24. November 2003
Der Weg zum Wirtschaftsprüfer ist steinig, lang und veraltet. Jetzt wird die Ausbildung reformiert und auf internationales Niveau gebracht.
Die Hürde ist hoch: Ein abgeschlossenes Universitätsstudium plus drei Jahre Berufspraxis plus eine Vorbereitungszeit von mehreren Monaten, in denen die angehenden Wirtschaftsprüfer - oft neben dem Job - büffeln für das harte Wirtschaftsprüferexamen (WP-Examen) mit seinen sieben mehrstündigen Prüfungen aus den Bereichen Wirtschaft, Jura und Steuern. Wer an der Fachhochschule oder gar nicht studiert hat, muß zehn bis 15 Jahre Berufserfahrung nachweisen, bevor er sich zur Prüfung anmelden darf. Experten zufolge nehmen nur 70 bis 75 Prozent der Kandidaten diese Hürde und erhalten dafür die ersehnte, staatliche anerkannte Berufsbezeichnung "Wirtschaftsprüfer". Wer die Prüfungen aber schaffe, könne sich über ausgezeichnete Gehälter und einen sicheren und spannenden Job freuen, wirbt die Wirtschaftsprüferkammer: Als Prüfer, Berater, Treuhänder und Gutachter in Personalunion. Selbständig oder bei einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft.
Klingt eigentlich verlockend, der Weg ist aber so hart, daß ihn zu wenige Nachwuchsprüfer auf sich nehmen. Nach einer Untersuchung des Institutes der Wirtschaft in Köln gehört der Wirtschaftsprüfer zu den Berufen mit dem größten Engpaß an Mitarbeitern in Deutschland. Dabei braucht das Land dringend neue Prüfer: Mit den jüngsten Skandalen und mit der fortschreitenden Globalisierung stieg der Bedarf, wurden die Aufgaben der Wirtschaftsprüfer erweitert. Als Hauptursache für den Mangel an Bewerbern sehen Kritiker, wie etwa der KPMG-Vorstandssprecher Harald Wiedmann, die zeitaufwendige Ausbildung. In Deutschland seien fertige Wirtschaftsprüfer bereits 32 Jahre alt und älter - Spätstarter im Vergleich zu Mitbewerbern weltweit.
Deutsche Kandidaten reisen nach Amerika, um sich dort der CPA-Prüfung zu stellen.
Schon würden die Gesellschaften nach jüngeren Prüfern aus dem Ausland Ausschau halten, die oft mit einer bestandenen Zusatzprüfung auch in Deutschland arbeiten können. Daß in Deutschland spätestens ab 2005 die Rechnungslegung nach amerikanischen Standards für einige Unternehmen Pflicht wird, spricht als weiteres Argument dafür, mehr Kandidaten mit ausländischen Abschlüssen einzustellen. Bisher waren solche Kenntnisse nicht Standard in der Wirtschaftsprüferausbildung hierzulande. "Für solche Aufgaben sind praxiserfahrene Prüfer mit dem amerikanischen Abschluß "Certified-Public-Accountants" (CPA) bestens geeignet", bestätigt Prof. Peter Leibfried, Vorstand der FAS AG, einer Stuttgarter Consulting-Firma, die sich auf internationale Rechnungslegung spezialisiert hat.
Deutsche Berufseinsteiger haben den Trend erkannt: Inzwischen treten nicht mehr nur amerikanische Absolventen in Deutschland zur Prüfung an, sondern auch deutsche Kandidaten reisen nach Amerika, um sich dort der CPA-Prüfung zu stellen. "In vielen Fällen ist das eine sinnvolle Alternative zur traditionellen beruflichen Laufbahn über den Steuerberater zum Wirtschaftsprüfer", so Leibfried.
Wenn das Programm akkrediert wird, könnten Absolventen das WP-Examen sofort nach Studienabschluß ablegen.
Doch auch in Deutschland tut sich etwas. Gerade wurde die Wirtschaftsprüferordnung (WPO) zum fünften Mal erneuert; "in einem einvernehmlichen Prozeß", wie Reiner Veidt, Geschäftsführer der Wirtschaftsprüferkammer (WPK), betont. Darüber, daß Reformen notwendig sind, bestehe in der Branche Einigkeit. Wenn die Regeln im kommenden Januar in Kraft treten, werden einige Kritikpunkte beseitigt sein: IT-Kenntnisse und Standards aus der internationalen Rechungslegung wie IAS (International Accounting Standards) und IFRS (International Financial Reporting Standards) gehören dann zu den Prüfungsthemen. Außerdem wird das Examen bundeseinheitlich von der Wirtschaftsprüferkammer gestellt und nicht mehr von den obersten Landesbehörden für Wirtschaft. "Sachnähe, Flexibilität und Entbürokratisierung", verspricht sich der Gesetzgeber davon.
Am Alter der Kandidaten wird das aber wenig ändern: "Das ist ein gesamtgesellschaftliches Phänomen, auf das wir wenig Einfluß haben", erklärt Reiner Veidt von der WPK. Überall in der EU seien eine dreijährige Berufspraxis und ein Examen vorgeschrieben. Doch die Studien- und Schulzeiten dauerten hier immer noch länger als in anderen Ländern. Bisher ist die Universitätsausbildung unabhängig vom späteren WP-Examen. Selbst wer BWL studiert hatte, mußte die BWL-Prüfung noch einmal mitschreiben. Mit der Novelle können jetzt Bestandteile aus dem Studium angerechnet werden - was die Vorbereitungszeit auf das Examen verringert. Wünschenswert sind Veidt zufolge auch Studiengänge und Vorlesungen, in denen sich Studenten schon in der Uni auf den späteren Job als Wirtschaftsprüfer konzentrieren können.
An dieser Stelle setzt ein neuer Studiengang "Betriebswirtschaftslehre - Wirtschaftsprüfung" an der Katholischen Universität Eichstätt in Ingolstadt an. Seit diesem Semester werden dafür die Fächer Wirtschaftsrecht, Steuerlehre und -recht, Betriebs- und Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftliches Prüfungswesen innerhalb eines Diplomstudienganges verknüpft. Wenn das Programm wie geplant durch die Wirtschaftsprüferkammer akkreditiert wird, könnten Absolventen das WP-Examen unter Anrechnung einzelner Bestandteile sofort nach Studienabschluß ablegen. "Das hat den Vorteil, daß sie gleich das Lernen fortsetzen und das Wissen aus den Prüfungsvorbereitungen in den Praxisjahren anwenden können", erklärt Prof. Thomas Fischer, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsprüfung und Controlling. Mit Hilfe einer Stiftung wurde die Wirtschaftsfakultät um drei Lehrstühle vergrößert. Allein vier Juraprofessoren werden sich künftig um verschiedene Aspekte des Wirtschafts- und Steuerrechts kümmern - ideal für Wirtschaftsprüfer, bei denen Recht ein wichtiger Prüfungsbestandteil ist. Jedes Jahr zum Wintersemester können sich Abiturienten bewerben. Über die Zulassung zum Studium entscheidet unter anderem ein Auswahlgespräch. Auch für Quereinsteiger, die beispielsweise schon BWL studieren und in das Fach Wirtschaftsprüfung wechseln wollen, gibt es ein Kontingent an Studienplätzen.
Weitere Informationen unter:
www.gcpas.de (zum CPA-Abschluss)
www.idw.de
www.ku-eichstaett.de
www.wpk.de
www.wpo-novelle.de