Karrieresprung

Outplacement für alle

Von Birgit Obermeier

Karrieresprung - wöchentlich bei FAZ.NET

Karrieresprung - wöchentlich bei FAZ.NET

09. August 2002 Jahrelang saßen sie an den Hebeln der Macht und setzten Mitarbeiter vor die Tür, wo es das Diktat der Wirtschaftlichkeit forderte. Nun hat es sie selbst erwischt. Entlassen. Weg damit auch der große Schreibtisch, der Dienstwagen, die Sekretärin - der Lebensinhalt. In einer Outplacement-Beratung treffen sich acht Ex-Manager, um unter fachkundiger Anleitung wieder zu Selbstbewusstsein und einem neuen Job zu finden.

Als das Theaterstück „Top Dogs“ von Urs Wiedmer 1996 in Zürich uraufgeführt wurde, war Outplacement noch den wenigsten ein Begriff. Mittlerweile läuft das Geschäft mit der organisierten Trennungshilfe - in den USA als Begleiterscheinung von Hire & Fire fest in der Unternehmenswelt etabliert - auch hierzulande auf vollen Touren. Die rund 30 spezialisierten Beratungen erwirtschafteten 2001 einen Umsatz von 37 Millionen Euro - ein Fünftel mehr als im Vorjahr. Dafür pufferten sie im Auftrag der Unternehmen den Rauswurf von 1.600 Managern ab, ermittelte der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) in Bonn.

Erst analysieren, dann suchen

Im Gegensatz zum Headhunter macht sich der Outplacement-Spezialist nicht schnurstracks auf die Suche nach einer adäquaten neuen Stelle. Er analysiert zunächst mit dem Klienten: Warum ich? Wo liegen meine Stärken? Wo will ich hin? Was brauche ich dazu? „Outplacement ist ein Instrument der Personalentwicklung“, erklärt Herbert Mühlenhoff, Geschäftsführer von Mühlenhoff & Partner. Steht das Ziel fest, heißt die nächste Lektion: Selbstvermarktung. Wer jahrelang sicher im Sessel saß, hat keinen aktuellen Lebenslauf parat und weiß oft nicht mal, was dort hinein gehört oder welche Erfahrungen dem neuen Arbeitgeber dienlich sein könnten.

Die Jobsuche erfolgt auf klassischen Wegen: Stellenanzeigen, Direktansprache von Unternehmen, persönliche Kontakte der Berater. Die BDU-Statistik verspricht Erfolgsquoten von über 90 Prozent. Was für den Ex-Arbeitgeber eine Gewissensberuhigung, ist für die Outplacement-Zunft gutes Geld. Für die zwölfmonatige Rundum-Betreuung eines geschassten Managers kassieren sie rund 20 Prozent seines letzten Jahresbruttoeinkommens plus Pauschale.

Gruppentermin für „gewöhnliche“ Mitarbeiter

Es geht aber auch günstiger. Besorgt um ihr Image - sowohl nach außen wie auch bei der verbleibenden Belegschaft - gewähren Unternehmen bei anstehenden Massenentlassungen zunehmend auch „gewöhnlichen“ Mitarbeitern Outplacement-Maßnahmen. Freilich in deutlich abgespeckter Version - etwa in Form von gemeinsamen Bewerbungstrainings oder Kurzqualifizierungen. Mehr als 13.000 Gekündigten wurde 2001 eine Gruppenberatung zuteil, ermittelte der BDU.

Hat das Unternehmen einen Sozialplan aufgestellt, kann es dafür sogar eine ordentliche Geldspritze vom Arbeitsamt erhalten. Innerhalb des so genannten „Eingliederungstitels“ - ein bundesweit 14 Milliarden Euro schwerer Topf - kann sowohl aus dem Posten „freie Förderung“ wie auch aus den Zuschüssen zu Sozialplanmaßnahmen Geld für Outplacement-Maßnahmen locker gemacht werden. Für wen und wie viel liegt im Ermessen der zuständigen Behörde.

Das Landesarbeitsamt Nordrhein-Westfalen etwa investierte 2001 der Großteil der Zuschüsse zu Sozialplanmaßnahmen - insgesamt 2,4 Millionen Euro - in Outplacement-Unterstützung. Beispielsweise für ein Textilunternehmen, das 169 Mitarbeiter entließ. 94 von ihnen nahmen an der freiwilligen Outplacement-Maßnahme teil, 67 davon fanden in der stark gebeutelten Branche einen neuen Job. „Ein guter Erfolg“, meint Astrid Neese vom Förderreferat des Landesarbeitsamtes Nordrhein-Westfalen.

Flop: Trennungshilfe mit Rückversicherung

Der ist Siemens mit seinem Versuch des „New Placement“ offenbar nicht so recht beschieden. Den „entbehrlichen“ Mitarbeitern der defizitären Sparten ICN und ICM - an den vier deutschen Standorten sind das mehrere Tausend - wurde angeboten, sich sechs Monate lang bei vollem Gehalt die Hälfte ihrer Arbeitszeit freistellen zu lassen und unter fachkundiger Anweisung einen neuen Brötchengeber zu suchen. Der Clou: All das in ungekündigter Stellung und damit ohne Risiko. Wer keine neue Stelle findet, bleibt, so die Regelung.

Völlig widersinnig, mäkeln Kritiker: Wer mit einem Fuß noch im Unternehmen ist, dem fehle der Leidensdruck, um sich überzeugend zu verkaufen. Mit dem anderen Fuß schon draußen, weil vom Vorgesetzten als „entbehrlich“ eingestuft, wird das Bleiben auch fast unmöglich. Rund 500 Mitarbeiter nahmen an dem Programm teil, 140 wurden offiziellen Angaben zufolge bislang vermittelt. Zu wenig, zumal vor einigen Tagen der geplante Abbau von weiteren 4.000 Stellen weltweit - davon 1.500 in München - durchgesickert ist. Aus dem „New Placement“ wird für viele dann wohl doch ein klassisches Outplacement.

Outplacement-Beratungen im BDU

- Diemer Unternehmensberatung GmbH, www.diemer-outplacement.de

- Interaction Consulting, www.interaction-consulting.de/

- Mühlenhoff + Partner GmbH, www.muehlenhoff.de#

- Right Coutts Consulting, www.right.com

- von Rundstedt & Partner GmbH, www.rundstedt.de

- SKP Dr. Stoebe, Kern & Partner, www.skp-ag.de



Text: @ober

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche