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Karrieresprung

Auf Wiedersehen Inder

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13. Juni 2003 Kommen sollten sie in Scharen, um den Technologie-Standort Deutschland zu sichern. Etwas mehr als 13.000 hochqualifizierte Spezialisten folgten bislang der Aufforderung der Bundesregierung und beantragten eine Greencard. Mittendrin stürzte die Branche in eine Krise. Heute registriert die Bundesanstalt für Arbeit über 60.000 arbeitslose IT-Fachleute.

Auch an den Greencard-Besitzern, jeder Fünfte ein Inder, gingen Firmenpleiten und Sparmaßnahmen nicht vorüber. Sind die ausländischen Programmier-Cracks aber erst mal arbeitslos, hört es auch mit der Gastfreundschaft schnell auf. Das belegt eine aktuelle Analyse des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesanstalt für Arbeit in Nürnberg. Sie untersuchte Ausmaß und Strukturen der Greencard-Arbeitslosigkeit exemplarisch im Arbeitsamtsbezirk München, wo immerhin jede sechste Greencard in Deutschland erteilt wurde.

Die Ausländerbehörde im Nacken

Der Studie zufolge waren knapp sieben Prozent der in München registrierten Greencard-Besitzer bereits mindestens einmal arbeitslos gemeldet. Die wahre Zahl liegt vermutlich höher, glauben die Autorinnen Franziska Schreyer und Marion Gebhardt. Oftmals werde der Gang zur Behörde erst angetreten, wenn die eigenen finanziellen Ressourcen aufgebraucht sind - sei es aus Scham oder Unkenntnis über den Anspruch auf Arbeitslosengeld. Den erwirbt, wer mindestens zwölf Monate in Deutschland gearbeitet hat. Ein Fünftel der arbeitslosen Greencard-Besitzer in München hat allerdings schon im ersten Jahr den Job verloren und damit keine Leistungsansprüche.

Dafür die Ausländerbehörde im Nacken. Zwar wird die Greencard für einen Zeitraum von fünf Jahren erteilt. Die Aufenthaltserlaubnis aber ist in vielen Fällen an die Beschäftigung bei einem bestimmten Arbeitgeber gekoppelt. In anderen Fällen nicht. „Bereits auf dieser Ebene gibt es uneinheitliche Verfahrensweisen“, kritisiert die IAB-Studie. Das setzt sich fort bei der Vergabe der Aufenthaltstitel: Arbeitslosen Greencard-Besitzern mit Anspruch auf Arbeitslosengeld gewährte die Ausländerbehörde der Stadt München vergangenes Jahr gerade mal drei Monate Zeit, einen neuen Job zu finden. Wer erst seit kurzem im Land war, wurde noch schneller - bisweilen innerhalb weniger Tage - nach Hause komplimentiert. IT-Krise hin oder her: Die Greencard sollte auf keinen Fall neue Sozialhilfeempfänger produzieren.

„Behördliche Willkür“

Auf Initiative des IT-Sonderteams der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) ersuchte das Bundesinnenministerium die Länder um eine großzügigere Praxis. Wer Anspruch auf Arbeitslosengeld erworben hatte, dem sollte diese Zeit auch für die Jobsuche gewährt werden. Die Ausländerbehörden der Region München freilich halten weiterhin an der Drei-Monats-Frist fest, teils mit Verlängerung, ergab die IAB-Studie. Die Autorinnen sprechen von „behördlicher und persönlicher Willkür“ und fordern einheitliche, liberalere Regelungen, um die IT-Fachleute in der Bundesrepublik zu halten: „Selbst um den Preis von Sozialhilfe, die bei diesem hochqualifizierten und -motivierten Personenkreis sicher nur vorübergehend zu zahlen wäre.“

Das bestätigen Erfahrungen des IT-Sonderteams der ZAV, das arbeitslose Greencard-Besitzer bei der Jobsuche unterstützt. Diese können etwa ihr Profil mit einer Sonderkennung in eine Bewerberdatenbank eintragen oder um eine persönliche Vermittlung bitten. Knapp 100 Bewerber betreut das IT-Sonderteam gegenwärtig. Demgegenüber stehen monatlich rund 200 neue Greencard-Bewilligungen. „Wie bei allen Stellenmärkten decken sich die Profile von Gesuchen und Bewerbern nicht immer“, sagt ZAV-Sprecherin Sabine Seidler.

Fest steht: „Bedarf an qualifizierten IT-Fachkräften wird auch weiterhin bestehen“, sagt Werner Dostal, Mitarbeiter im Bereich Berufs- und Qualifikationsforschung am IAB. Müssen deutsche Unternehmen - nicht zuletzt angesichts des demographischen Wandels - bald wieder ausländische Spezialisten rekrutieren, wird sich zeigen, wie attraktiv der Standort ist. In einer Umfrage auf www.trust7.com, einem Internet-Forum für Greencard-Inhaber, bekunden jedenfalls 70 Prozent, mit Deutschland nicht die beste Wahl getroffen zu haben.

Text: @ober

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