16. Mai 2007
Kurz, knapp und präzise bildet der Businessplan die gesamte Entwicklung eines Wirtschaftsunternehmens in spe ab: Leistungsangebot, Zielgruppenanalyse, Wettbewerbssituation, Marketing, Standortanalyse und Personalplanung - alle Aspekte, die den Geschäftsverlauf beeinflussen, gehören in das Dokument. Für den Start-up ein wichtiges Controlling-Instrument und das entscheidende Werbeinstrument, um Kapitalgeber zu überzeugen.
Schon während des Studiums an der TU München hat sich Ingenieur Matthias Mörz mit Wirtschaftsthemen auseinandergesetzt. In Workshops und Veranstaltungen der UnternehmerTUM, einer an die Hochschule gekoppelten Gründerinitiative, bereitete sich der Nachrichtentechniker ganz gezielt auf die Arbeit am Businessplan vor. Ich habe eben schon früh damit geliebäugelt, mich einmal selbständig zu machen. Während der Promotion bewarb sich dann der Wissenschaftler beim Münchener Business Plan Wettbewerb (MBPW) und wurde 2004 für sein Konzept, das auf eine analoge Signalverarbeitung in der Kommunikationstechnik setzt, ausgezeichnet. Auf rund 30 Seiten konnte er die branchenerfahrenen Juroren von Erfolgschancen, Marktpotential und Durchführung überzeugen. Der Preis ist nicht nur ein Gütesiegel, sagt Mörz, der die Firma Aspien GmbH inzwischen mit zwei Mitarbeitern betreibt. Über die vielen Veranstaltungen im Rahmen des Wettbewerbs findet man frühzeitig Kontakte zu Investoren und Beratern. Die Arbeit am Businessplan verlief in drei Stufen: Ideenfindung, Grobkonzept, Fertigstellung. Bei allen Schritten fand der Existenzgründer Unterstützung und Beratung. Und die braucht man auch, so Mörz. Gerade bei der Finanzplanung ist die Hilfe von Fachleuten wichtig.
Den Banker interessiert der Rechenweg. Die Gedankengänge müssen nachvollziehbar sein, sonst ist das Finanzierungskonzept eine Luftnummer.
Das sind ja nur Planzahlen! Diesen Einwand hört Kornelia Enthart immer wieder, wenn sie junge Gründer bei der Vorbereitung ihres Businessplans unterstützt. Natürlich werden die Zahlen in dieser Form vermutlich nicht eintreten, setzt die Finanzexpertin dagegen. Eine fundierte Marktanalyse spiegle sich jedoch auch in Planzahlen. Den Banker interessiert der Rechenweg. Die Gedankengänge müssen nachvollziehbar sein, sonst ist das Finanzierungskonzept eine Luftnummer. Nach 20 Jahren im Bankgeschäft arbeitet Enthart als Unternehmensberaterin, unter anderem für die IHK, und gehört dem Jurorenteam des MBPW an. Beim Bankgespräch prallen zwei Welten aufeinander, stellt sie fest. Unternehmer seien häufig so verhaftet mit ihrem Produkt, ihrer Dienstleistung, dass Excel-Tabellen und Statistik erstmal hintanstehen. Ein Kundenberater hat aber keinen kreativen Freiraum - der will Zahlen sehen. Eine großzügig kalkulierte Gewinn- und Verlustrechnung zum Beispiel, angelegt auf ein Jahr. Und ein Liquiditätsplan mit Investitionskosten, an dem sich ablesen lässt, wann mit Gewinn zu rechnen ist. Schwierigste Aufgabe der Planung ist die realistische Einschätzung des zu erwartenden Umsatzes für die ersten drei Jahre. Betriebsvergleiche, wie sie bei Kammern und Verbänden zu erhalten sind, erlauben einen Blick auf die Preise der Wettbewerber. Spätestens an dieser Stelle zeigt sich, wie gründlich der Geschäftsplan recherchiert und ausgearbeitet ist.
Für einen gelungenen Businessplan kann man keine pauschalen Empfehlungen geben, betont Sven Grüneberg, Projektleiter des Gründerwettbewerbs Science4Life Venture Cup. Finanzierungsbedarf, Branche, Sicherheiten - je nach Vorhaben falle die Planung anders aus. Umso wichtiger ist es, Experten zu Rate zu ziehen. Neben Anlaufstellen wie Kammern, Verbänden oder Gründerzentren sind in den letzten Jahren zahlreiche Businessplan-Wettbewerbe für die unterschiedlichsten Zielgruppen entstanden. Die bundesweite Gründerinitiative Science4Life mit Sitz in Frankfurt bietet jungen Unternehmen aus den Biowissenschaften und der Chemie seit 1998 einen Mix aus Beratung, Betreuung und Weiterbildung an. Im Herbst geht der Wettbewerb um den Cup in die zehnte Runde. Ein individuelles Feedback von Branchenkennern ist für Unternehmensgründer unschätzbar wertvoll, betont Organisator Grüneberg. Landauf, landab ist der promovierte Naturwissenschaftler unterwegs, um Hochschulabsolventen für den Markt fit zu machen. Punkt für Punkt arbeitet er mit ihnen die wichtigsten Kriterien für ein stimmiges Geschäftskonzept ab. Dazu gehört auch die Einsicht, dass ein Businessplan nicht statisch ist. Ein erfolgreicher Unternehmer schreibt sein Geschäftskonzept immer wieder um und weiter.
INFOS IM INTERNET:
Science4Life-Handbuch zum Download
http://www.science4life.de
MBPW-Handbuch Der optimale Businessplan zum Download http://www.mbpw.de
Existenzgründung - Wege in die Selbständigkeit Sehr informatives Magazin der Agentur für Arbeit mit allen wichtigen Adressen und Förderprogrammen. Zum Download unter
http://www.bbz.arbeitsagentur.de/bbz/hefte/BBZ_09_Existenzgruendung.pdf
BUSINESSPLAN-WETTBEWERBE
http://www.fgf-ev.de
Übersicht über Businessplan-Wettbewerbe, Existenzgründerwettbewerbe und Gründerinitiativen, zusammengestellt vom Förderkreis Gründungs-Forschung e.V. (FGF)
http://www.biz-awards.de
Business-Wettbewerbe für Gründer
http://www.existenzgruender.de
Große Auswahl von Gründerwettbewerben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie