16. Mai 2007
Keine Idee, etwas Startkapital und jede Menge Lust auf ein eigenes Unternehmen? Wie wäre es dann mit Franchising? Hierbei erwirbt man ein bereits am Markt erprobtes Geschäftskonzept und profitiert von den Dienstleistungen und dem Know-how des Franchise-Gebers. Klingt ideal, ist es in der Regel auch - wenn man die schwarzen Schafe meidet.
Sascha Schmies wischt sich den Schweiß von der Stirn: Ich habe jetzt zehn Minuten Zeit. Das Interview mit dem 31-jährigen Geschäftsführer eines Fitness-Clubs in der Münsteraner Innenstadt findet in einer kurzen Trainingspause statt. Im Hintergrund werden Geräte aufgebaut, drei Frauen machen sich für die nächsten Übungen warm. Gleich geht es wieder auf die Fläche, sagt Schmies und lächelt. Bei uns gehört es eben zum Konzept, dass der Clubleiter bei den Zirkeltrainings dabei ist.
Der BWL-Absolvent hat sich im vergangenen Jahr dazu entschieden, über das sogenannte Franchising die Existenzgründung zu wagen: Dabei ist Sascha Schmies Unternehmen Teil einer ganzen Club-Kette, die unter der Marke Mrs.Sporty firmiert. Mit der Schirmherrschaft von Steffi Graf hat sich Mrs.Sporty auf Fitness-Programme für Frauen spezialisiert, die durch individuelle Gesundheits- und Ernährungsberatung ergänzt werden. Ich habe das Konzept auf einer Gründermesse in Essen entdeckt und sofort gedacht: Das ist das Richtige für dich, erinnert sich Sascha Schmies. Im November dann wurde Mrs. Sporty vom Wirtschaftsmagazin Impulse sogar als erfolgreichste Neuerscheinung in der deutschen Franchise-Branche ausgezeichnet.
Franchising, wie man es heute kennt, wurde bereits in den fünfziger Jahren in den USA entwickelt. So geht es: Beim Franchising erwirbt ein Existenzgründer ein bereits am Markt bewährtes System und macht sich damit selbständig. An den Franchise-Geber entrichtet er Eintritts-, Werbe- und Umsatzgebühren, unterzieht sich Kontrollen und informiert den Geber regelmäßig. Im Gegenzug liefert der Geber ein Franchise-Paket mit etabliertem Markennamen, Know-how und Marketingkonzept. So wird der Franchise-Nehmer in Trainings auf die Selbständigkeit vorbereitet und durch Beratung unterstützt. In Deutschland gibt es mittlerweile über 870 Franchise-Systeme, die bekanntesten Namen sind McDonald's, OBI oder die Schülerhilfe.
Der Franchise-Nehmer wird in Trainings auf die Selbständigkeit vorbereitet und durch Beratung unterstützt.
Anfangs habe ich gedacht, als Franchise-Nehmer hätte man so gut wie keine unternehmerischen Spielräume, erinnert sich Mrs.Sporty-Geschäftsführer Sascha Schmies. Aber da habe ich mich geirrt: Für mein eigenes Geschäft bin ich vollkommen handlungsfrei. Natürlich gebe es gewisse Richtlinien, zum Beispiel was die Mindestraumgröße und vor allem die Einhaltung bestimmter Qualitätsstandards betrifft. Doch die Gestaltung des Clubgeschäfts bleibt mir überlassen. Sascha Schmies ist stolz darauf, im Februar 2006 allein angefangen zu haben und heute bereits fünf Mitarbeiter zu beschäftigen.
Während der 30-minütigen Trainings in seinem Club erklärt der Geschäftsführer die Geräte, er macht Übungen vor und sorgt mit guter Laune für Stimmung unter den Teilnehmern. Anschließend zieht sich Schmies in sein Büro zurück und breitet sorgfältig einen Geschäftsplan aus: Mein Club läuft so gut, dass ich derzeit die Eröffnung eines zweiten Ladens plane.
Pizza backen ist das Geschäft von Elisabeth Mertes. Und weil die 23-Jährige nicht nur einen Laden der Kette Joey's leitet, sondern dabei hin und wieder selbst am Ofen steht, betitelt sie sich schmunzelnd als pizzabackende Geschäftsführerin. Ihr Laden in der Gießener Innenstadt brummt: Mit unserer Eröffnung im vergangenen Dezember haben wir den besten Start in der Geschichte von Joey's Pizza hingelegt, berichtet Elisabeth Mertes stolz.
Jetzt oder nie, hieß es im Herbst 2005 für die Studentin der Theaterwissenschaft. Mit ihrem Geschäftspartner Niklas Schmelz hatte sie sich beim Franchise-Geber Joey's Pizza um einen Vertrag für das Liefergebiet Gießen beworben. Als wir den Zuschlag bekamen, wussten wir: Das ist eine einmalige Chance, erinnert sich Mertes. Das Angebot für einen so günstigen Standort bekommt man nur selten. Dass sie das Studieren für den Sprung in die Selbständigkeit vorübergehend heruntergeschraubt hat, lohnt sich für die junge Existenzgründerin. Der Pizza-Service zwischen Bahnhof und Fußgängerzone der Studentenstadt Gießen macht monatlich über 44.000 Euro Umsatz, Tendenz steigend.
Erste Einblicke ins Unternehmertum hatte Elisabeth Mertes bekommen, als sie im Bayreuther Joey's-Laden als Studentin jobbte: Ich habe da zum ersten Mal gemerkt, dass es mir Spaß macht, zu führen und einen Betrieb mitzugestalten. Am liebsten würde Mertes jedoch als Regisseurin in der Kunstszene arbeiten. Aber sie weiß natürlich um die schlechte Bezahlung und die miesen Jobaussichten im Kulturbereich. So sieht sie denn den Pizza-Lizenzbetrieb als wichtiges Standbein, das ihr vielleicht in späteren Jahren den beruflichen Einstieg in die Theaterwelt finanzieren hilft. Es wäre optimal, irgendwann einmal zweigleisig zu fahren - also mit meinem Unternehmen für den Unterhalt zu sorgen und gleichzeitig als freie Künstlerin für Theaterprojekte unterwegs zu sein, hofft Mertes.
Die Vorgaben des Franchise-Gebers empfindet die pizzabackende Geschäftsführerin als Erleichterung. So übernahmen versierte Architekten und Handwerker die Einrichtung ihres Betriebs. Als sich Elisabeth Mertes und ihr Partner Niklas Schmelz bei Banken um Kredite bewarben, wurden sie vom Geschäftsführer der Joey's-Zentrale höchstpersönlich begleitet. Wenn man so jung ins Geschäft einsteigt, ist man für professionelle Unterstützung dankbar.
Wer sich für die Existenzgründung mittels Franchising interessiert, sollte die Angebote der Geber genau unter die Lupe nehmen, denn nicht immer ist das Verhältnis zwischen Geber und Nehmer so positiv wie bei Elisabeth Mertes und Joey's Pizza. Immer wieder werden regelrechte Knebelverträge abgeschlossen oder unerprobte Marktkonzepte zu leichtfertig an Franchise-Nehmer verkauft. Jürgen Pfafflinger zum Beispiel zog im vergangenen Jahr vor Gericht, um sich aus einem Franchise-Vertrag herauszuklagen: Die Betreuung der Partner war gleich null, für die horrenden Gebühren hat man praktisch keine Gegenleistung bekommen, berichtet er von dem auf Gebäudereinigung spezialisierten Franchise-Unternehmen. Mittlerweile hat Pfafflinger seine eigene Firma gegründet. Jungen Franchisern rät er: Informiert euch vorab, ob hinter einem Anbieter ein etabliertes, erfolgreiches System steckt. Unterstützung bieten auch der Deutsche Franchise Verband (DFV) und der Deutsche Franchise-Nehmer Verband (DFNV): Sie haben Qualitätssiegel entwickelt, an denen man vielversprechende Franchise-Systeme erkennen soll.
DIE WICHTIGSTEN KONTAKT-PLATTFORMEN FÜR ABSOLVENTEN
Franchise-Institut für die Deutsche Wirtschaft: http://www.franchise-world.de
Franchise-Börse des Wirtschaftsministeriums: http://www.nexxt-franchiseboerse.org
Deutscher Franchise Verband: http://www.dfv-franchise.de
Info-Magazin für Franchiser: http://www.franchise-net.de
Portal der Franchise-Wirtschaft: http://www.franchiseportal.de
Bundesweite Leitmesse für Franchising: http://www.start-messe.de
Deutscher Franchise-Nehmer Verband: http://www.dfnv.de
Deutsches Franchise Institut: http://www.dfi-online.de
RECHTLICHE RAHMENBEDINGUNGEN
Ein Franchise-Vertrag berührt viele Rechtsgebiete und sollte deshalb vor Abschluss von einem Rechtsanwalt geprüft werden. Folgende Punkte sollten vorab unbedingt beachtet werden:
- Im Vertrag sollte die rechtliche Stellung des Franchise-Nehmers als Selbständiger eindeutig festgeschrieben sein.
- Unzulässig sind Klauseln, die Verkaufspreise festlegen oder vorschreiben, die Waren ausschließlich beim Franchise-Geber zu beziehen.
- Der Vertrag sollte vorab regeln, was am Ende der Laufzeit oder im Falle einer Kündigung mit dem Betrieb und dem Kundenstamm geschieht.
- Der Franchise-Geber muss darüber aufgeklärt haben, dass man den Vertrag innerhalb von zwei Wochen widerrufen kann.
Weitere Infos im Internet in den Rechtsforen des Deutschen Franchise-Nehmer Verbandes: http://www.franchiserecht.de http://www.franchisesteuerrecht.de