29. Dezember 2008 Dies sind die Tage von Ehud Barak. Mitten im Wahlkampf hat der israelische Verteidigungsminister die Möglichkeit, sich auf den ersten Platz der Kandidatenliste für das Amt des Premiers zu schieben, vor Likud-Chef Netanjahu und die nach Umfragen Zweitplazierte, die Vorsitzende der derzeitigen Regierungspartei, Außenministerin Livni.
Der 1942 in einem Kibbuz geborene Barak ist der am meisten ausgezeichnete Offizier Israels. Er war in der ersten Hälfte der neunziger Jahre Generalstabschef. Nun führt er den Krieg gegen die Hamas. Sollte er diesen Feldzug erfolgreich beenden können, winkt ihm am 10. Februar der Siegeslorbeer.
Baraks Erfolge werden vor allem an den Misserfolgen im Libanon-Krieg 2006 gemessen werden, als die Bodentruppen – nach einem für Israel erfolgreichen Einsatz der Luftwaffe – die ihnen gesetzten Ziele nicht erreichten, weil der Nachschub steckenblieb und erhebliche Mängel in den Befehlsstrukturen spürbar wurden. Am Montag sagte Barak vor der Knesset, jeder Tag der Waffenpause seit dem 19. Juni zwischen Israel und der Hamas sei genutzt worden: zur Aufklärung der Feindziele, zum Training der Soldaten und zur Vorbereitung der Heimatfront“, um den von Kassem-Raketen bedrohten Bürgern zu helfen.
Einsatz in Frauenkleidung
Barak will die Operation ausweiten und vertiefen, wie es nötig ist“. Das verweist auf den Einsatz der Bodentruppen, der offenbar an diesem Mittwoch beginnen soll. Mit ihm beginnt die risikoreiche Verzahnung der Truppen mit den nach dem Modell der Hizbullah militärisch geschulten Hamas-Kämpfern, die sich auch seit Juni auf die Kämpfe auf ihrem eigenen Gebiet vorbereiteten. Ein verbissener Kampf steht bevor, bei dem die Trennung zwischen Hamas und Zivilbevölkerung schwer sein dürfte, auf der Israels Kriegsführung basiert.
Barak stand bisher nicht in dem Ruf, soziale Strukturen gut zu erfassen. Vielmehr wird über ihn gesagt, er sehe mit seiner Universitätsausbildung in den Fächern Mathematik und Physik in Gesellschaften ein Uhrwerk, das man auseinandernehmen und wieder zusammensetzen könne.
Barak trat 1959 in die Armee ein, gehörte zu einer Aufklärungseinheit im Sechstagekrieg 1967 und führte ein Panzerbataillon im Jom-Kippur-Krieg 1973. Im Libanon-Krieg 1982 war der Generalmajor Vizekommandeur. Berühmt wurde sein Einsatz in Frauenkleidung in Beirut. Ein begnadeter Einzelkämpfer sei Barak gewiss, sagen seine Kameraden; aber es sei schwer, ihn von anderen Auffassungen zu überzeugen und zu beraten. Im Oslo-Prozess setzte Barak 1994 das Gaza-Jericho-Abkommen als Generalstabschef um.
In seiner politischen Karriere als Parteichef der Arbeiterpartei von 1996 an und als Premier zwischen 1999 und 2001 war er nicht erfolgreich. Seit dem Scheitern der Camp-David-Gespräche sieht Barak in der Autonomiebehörde nur begrenzt einen Partner. Er bremste in den vergangenen zwei Jahren als Verteidigungschef die Vorhaben des Premiers Olmert.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP