Libanon-Krieg

Amnesty beschuldigt Israel

Aufräumen in Beirut nach 34 Tagen Bombardement

Aufräumen in Beirut nach 34 Tagen Bombardement

23. August 2006 Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat Israel vorgeworfen, im Krieg gegen die Hizbullah im Libanon absichtlich Zivilisten angegriffen zu haben. Die Zerstörung von zahlreichen Häusern, Brücken, Straßen, Wasserwerken und Treibstofflagern habe von Anfang an zur israelischen Militärstrategie gehört, heißt es in einem Bericht. „Viele dieser Angriffe waren vorsätzlich, unverhältnismäßig und machten keinen Unterschied zwischen militärischen und zivilen Zielen“, sagte Amnesty-Mitarbeiterin Sidrassi-Harth. Damit habe sich die israelische Regierung eines Kriegsverbrechens schuldig gemacht. Israels Behauptung, es habe sich dabei um „Kollateralschäden“ im Rahmen rechtmäßiger Angriffe gehandelt, sei wegen der Reichweite und des Ausmaßes der Angriffe „schlicht unglaubwürdig“.

Nach Angaben der Organisation flog die israelische Luftwaffe zwischen dem 12. Juli und 14. August Angriffe auf etwa 7000 Ziele. Hinzu kämen 2500 Bombardierungen durch die israelische Marine. Bei diesen Angriffen habe es mehr als 1100 Tote auf libanesischer Seite gegeben. Etwa ein Drittel davon seien Kinder gewesen, heißt es unter Bezug auf UN-Angaben. 4054 Menschen seien verletzt worden und 970.000 hätten fliehen müssen. Das sei rund ein Viertel der libanesischen Zivilbevölkerung.

„Vor jeder Operation Juristen befragt“

Viele zivile Häuser wurden nicht verschont

Viele zivile Häuser wurden nicht verschont

In Israel macht man freilich darauf aufmerksam, daß zur gleichen Zeit auch mehr als 4000 Hizbullah-Raketen auf den israelischen Norden niedergingen. In Israel gab es 160 Tote und einige hundert Verletzte; zudem wurden ungezählte Häuser zerstört. Ein hoher Beamter in der israelischen Regierung sagte, Israel habe im Rahmen des Völkerrechts gehandelt. „Vor jeder Operation haben wir unsere Juristen befragt.“

Im Amt von Premierminister Olmert hieß es, das israelische Militär habe stets vor der Frage gestanden, ob es die nächste Rakete auf Israel verhindern und damit mutmaßlich auch Zivilisten treffen solle oder ob es den Beschuß durch die Hizbullah ohne Verteidigung hinnehmen solle. „Die Hizbullah hat ihre Katjuschas meist in privaten Gebäuden. Vorn ist die Bäckerei und hinten die mobile Abschußbasis. Vorn der Kindergarten und dahinter ein Waffenlager.“

Zerstörtes Klassenzimmer im Süden Beiruts

Zerstörtes Klassenzimmer im Süden Beiruts

Immer wieder habe die Armee zudem mit Flugblättern vor den nächsten Angriffen gewarnt. „Wenn eine Rakete auf uns abgeschossen wurde, haben wir zumindest die festen Abschußrampen hinterher zerstören können“, sagte der Beamte. Etwa neunzig Prozent der Waffen mittlerer Reichweite habe Israel ausschalten können. Straßen und Brücken seien überall dort zerstört worden, wo sie von der Hizbullah nachweislich zum Nachschub genutzt worden seien.

Text: jöb./F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, REUTERS

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