23. Oktober 2007 Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat vor dem Hintergrund der Gewalt im Südosten des Landes von einem gemeinsamen Einsatz mit den Vereinigten Staaten gegen die in der Türkei verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK im Nordirak gesprochen. Bei einem Gespräch mit der amerikanischen Außenministerin Condoleezza Rice am Sonntag habe diese eine gemeinsame Aktion gegen die Stützpunkte der PKK angeregt, sagte Erdogan in einem am Dienstag erschienenen Interview mit der Zeitung Hürriyet. Das Interview wurde kurz vor Erdogans Abflug zu Gesprächen in London geführt.
Wir können einen gemeinsamen Einsatz gegen die PKK in Nordirak führen, sagte Erdogan laut Hürriyet. Eine amerikanische Zeitung berichtete unterdessen, die amerikanische Führung erwäge Luftangriffe auf PKK-Stellungen im Irak. Bislang sei ein Militäreinsatz der Amerikaner gegen die PKK sehr skeptisch beurteilt worden, sagte ein anonymer Regierungsvertreter der Zeitung Chicago Tribune. Doch wenn die Türken über die Grenze gehen, dann kann das so destabilisierend sein, dass es für uns weniger riskant sein könnte, selber etwas zu tun.
Krise mit Weisheit beenden
Bei Gesprächen am Dienstag in Bagdad hat der irakische Außenminister, Hoschiar Zebari, der Türkei versprochen, dass die PKK die türkische Armee künftig nicht mehr von irakischem Staatsgebiet aus angreifen wird. Von unserem Staatsgebiet aus soll es keine bewaffneten Angriffe geben, die die Beziehungen zwischen den beiden Staaten vergiften, und das gilt auch für die kurdische Arbeiterpartei, sagte Zebari nach einem Treffen mit seinem türkischen Amtskollegen Ali Babacan.
Wir haben uns darauf geeinigt, die aktuelle Krise mit Weisheit und auf politischem Wege zu beenden, fügte der kurdische Politiker hinzu. Der türkische Außenminister bestätigte diese Aussage: Politik, Dialog, Diplomatie, Kultur und Wirtschaft sind die Mittel, mit denen wir diese Krise überwinden wollen.
Kein Schlachtfeld im Irak
Die Vereinigten Staaten wollen Anfang November mit der Türkei und dem Irak gemeinsam beraten, wie Angriffe von Kurden-Rebellen gestoppt werden können. Die amerikanische Außenministerin Condoleezza Rice schlug dazu ein Dreiländer-Treffen auf Ministerebene am Rande der Irak-Konferenz in Istanbul vor. Die Vereinigten Staaten seien entschlossen, mit ihren Verbündeten im Irak und in der Türkei die sehr schwierige Situation in den Griff zu bekommen, sagte sie in Washington im Beisein ihres britischen Amtskollegen David Miliband.
Der Präsident der irakischen Autonomieregion der Kurden, Massud Barsani, hatte der amerikanischen Außenministerin versprochen, sich intensiv um eine Beruhigung der Lage an der Grenze zur Türkei zu bemühen. In einer Erklärung der Autonomieregierung hieß es, Barsani habe Rice in einem Telefonat in der Nacht zum Dienstag versichert, dass er in diesem Sinne auch auf die PKK einwirken werde. Die PKK-Kämpfer rief Barsani auf, sich an die von ihnen am Montag angekündigte Waffenruhe zu halten und den Irak nicht in ein Schlachtfeld zu verwandeln.
Werden unsere Leute verteidigen
Bereits am Montag hat Präsident George W. Bush mit dem irakischen Ministerpräsident Nuri al-Maliki und dem türkischen Präsident Abdullah Gül darüber gesprochen, die Kurden-Rebellen von grenzüberschreitenden Angriffen abzuhalten. Bush und Al-Maliki hätten sich geeinigt, in Zusammenarbeit mit der türkischen Regierung die PKK davon abzuhalten, irakisches Staatsgebiet für die Planung und die Ausführung von Terrorschlägen zu nutzen, sagte ein Sprecher von Bush.
Die PKK zeigte sich unterdessen bereit, auf die Türkei zuzugehen, falls die Regierung in Ankara Militäroperationen gegen kurdische Kämpfer einstelle. Wenn die Türkei aber bei ihrer feindlichen Einstellung gegenüber den Kurden bleibt, werden wir uns und unsere Leute verteidigen, hieß es in einer Mitteilung.
Bei Gefechten am Sonntag waren mindestens zwölf türkische Soldaten ums Leben gekommen. Dies hatte Bedenken geschürt, die Türkei könnte eine Militäroffensive im Norden des Irak starten - zumal das Parlament in Ankara in der vergangenen Woche einen Vorstoß nach einer Serie von Zwischenfällen genehmigt hatte.
Text: FAZ.NET mit AFP, dpa und Reuters
Bildmaterial: AP, reuters