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Leserbrief Vielfalt in der Wirtschaft zahlt sich aus 05. Juni 2008 Zum Beitrag "Gezerre um Diskriminierung - Mehrheit im EU-Parlament verlangt Rahmengesetz" im Wirtschaftsteil der F.A.Z. vom 21. Mai: Angesichts der Stellungnahmen konservativer und liberaler Politiker sowie etlicher Journalisten zu der geplanten EU-Antidiskriminierungsrichtlinie läuft einem doch ein Schauer über den Rücken. Die geplante Richtlinie will dafür sorgen, dass ältere Menschen, Homosexuelle, Menschen mit Behinderung sowie Menschen eines bestimmten Glaubens beim Zugang zu Gütern und Dienstleistungen die gleichen Rechte haben wie alle anderen Menschen auch, nämlich dass ihnen so alltägliche Dinge wie beispielsweise der Restaurantbesuch nicht verweigert werden dürfen, bloß weil sie im Rollstuhl sitzen oder schwul sind. Dieses Recht auf Nichtdiskriminierung hat nichts mit Bürokratie zu tun, sondern ist ein Menschenrecht. Für die Merkmale Geschlecht und ethnische Herkunft gibt es dafür auch schon entsprechende europäische Regelungen. Dass Konservative und deutsche Liberale diesen Schutz vor Diskriminierung im Alltag nun anderen Gruppen nicht zusprechen wollen, widerspricht nicht nur unseren demokratischen Grundsätzen, sondern auch dem gesunden Menschenverstand. Dennoch sind sich die Gegner dieser Richtlinie nicht zu schade, Argumente vorzubringen, die mit der geplanten Richtlinie rein gar nichts zu tun haben. Von finanziellen und bürokratischen Belastungen für die Wirtschaft ist die Rede. Man fragt sich jedoch: welche Belastungen? Denn erstens sind die meisten Punkte der geplanten Richtlinie in Deutschland mit dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz schon deutsches Recht. Zweitens betrifft die Richtlinie überhaupt nicht den Bereich des Arbeitslebens, und drittens scheinen die selbsternannten politischen Wirtschaftsvertreter verschlafen zu haben, dass die Anerkennung von Verschiedenheit (Diversity Management) gerade in Zeiten des demographischen Wandels das Erfolgsrezept zukunftsorientierter Wirtschaftspolitik ist. Vorreiter-Unternehmen wie Ford, Ikea, aber auch die Telekom oder die Deutsche Bank, haben längst die Erfahrung gemacht, dass die Förderung personeller Vielfalt sich kurz- und langfristig als motivierend und gewinnbringend erweist. Die von den Konservativen immer wieder vorgebrachten Kosten für Fortbildung und Schulungen zahlen sich langfristig doppelt und dreifach wieder aus. Annalena Baerbock, Berlin Text: F.A.Z. |
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