Blogs und Podcasts

Die Wohnzimmer-Journalisten

Von Lukas Bay

10. Oktober 2007 Wenn Verlagsmanager von „Web 2.0“ reden, dann leuchten ihre Augen. Von der neuen Form des Internets, dem Mitmachnetz, versprechen sie sich hohe Renditen. Denn die Digitalisierung des Verlagsgeschäfts ist die Zukunft und daher eines der Hauptthemen dieser Buchmesse. Nah am Nutzer muss man bleiben, das wissen die Verlage, deswegen interessieren sie sich für die schöne, neue Internetwelt des „Web 2.0“. Medieninhalte sollen dort künftig von den Benutzern der Medien gemacht werden. Damit die Buchmesse sich auf diesen Trend aufschwingen kann, hat das „Web 2.0“ in diesem Jahr ein eigenes Wohnzimmer bekommen.

Seine Bewohner nennen sich Blogger und Podcaster. Im vergangenen Jahr haben sie zum ersten Mal von der Messe berichtet, nun hat die digitale Boheme das erhalten, was sie braucht, um sich wohlzufühlen: Designersofas, weiße „iBooks“ von Apple, einen Espressoautomaten und die Freiheit, zu machen, was man will. „Für Radiomenschen ist Podcasting ein Traum, der in Erfüllung gegangen ist“, sagt Jan Malte Andresen von „Earpaper“.

Podcasting als zusätzliche Vertriebform

Der Journalist hat sich mit seiner Firma auf die Produktion von kurzen Radiostücken spezialisiert, die man aus dem Internet auf Apples MP3-Player „iPod“ laden und anhören kann. Gemeinsam mit seiner Kollegin Anouk Schollähn macht er das „Radio zur Buchmesse“. Im vergangenen Jahr wurde ihr Podcast von der Messe von durchschnittlich 1000 Hörern pro Tag heruntergeladen. Das Programm besteht aus Interviews mit Prominenten wie dem Literaturkritiker Denis Scheck sowie Kuriositäten und Kleinigkeiten aus dem Messe-Alltag. „Für uns ist Podcasting eine zusätzliche, neue Vertriebform.“

Nebenan sitzen die Blogger. Eine bunt gemischte Truppe aus sieben literaturaffinen Nachwuchsjournalisten und einer PR-Mitarbeiterin der Buchmesse. Sie schreiben Berichte über die Messe, die sie direkt im Internet veröffentlichen. „Posten“ nennen sie das. Auf die Artikel können die Leser sofort mit Kommentaren reagieren. Darauf kommt es an, denn relevant ist nur das, was gelesen wird, nicht unbedingt das, was wichtig ist. „Wenn wir was Lustiges hören, dann schreiben wir darüber“, sagt Janni Froese.

Ein bisschen PR für die Buchmesse gehört natürlich auch dazu. Irgendwer muss die Freiheit ja bezahlen. An das Medieninteresse an ihrem Stand müssen sich die Blogger allerdings erst noch gewöhnen. Das Fernsehen war schon da, die deutsche Welle auch und jetzt kommt noch die Zeitung. Blogger Jan Söftjer ist das nicht ganz geheuer. Später am Tag wünscht er sich in einem Beitrag seines Blogs mehr Kontakt zum Messepublikum und weniger zu Journalisten. Aber daran kann man bei der Buchmesse ja vielleicht noch etwas arbeiten.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP

 
 
 
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