Von Angelika Eckert
11. Februar 2005 Die IT-Branche kann wieder aufatmen. Nach drei Jahren mit sinkenden Zahlen hofft der Branchenverband Bitkom auf ein kräftiges Umsatzplus von 3,4 Prozent. Knapp die Hälfte der 700 befragten Mitgliedsfirmen will wieder einstellen. Gute Nachrichten vor der Weltcomputermesse Cebit, die im März in Hannover stattfindet.
Allein das Münchner Software- und Beratungsunternehmen sd&m sucht nach einer großen Einstellungswelle im letzten Jahr 200 neue Mitarbeiter - 140 davon in Deutschland und 60 in der polnischen Dependance. Derzeit beschäftigt sd&m 950 Personen. 90 Prozent unserer Neueinstellungen rekrutieren sich aus Hochschulabsolventen technischer Studiengänge wie Informatik, Mathematik, Physik und Ingenieurswissenschaften, erklärt Personalvorstand Dirk Taubner.
Management von Projekten ist gefragt
Die Bewerber müssen exzellente Noten mitbringen. Nicht nur der Hochschulabschluß muß stimmen, sondern auch das Abiturzeugnis, Projekte während des Studiums sind von Vorteil. Taubner ist zwar überzeugt, daß sich Kompetenzanforderungen aufgrund der Kundenorientierung von der reinen Entwicklung hin zum Management von Projekten verschieben werden. Aber er warnt davor, die Technik zu vernachlässigen: Man muß etwas von der Sache verstehen.
Die Anforderungen an Bewerber sind gestiegen, wie Rosemarie Clarner, Director Human Resources bei dem Saarbrücker IT-Dienstleister IDS Scheer AG, mit über 2.000 Mitarbeitern einer der großen IT-Anbieter in Deutschland, attestiert. Heute brauchen wir Leute mit einem breiten Erfahrungshorizont, da die zunehmend großen Kundenprojekte anspruchsvolle, betriebswirtschaftliche Problemlösungen erfordern. Eine mehr oder weniger wahllose Einstellung wie während des E-Business-Hype werde es in der IT-Branche nicht wieder geben.
Wenig Chancen für Quereinsteiger
Quereinsteiger haben kaum Chancen, gefragt ist eine solide Fachausbildung. So sucht der im TecDax notierte Anbieter von Lösung für das Geschäftsprozeßmanagement in erster Linie High Potentials, Mitarbeiter mit einem erfolgreich abgeschlossenen Hochschulstudium und mehrjähriger praktischer Erfahrung in Projekten. Wir wählen sehr genau aus, wer zu uns paßt, sagt Clarner.
Erfahrene Mitarbeiter sucht auch das Karlsruher Software- und Beratungshaus Xcc Software AG. Wir sind zu klein für Trainee-Programme und stellen deswegen zur Zeit ausschließlich erfahrene Projektleiter, Senior Consultants und Software-Architekten ein, sagt Edgar Schüber, Vorstand des 50 Mitarbeiter zählenden Unternehmens. Der Mittelständler rekrutiert vorrangig Informatiker mit Ingenieurs-Wissen aus Maschinenbau, Elektronikentwicklung oder Ingenieure mit fundiertem Informatik-Wissen. Das ist eine seltene Spezies, so Schüber. Das Unternehmen bewegt sich im Markt für Automotive Software Engineering und der Entwicklung sicherheitskritischer Softwaresysteme in der Luftfahrt. Die Bedeutung der Software erhält dort einen immer größeren Stellenwert, so Schüber.
Junge Menschen den Anforderungen gemäß entwickeln
Bülent Uzuner, Vorstandsvorsitzender der Mittelstandsberatung BTC AG, setzt auf einen gesunden Mix von Hochschulabsolventen, Mitarbeitern in den ersten Berufsjahren und erfahrenen Beratern. Im letzten Jahr ist das Unternehmen um 140 Neue auf 470 Mitarbeiter gewachsen und dieses Jahr sollen nochmals 130 dazukommen, auch Trainees sind gesucht. Uzuner skizziert die Vorteile eines solchen Programms: Junge Menschen können wir unseren Anforderungen gemäß entwickeln. In jeder Unit des in Oldenburg ansässigen Unternehmens laufen Hochschulabsolventen, vorzugsweise Informatiker, Wirtschaftsinformatiker und Betriebswirte mit, die sich das nötige Praxiswissen in der IT-Beratung aneignen und in der Regel nach zwei bis drei Jahren als eigenständige Berater arbeiten können.
Und obwohl gerade in der Software-Entwicklung das Gespenst des Offshoring umgeht, ist das für die zumeist mittelständisch geprägten IT- Unternehmen kein Thema. Offshoring lohnt sich erst bei großen Systemhäusern, sagt Bülent Uzuner. sd&m, die zur Capgemini-Gruppe gehört, folgt zwar den Off- und Nearshoring-Aktivitäten des Mutterhauses nach Polen und Indien. Doch am Entwicklungsstandort Deutschland wird nicht gezweifelt. Kundenorientierung ist gefragt und das erfordert exzellente Mitarbeiter vor Ort, faßt Dirk Taubner zusammen.
Text: @rwi