Karrieresprung

Zurück aus der Elternzeit

Von Birgit Obermeier

Karrieresprung - bei FAZ.NET

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02. Juli 2004 „Kommst du jetzt wieder jeden Tag?“ Die Frage der Kollegen klang eher konsterniert denn begeistert. Sie hatten sich eingerichtet, die Aufgaben untereinander aufgeteilt, die ihnen ihre Chefin für die ersten Monate nach der Geburt ihres Sohnes überantwortet hatte. Alles war perfekt organisiert - zu perfekt: „Die glaubten, mich nicht mehr zu brauchen“, erinnert sich Marika Lulay, damals Abteilungsleiterin bei einer Software-Firma, heute Vorstandsmitglied beim IT-Dienstleister GFT Technologies.

Ähnliche Erfahrungen machen viele Frauen, die nach einer Babypause wieder in den Job zurückkehren. „Man darf nicht erwarten, daß ein roter Teppich ausgerollt wird“, sagt Birgit Huber, in der Personalleitung des Pharmakonzerns Aventis zuständig für Personalprojekte. Insbesondere für Frauen in leitenden Positionen sei der Wiedereinstieg nicht einfach. Ganz oder gar nicht, heißen häufig die Alternativen. „Die Bereitschaft, Führungspositionen in Teilzeit zu besetzen, muß erst noch wachsen“, sagt Birgit Huber.

Drei Jahre Auszeit sind zuviel

Generell zeige die Erfahrung: Je kürzer die Auszeit, desto besser, sagt Sabine Hager, Vorstand im Verband berufstätiger Mütter: „Drei Jahre sind in der Regel zuviel.“ Eine frühe Rückkehr setzt freilich voraus, einen der raren Betreuungsplätze zu ergattern. In Westdeutschland reichen sie derzeit gerade mal für drei Prozent aller Kinder unter drei Jahren aus.

Auf die Väter ist in Sachen Betreuung wenig Verlaß: Seit 2001 haben zwar beide Elternteile einen Rechtsanspruch auf drei Jahre Elternzeit, in denen sie sich gemeinsam oder abwechselnd ihrem Nachwuchs widmen können. Genutzt wird dieses Angebot allerdings nur zu knapp fünf Prozent von Männern, zeigt der aktuelle Elternzeitbericht des Familienministeriums.

Über ihren beruflichen Wiedereinstieg sollte sich frau frühzeitig Gedanken machen, rät Sabine Hager: „Je klarer man seine Wünsche darlegt, desto besser kann das Unternehmen planen.“ Aventis-Personalleiterin Birgit Huber empfiehlt, dem Vorgesetzten noch vor der Geburt konkrete Vorschläge zu unterbreiten, wie sich die eigene Arbeit künftig strukturieren ließe.

Wichtig: Kontakt mit Kollegen

Engagement tut Not, das zeigt eine aktuelle repräsentative Studie, mit der das Familienministerium und der DGB die Erwartungen an einen familienfreundlichen Betrieb analysierten. Danach wurde mit 59 Prozent der befragten Angestellten, die in den vergangenen Jahren eine Babypause einlegten, kein Personalgespräch zu ihren beruflichen Perspektiven geführt. Als ob das Berufsleben mit der Geburt enden würde.

Dabei dürfen Mütter und Väter seit 2001 bereits während der Elternzeit wöchentlich bis zu 30 Stunden arbeiten. Mehr als drei Viertel der in der Studie Befragten würden dies auch gerne tun. Ein Angebot zur Teilzeit-Arbeit erhielten allerdings nur 29 Prozent von ihrem Arbeitgeber. An einer Weiterbildung durften lediglich 17 Prozent teilnehmen.

Wer nicht in Vergessenheit geraten will, muß sich während der Elternzeit bemerkbar machen: Sei es durch regelmäßigen Kontakt mit den Kollegen oder dem Angebot, eine Urlaubsvertretung zu übernehmen. „Es geht nicht ohne die Eigeninitiative der Frauen“, sagt Elisabeth Vogelheim, Leiterin Frauenförderung bei Volkswagen.

Unterstützung beim Wiedereinstieg

Einige Unternehmen unterstützen sie aber auch mit speziellen Angeboten. Aventis informiert während der Elternzeit mit einer vierteljährlichen Publikation über Neuigkeiten und Veränderungen in der Organisation. Sechs Monate vor der angekündigten Rückkehr werden die jungen Mütter zu einem Halbtages-Seminar eingeladen, bei dem auch die zuständigen Personalreferenten anwesend sind.

Volkswagen bittet gleich an sieben Vormittagen zu einem „Familienmanagementseminar“. Zur Vorbereitung auf ihren Wiedereinstieg lernen die Mütter dort Techniken des Selbstmanagements und werden über Teilzeit-Modelle in ihrem Arbeitsbereich informiert. „Unsere Vier-Tage-Woche ermöglicht auch einen leichteren Wiedereinstieg in Vollzeit“, sagt Elisabeth Vogelheim.

Familienfreundlichere Arbeitszeiten stehen mit Abstand ganz oben auf der Wunschliste berufstätiger Eltern, ergab die Studie von Familienministerium und DGB. Bei Müttern mit 57 Prozent zwar noch deutlich höher als bei Vätern (47 Prozent). Ein Frauenthema aber scheint die Vereinbarkeit von Familie und Beruf - zumindest nach der Elternzeit - nicht mehr zu sein.

Text: @ober

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