Ringen um die Entschließung weiter. Eine für Sonntag geplante Sitzung des Weltsicherheitsrats wurde verschoben, da arabische Länder Widerspruch eingelegt hatten.

Einem UN-Diplomaten zufolge könnten Amerika und Frankreich einen etwas abgewandelten Text vorlegen, über den noch am Montag beraten werden könnte. Eine Abstimmung sei frühestens am Dienstag zu erwarten. Eine Überarbeitung des Textes verlangte insbesondere der libanesische Parlamentspräsident Nibih Berri, der der Hizbullah nahesteht. Es müsse klar sein, daß nach einem Waffenstillstand und der Stationierung amerikanischer Soldaten kein israelischer Soldat mehr auf libanesischem Territorium verbleiben dürfe. Der israelische Außenamtssprecher Mark Regev betonte wiederum, ein von den Vereinten Nationen vermittelter Waffenstillstand müsse sicherstellen, daß die Hizbullah nicht weiterhin von Syrien und dem Iran Waffen erhalte.

Weiterer Hamas-Abgeordneter festgenommen

Die Außenminister der arabischen Liga wollten am Montag in Beirut über die Libanon-Krise beraten. Schweden bot an, eine Geberkonferenz zum Wiederaufbau des Libanons zu organisieren. Sein Land sei bereit, eine Führungsrolle bei internationalen Wiederaufbaubemühungen zu übernehmen, erklärte Ministerpräsident Göran Persson. Sollte die internationale Gemeinschaft zustimmen, könnte eine solche Konferenz in den kommenden Wochen stattfinden.

Die Beiruter Feuerwehr versucht zu retten, was noch zu retten ist

Die Beiruter Feuerwehr versucht zu retten, was noch zu retten ist

Israelische Truppen nahmen am Sonntag abend im Westjordanland einen weiteren Hamas-Abgeordneten fest, wie Augenzeugen berichteten. Die Soldaten seien in etwa zehn Militärfahrzeugen in Ramallah eingerückt und hätten den Abgeordneten Fadel Salah verschleppt. Erst in der Nacht zum Sonntag hatten israelische Soldaten auch den palästinensischen Parlamentspräsidenten Abdel Asis Duaik gefangen genommen.

Demonstrationen in Saudi-Arabien, Marokko und Indonesien

Saudiarabische Sicherheitskräfte haben Anwohnern zufolge Teilnehmer einer Pro-Hizbullah-Demonstration festgenommen. Während am Freitag noch mehrere Hundert Menschen in Katif und Safwa im schiitischen Osten des Landes für die schiitische Moslemgruppe auf die Straße gehen durften, wurden mindestens sieben Menschen am Wochenende festgenommen, hieß es. Vertreter des Innenministeriums konnten für eine Stellungnahme nicht erreicht werden. Im sunnitischen Saudi-Arabien sind öffentliche Proteste allgemein verboten.

Die Regierung hatte sich bislang vergleichsweise tolerant gegenüber einigen Märsche gegen Israels Vorgehen im Libanon-Krieg gezeigt. Die Regierung des Königreichs hat der Hizbullah vorgeworfen, den Krieg provoziert zu haben, aber auch Israel kritisiert und einen sofortigen Waffenstillstand gefordert.
„Sie haben einige Teilnehmer der jüngsten Demonstrationen verhaftet und sogar einige Verwandte von anderen, die sie nicht finden konnten“, sagte ein Bewohner von Katif, der seinen Namen nur als Munir angab. Der Dichter Adil al-Labbab sagte, einer seiner Brüder sei festgenommen worden, um Druck auf einen anderen Bruder auszuüben, sich zu stellen. „Ein solches Vorgehen ist gegen internationales Recht, örtliches Recht und selbst Gottes Recht“, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters.

In zahlreichen Staaten gab es am Wochenende Demonstrationen gegen Israel. Nach offiziellen Angaben gingen in Casablanca etwa 70.000 Menschen, in Jakarta 5000 Menschen und auch in Brüssel mehrere tausend Menschen auf die Straße. In einigen Fällen wurden israelische und amerikanische Fahnen verbrannt sowie Solidarität mit der radikalen Hizbullah-Miliz bekundet.

Text: FAZ.NET mit Material von Reuters und AP
Bildmaterial: AFP

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