12. Oktober 2008

Gewusst wie

Der Praktikanten-Guide in sieben Schritten

Von Florian Vollmers




23. Juni 2008 
Wo finde ich einen passenden Praktikumsplatz? Was muss ich am ersten Tag als Praktikant beachten? Welche Rechte und Pflichten habe ich? Was steht in meinem Zeugnis? Praktikanten haben viele Fragen. Hier sind die Antworten.

1. Warum ein Praktikum - und wie viele?

Ein Praktikum zu absolvieren hat zwei zentrale Vorteile: Erstens kann es als Gradmesser dafür dienen, ob man in der richtigen Ausbildung steckt und das angepeilte Berufsziel passt. Zweitens erhöhen Praktika die Chancen für die spätere Jobsuche. „Personalentscheider sehen es gern, wenn Bewerber ihre Ferien für erste Berufserfahrungen genutzt haben, weiß Karriere-Coach Elfriede Gerdenits. Allerdings sollte man es dabei nicht übertreiben, denn der positive Eindruck kann bei zu vielen Praktika auch ins Gegenteil umschlagen. „Eine zweistellige Anzahl sollte es auf keinen Fall sein - drei bis vier, maximal fünf gute Praktika reichen locker aus, sagt Frank Schneider von der Praktikantenrechte-Organisation Fairwork. „Wenn man was gelernt hat und eine bestimmte Richtung verfolgt hat, sind auch zwei absolut in Ordnung.

2. Wie und wo suche ich das richtige Praktikum?

Bei der Fülle an Angeboten liegt während der Praktikumssuche die Kunst in der Beschränkung. Man sollte sich vorab also genau überlegen, für wen und warum man als Praktikant arbeiten möchte. Zwei Ergebnisse müssen am Ende der Suche feststehen: der Wunscharbeitgeber und dessen konkrete Ansprechperson in Sachen Praktika. Die wichtigsten Orte, an denen man diese Informationen findet, sind die Internetseiten der Firmen, Kontaktmessen, Jobbörsen im Internet, die Industrie- und Handelskammern sowie Tageszeitungen. Wer sich nur auf ausgeschriebene Stellen bewirbt, lässt viele Möglichkeiten ungenutzt, weiß Karriereberater Christian Püttjer: „Wenn Unternehmen feste Stellen oder Ausbildungsplätze ausschreiben, liefern sie damit in der Regel einen indirekten Hinweis darauf, dass auch Praktika möglich sind. Es lohnt sich, bei Interesse telefonisch nachzufragen. Bei ausgeschriebenen Praktikantenstellen sollte man auf die Wortwahl achten. Formulierungen wie „Überstunden sind mit dem Praktikumsgehalt abgegolten oder die Aussicht auf eine „Verlängerung des Praktikums deuten auf unfaire Angebote hin. Kontaktpersonen sind bei kleineren Firmen direkt die Geschäftsführer, bei größeren die Personalabteilungen oder Praktikumsbeauftragten.

3. Wie bewerbe ich mich?

In einer Bewerbung um einen Praktikumsplatz kommt es besonders darauf an, Engagement und Arbeitswillen zu signalisieren. Formulierungen wie „Im Rahmen meines Studiums muss ich ein Pflichtpraktikum absolvieren sollten dabei vermieden werden. „Drücken Sie im Anschreiben aus, was Sie dem Unternehmen geben können, rät Berufsberaterin Uta Glaubitz. „Zielen Sie in der Bewerbung auf genau eine Person, und gestalten Sie Ihren Lebenslauf nicht als fixes Formular, sondern als eine dem Anlass angemessene Liste. Für die erste Kontaktaufnahme gibt es keinen Königsweg, doch in der Regel beginnen Bewerber mit einem Telefonat und schicken dann die schriftliche Bewerbung per Post oder per Mail hinterher. Vorsicht: Viele Firmen fragen gleich beim ersten Telefongespräch „Warum wollen Sie ausgerechnet bei uns ein Praktikum machen? Darauf sollte man überzeugend antworten können.

4. Wie bereite ich mich auf das Vorstellungsgespräch vor?

„Üblicherweise will die Firmenseite im Vorstellungsgespräch angehende Praktikanten nicht aufs Glatteis führen, sondern herausbekommen, wie ernsthaft die Bewerbung gemeint ist“, sagt Karriereberater Christian Püttjer. „Sie müssen deutlich machen, dass Ihr Praktikumswunsch nicht einer bloßen Laune entspringt.“ Dazu reicht schon der Hinweis auf den späteren Berufswunsch, auf die Studienfächer oder Hobbys. Grundvoraussetzung ist, dass man sich vorab informiert hat und weiß, was das Unternehmen auszeichnet. Viele Personaler eröffnen mit der Frage „Wie haben Sie sich auf dieses Gespräch vorbereitet?“. Fest rechnen müssen Bewerber außerdem mit Fragen zum Studium und mit der berüchtigten Auskunft nach den eigenen Stärken und Schwächen. Ganz wichtig: Am Ende wird erwartet, dass der angehende Praktikant eigenständig Fragen stellt. Legen Sie sich welche zurecht, zum Beispiel: „Wer wird mich einarbeiten?“ oder „Kann ich auch in andere Abteilungen hineinschnuppern?“

5. Was muss ich an meinem ersten Tag beachten?

Der erste Tag ist oft mit Überraschungen verbunden: Im Büro hat man vergessen, dass der Praktikant kommt, und es gibt keinen Schreibtisch, keinen Stuhl, keine Ablage. Niemand kennt das Passwort für den Praktikanten-Computer. „Nehmen Sie alles gelassen und mit Humor - auch wenn Ihnen nach Kraftausdrücken zumute ist“, rät Berufsberaterin Uta Glaubitz. „Gehen Sie durch die Büros und stellen Sie sich vor, denn Ihre Kollegen wollen wissen, wer der neue Praktikant ist.“ Weiterhin gilt für den ersten Tag angemessene Zurückhaltung: Wer gleich am Anfang übereifrig Vorschläge liefert, wie Abläufe besser gestaltet werden können, wird schnell als Besserwisser abgestempelt. Auch wenn es vielen Praktikanten am ersten Tag schwerfällt: Laufen Sie nicht wie ein verhuschtes Reh durch die Bürogänge, reden Sie mit Ihren neuen Kollegen. Dabei sollte man vorsichtshalber erst einmal alle siezen.

6. Welche Rechte und Pflichten habe ich als Praktikant?

Praktikanten stehen unter Verschwiegenheitspflicht: Kundenadressen zu kopieren oder interne Machtkämpfe brühwarm weiterzuerzählen, kann unangenehme Folgen haben: Für die Reputation des Praktikanten und - bei Unterzeichnung einer Geheimhaltungserklärung - auch für seine Geldbörse. Zu Beginn sollte in jedem Fall ein Praktikumsvertrag abgeschlossen werden: Fixe Komponenten, die nicht fehlen dürfen, sind: Name und Anschrift der Vertragsparteien, Beginn und Dauer, Ort, Aufgabenbeschreibung, Arbeitszeiten, Kündigungsfristen und Vergütung. Nach einer Studie der Unternehmensberatung Kienbaum liegt die durchschnittliche Vergütung von Praktikanten zwischen 400 und 600 Euro. „Jemand, der ein Praktikum absolviert, soll zumindest so bezahlt werden, dass er sich selbst finanzieren kann“, fordert Frank Schneider von der Praktikantenrechte-Organisation Fairwork. Orientiert am Arbeitslosengeld II wären das rund 800 Euro. Tatsache ist jedoch, dass die meisten Arbeitgeber in Sachen Praktikantengehalt nicht mit sich reden lassen. Vor Beginn des Praktikums sollte man mit dem Arbeitgeber abklären, ob im individuellen Fall Sozialversicherungspflicht besteht oder nicht. „Auch wenn es verlockend klingen mag, ein paar Euro mehr zu verdienen: Lassen Sie sich während eines Praktikums niemals auf Schwarzarbeit ein“, rät Karriere-Coach Elfriede Gerdenits. „Sie haben keinen Versicherungsschutz, Sie haben keinen Nachweis Ihrer Berufserfahrung und Sie unterstützen durch Ihr Handeln die Schattenwirtschaft.“

7. Was steht in meinem Praktikumszeugnis?

Jeder Praktikant hat Anrecht auf ein Zeugnis. Es sollte mindestens die Art der Tätigkeit sowie deren Beginn und Dauer enthalten. Noch besser ist es, ein qualifiziertes Zeugnis einzuholen, das bestimmte Lern- und Aufgabenschwerpunkte dokumentiert und die Leistungen bewertet. Je genauer die Tätigkeiten beschrieben und aufgezählt sind, desto besser. Vorsicht: Bei Pflichtpraktika benötigt man natürlich ein Zeugnis, das der jeweiligen Studienordnung entspricht. „Praktikumszeugnisse sind deshalb so wichtig, weil man sie im späteren Bewerbungsprozess als Joker einsetzen kann“, sagt Bewerbungsberater Christian Püttjer. „Wenn sie gut sind, kann man mit ihnen auch Schwächen in einzelnen Studienfächern ausgleichen.“

Hier findet man Praktikumsstellen im Internet

Praktikumsbörse mit rund 8.500 aktuellen Angeboten
http://www.berufsstart.stepstone.de

Internetportal mit knapp 7.000 Praktikumsstellen:
http://www.praktika.de

Info-Plattform mit umfangreicher Praktikumsbörse:
http://www.planetpraktika.com

Über 7.000 freie Praktikumsplätze bietet diese Suchmaschine:
http://www.jobpilot.de

Eine der größten Online-Stellenbörsen mit ausführlichem Praktikumsteil:
http://www.monster.de

Auf den Homepages der einzelnen IHKs in den Bundesländern stellen Firmen ihre Praktikumsangebote online:
http://www.ihk-lehrstellenboerse.de

Text: Hochschulanzeiger Nr. 97, 2008, Seite 26
Bildmaterial: Jörg Mühle. Labor