In der deutschen Touristikbranche arbeiten rund 70 000 Menschen. Doch diejenigen, die die schönen Stunden des Jahres planen, einkaufen und schließlich verkaufen, sehen in ihrer Mehrzahl am Monatsanfang eher leicht mißmutig auf ihren Kontoauszug: Denn richtig gut verdient wird in der Branche nicht. Auf jeden Fall gilt das für die 17 000 Mitarbeiter, die dem Branchentarifvertrag unterliegen.
Ein Reisebürokaufmann - meist mit einer abgeschlossenen Lehre - verdient seit dem 1. Juli in der Beschäftigungsgruppe C zwischen 1643 und 2218 Euro im Monat. Sein Büroleiter erhält nach dem Tarifvertrag 1990 bis 2661 Euro. Damit liegt er im Durchschnitt dessen, was Reiseleiter oder Animateure - also die Mitarbeiter von Veranstaltern mit dem engsten Kundenkontakt - monatlich erhalten.
Trotz der schwachen Branchenkonjunktur der vergangenen Jahre wegen des allgemeinen schwierigen wirtschaftlichen Umfeldes ist es nicht zu einer großen Abwanderung gekommen. In den Reisebüros, dort dominieren weibliche Expedienten, ist die Fluktuationsrate dramatisch gesunken, wie Reisebüroeigner berichten. Daher hält sich die Nachfrage gegenwärtig in Grenzen, wenn auch die mittelfristige Perspektive nicht so ungünstig aussieht.
Wer jedoch in der Hierarchie in führende Positionen aufsteigen will, dem sei ein Fachhochschulstudium an einem Touristiklehrstuhl empfohlen. Mit dieser Ausbildung bestehen gute Aussichten, in das mittlere Management aufzusteigen. Wer ehrgeiziger ist, sollte ein Hochschulstudium der Betriebswirtschaft oder einer vergleichbaren Fakultät vorweisen können. Gute Fremdsprachenkenntnisse in einer Sprache - besser in zwei (etwa Englisch und Spanisch) - sind in einer Branche mit internationalem Flair Pflicht. Außer bei den Reiseveranstaltern bestehen in Hotels, Fremdenverkehrsvereinen, Mietwagenunternehmen sowie im Kongreß- und Tagungsbereich weitere Einsatzmöglichkeiten. Servicebereitschaft und verkäuferisches Talent sind wichtige Sekundärtugenden der Branche.
In den vergangenen Jahren haben sich die Einstellungschancen für Fach- und Führungskräfte durch die Branchenkrise nicht gerade nachhaltig verbessert. Doch mit fortschreitender Professionalisierung nimmt die Zahl der Führungskräfte mit Hochschulabschluß stetig zu, die mehr und mehr den Praktiker ersetzen.
Allerdings achten die Unternehmen darauf, daß sich Hochschulabsolventen im Urlaubsgebiet eine Zeitlang bewähren. Nicht nur der Vorstandsvorsitzende der Thomas Cook AG, Wolfgang Beeser, war lange Jahre Reiseleiter in spanischen Zielen, auch der Geschäftsführer von Airtours hat nach einem Hochschulstudium als Reiseleiter gearbeitet. Ausnahme ist Michael Frenzel: Der Vorstandsvorsitzende der TUI ist Jurist und als eingefleischter Banker in Sachen Touristik ein Seiteneinsteiger. Der letzte Geschäftsbericht weist für ihn ein Gehalt von 3,22 Millionen Euro aus. Das ist fast das Hundertfache des Gehalts einer Fachkraft bei TUI.
Text: noa., F.A.Z., 06.08.2005
Bildmaterial: F.A.Z.