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| 2007 hat die Branche in Deutschland bereits 7000 bis 8000 neue Berater eingestellt. Für 2008 rechnet der BDU mit mind. genauso vielen.
Antonio Schnieder, Präsident des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater (BDU) |
21. Januar 2008
Beratungsfirmen sind zuletzt gewachsen wie seit der Jahrtausendwende nicht mehr. Sie suchen 2008 wieder Überflieger aller Studienfächer.
Unternehmensberater klagen selten über Auftragsflaute - das passt nicht zum Selbstbild der smarten, gut gekleideten Überflieger, die für alles die richtige Lösung parat haben. Doch in den vergangenen zwei Jahren haben sie noch bessere Geschäfte gemacht als sonst: Der Umsatz der Branche ist 2006 auf 14,7 Milliarden Euro gestiegen - um mehr als 11 Prozent. Der Verband Deutscher Unternehmensberater (BDU) rechnet 2007 mit einem neuen Höchststand und sieht auch 2008 wieder eine exzellente Beraterkonjunktur. Die Auftragsbücher für die ersten Monate im kommenden Jahr sind vielfach schon gut gefüllt, sagt BDU-Präsident Antonio Schnieder. Es geht den Consultern so gut wie seit dem Boomjahr 2000 nicht mehr.
Wer sich also auf die spezielle Unternehmenskultur von McKinsey, Boston Consulting Group (BCG) oder Arthur D. Little einlässt, hat 2008 glänzende Aussichten auf einen Job. Der Beraternachwuchs wird weiter zu den wichtigsten Branchenthemen zählen, prophezeit Schnieder. Der Grund: Hochqualifizierte oder zumindest gut qualifizierte Kandidaten sind knapp. 2007 hat die Branche in Deutschland bereits 7.000 bis 8.000 neue Berater eingestellt, sagt Schnieder. Für 2008 rechnet der BDU mit mindestens genauso vielen: Allein die drei Marktführer McKinsey, Roland Berger und BCG wollen fast 600 Junior-Berater einstellen. Und der Bedarf wird mittelfristig sogar noch zunehmen, wenn nämlich die geburtenschwachen Jahrgänge auf den Arbeitsmarkt kommen.
Allerdings sind die Ansprüche hoch: Es gehört zum Geschäftsmodell der Beraterfirmen, die gescheitesten Absolventen mit den besten Noten des jeweiligen Jahrgangs zu finden - schließlich stehen selbst Neulinge oft schon nach wenigen Tagen als Consulter vor Kunden, die mehrere Tausend Euro pro Tag für deren Dienstleistung bezahlen. Das Beratergeschäft ist nicht jedermanns Sache: Vor allem wegen der berüchtigten langen Arbeitszeiten und des gnadenlosen Up or Out-Prinzips, das jeden aussortiert, der nicht regelmäßig auf die nächste Karrierestufe klettert.
Der Trend bei den Großen der Branche, die Köder immer attraktiver zu machen, setzt sich 2008 fort: Der Top-Nachwuchs wird mit Einstiegsgehältern ab 50.000 Euro gelockt, in der Regel plus Dienstwagen und Reisen in der Business Class. Als Ausgleich für Leistungsdruck und extreme Arbeitszeiten sehen inzwischen auch fast alle Beratungsfirmen sogenannte Sabbaticals vor: Nach anderthalb Jahren können die Jung-Berater sich eine Auszeit von einigen Monaten nehmen. Branchenprimus McKinsey etwa erlaubt Hochschulabsolventen neuerdings, im dritten Jahr bei vollem Gehalt für Promotion oder MBA auszusteigen. Roland Berger zahlt für den gleichen Zweck immerhin Teile des Gehalts. Bei der Boston Consulting Group (BCG) können die Consulter in den ersten Jahren auf einen Teil ihres Gehalts verzichten - den sie dann mit einem Bonus ausgezahlt bekommen, wenn sie promovieren wollen.
Um in den Genuss solcher Privilegien zu kommen, durchlaufen angehende Berater einen harten Auswahlprozess. Auch in diesem Jahr rechnen die drei großen Unternehmensberatungen McKinsey, Roland Berger und BCG mit rund 15.000 Bewerbern. Ganze 15 Prozent von ihnen werden die Recruiter zu ihren Assessment-Centern einladen, in denen die Neulinge Vorstellungsgespräche mit erfahrenen Beratern absolvieren und unter Zeitdruck Fallstudien lösen müssen. Am Ende werden nur 2 bis 5 Prozent der Bewerber übrig bleiben - so die Erfahrungswerte der Personaler. Supernoten sind die Voraussetzung, am besten garniert mit perfektem Englisch, Top-Allgemeinbildung und Kommunikationstalent. Die Grundanforderungen sind exzellente fachliche Leistungen, dazu ein Auslandsaufenthalt sowie Praktika, betont Günther Illert, Chef-Recruiter der Unternehmensberatung Capgemini Consulting. Wir arbeiten meist in gemischten Teams mit Kundenmitarbeitern. Da muss sich bei uns jeder Berater arroganzfrei und mit eigener Persönlichkeit in ein Projekt mit einbringen. Ob er das kann, hinterfragen wir im Recruiting-Prozess sehr kritisch.
Wer derartig siebt, muss dafür sorgen, dass er eine möglichst breite Auswahl an Bewerbern zur Verfügung hat. Wir suchen die Nadel im Heuhaufen, bestätigt Just Schürmann, Recruiting-Chef von BCG. Deshalb machen die Consulter nicht nur mit Vorträgen und Workshops an Wirtschaftsuniversitäten auf sich aufmerksam. Gute Studenten haben auch bei fast allen großen Unternehmensberatungen die Möglichkeit, ein Praktikum zu absolvieren. BCG vergibt wieder rund 100 Plätze, Booz Allen Hamilton ist mit 40 Praktikumsstellen dabei, A.T. Kearney will wieder 40 Studenten aller Fächer aufnehmen, Roland Berger sogar 120. Und alle wollen nur die Besten der Besten.
Die Consulter werben verstärkt nicht nur um BWL-Absolventen, sondern auch um angehende Techniker und sogar Geisteswissenschaftler, die sie mit Segeltörns in Griechenland oder kostenlosen Klassikkonzerten betören wollen. Bei McKinsey sind bereits fast die Hälfte aller Berater keine Ökonomen mehr, sondern haben Jura, Ingenieurwesen, Medizin, Natur- oder Geisteswissenschaften studiert. Bei Roland Berger sind es rund 40 Prozent. Die Quereinsteiger lernen in zwei- bis dreiwöchigen Einführungskursen die Grundbegriffe der Betriebswirtschaftslehre. Bei den sogenannten Mini-MBAs pauken Business-School-Professoren mit den künftigen Beratern Bilanzen und Budgetplanung.
Weiterhin besonders gefragt sind Hochschulabsolventen in der IT-Beratung: Das aktuelle BDU-Branchenbarometer zeigt, dass fast 60 Prozent der IT-Beratungsfirmen ihren Umsatz zuletzt deutlich erhöht haben. Inzwischen machen die Spezialisten für Outsourcing und Computersysteme mehr als ein Viertel des gesamten Branchenumsatzes. IT-Consultingfirmen wie Accenture, Capgemini oder Bearing Point analysieren wie klassische Managementberater die Arbeitsabläufe, stellen Hypothesen auf und arbeiten dann an Lösungsstrategien. Anders als die Kollegen von McKinsey und Co. bauen sie aber anschließend gemeinsam mit Kundenteams die passende IT auf. Sie beraten ihre Kunden beim richtigen Einsatz von Netzwerken oder Computerprogrammen, und sie entwickeln auch selbst technische Lösungen. Kein Wunder, dass ihre Berater-Multitalente glänzend verdienen. Der Durchschnittsverdienst eines IT-Projektleiters lag im vergangenen Jahr bei 64.468 Euro, der eines SAP-Beraters bei 62.814 Euro, hat die Fachzeitschrift Computerwoche in einer aktuellen Studie ermittelt.
Besonders dynamisch wachsen weiterhin auch kleinere und mittelgroße Beratungsfirmen. Der Marktanteil von Hidden Champions wie Dornier Consulting, Kurt Salmon Associates oder der Stuttgarter Technologie Management Gruppe liegt bereits bei 23 Prozent. Kleine Beratungsfirmen sind häufig auf Teilmärkte oder bestimmte Beratungsfelder spezialisiert, und auch sie suchen ständig qualifizierten Nachwuchs. Allerdings sind ihre Themen häufig so speziell, dass sie nicht viel mit frischen Universitätsabsolventen anfangen können. Bei den ganz kleinen Unternehmensberatungen mit einem Umsatz von unter 5 Millionen Euro haben Neueinstellungen in der Regel schon mindestens fünf Jahre Berufserfahrung. Neulinge sollen bereits erste Erfolge vorweisen können, um den Firmenchefs auf gleicher Augenhöhe zu begegnen. Ansonsten schauen auch kleine Consultingfirmen auf die gleichen Fleißkärtchen wie ihre großen Konkurrenten: Bewerber sollen flexibel, belastbar, teamfähig sein, außerdem Auslandserfahrung und gute Noten mitbringen. Gesucht sind vor allem Wirtschaftswissenschaftler, Wirtschaftingenieure und Wirtschaftsinformatiker. Auf das Wagnis, Theologen oder Germanisten per MBA-Crashkurs zu Beratern umzuschulen, lassen die Spezialisten sich jedenfalls nur selten ein. Da bleibt dann nur der Segeltörn mit McKinsey.
Hier gibt´s Jobs für Hochschulabsolventen
A.T. Kearney
Bedarf 2008: ca. 150 Nachwuchsberater, Young Professionals und Praktikanten
Gesuchte Fachrichtungen: Ingenieurwissenschaften, Naturwissenschaften, (Wirtschafts-)Informatik, Wirtschaftswissenschaften
Für welche Bereiche wird gesucht: Unternehmensberater, Young Professionals (Associate), Hochschulabsolventen (Business Analyst, Senior Business Analyst), sowie Summer Trainees bzw. Summer Associates (Praktikumsprogramm)
http://www.atkearney.de
Booz Allen Hamilton
Bedarf 2008: ca. 100 Nachwuchskräfte
Gesuchte Fachrichtungen: Absolventen aller Studienfachrichtungen
Für welche Bereiche wird gesucht: für die Beratung von Kunden unterschiedlicher Branchen http://www.boozallen.de/karriere
The Boston Consulting
Bedarf 2008: 220 Berater und mindestens 130 Praktikanten
Gesuchte Fachrichtungen: Absolventen aller Fachrichtungen
Für welche Bereiche wird gesucht: nach Einstieg für Beratung von Kunden aus unterschiedlichen Branchen, anschließend Spezialisierung auf bestimmte Branchen und Themen
http://www.bcg.de/karriere
Bearing Point
Bedarf 2008: ca. 400 Absolventen und Professionals
Gesuchte Fachrichtungen: Wirtschaftswissenschaften, (Wirtschafts-)Informatik, (Wirtschafts-)Mathematik
Für welche Bereiche wird gesucht: für Kundenberatung bei Fusionen, Übernahmen und Kooperationen mit kompetenter Beratung und innovativen Integrationskonzepten
http://www.bearingpoint.de
Capgemini Consulting Deutschland
Bedarf 2008: 250 Absolventen und Professionals
Gesuchte Fachrichtungen: Betriebswirtschaftler, (Wirtschafts-)Ingenieure, (Wirtschafts-)Informatiker
Für welche Bereiche wird gesucht: für die Beratung von Unternehmen im Spannungsfeld von Unternehmensstrategie, Prozessen und Informationstechnologie, sowohl auf der Ebene von Querschnittfunktionen als auch für die einzelnen Industrie- und Dienstleistungssektoren http://www.capgemini-karriere.de
Deloitte Consulting
Bedarf 2008: im Consulting-Bereich 170 Neueinstellungen (2007/08; 750 gesamt)
Gesuchte Fachrichtungen: Wirtschaftswissenschaften, Wirtschaftsingenieurwesen, Wirtschaftsinformatik
Für welche Bereiche wird gesucht: Berufseinsteiger und für bestimmte Bereiche ausgewählte Spezialisten
http://www.deloitte.com/de/karriere
McKinsey & Company Inc. Deutschland
Bedarf 2008: 300 Berater und 145 Praktikanten
Gesuchte Fachrichtungen: alle Fachrichtungen
Für welche Bereiche wird gesucht: Bachelorabsolventen für das einjährige Junior-Fellowship-Programm; Master-, Diplom- und Magisterabsolventen für Direkteinstieg; Absolventen mit Promotion, MBO oder Berufserfahrung steigen direkt als Associate ein.
http://www.karriere.mckinsey.de
Oliver Wyman Group
Bedarf 2008: ca. 100 Nachwuchsberater
Gesuchte Fachrichtungen: Wirtschaftswissenschaften, Naturwissenschaften, Ingenieurwesen Für welche Bereiche wird gesucht: für Beratung
http://www.oliverwyman.de
Roland Berger Strategy Consultants
Bedarf 2008: ca. 150 Nachwuchsberater
Gesuchte Fachrichtungen: BWL-Absolventen, Ingenieure und Naturwissenschaftler
Für welche Bereiche wird gesucht: für Beratung
http://www.rolandberger.com
Steria Mummert Consulting
Bedarf 2008: 80 Absolventen, 120 Young Professionals und 200 Professionals
Gesuchte Fachrichtungen: Wirtschaftswissenschaften, Informatik, Wirtschaftsinformatik
Für welche Bereiche wird gesucht: für Beratung
http://www.people.steria-mummert.de