21. Januar 2008
Deutsche Autohersteller, Zulieferer und Entwicklungsdienstleister treiben die Globalisierung mit aller Macht voran. Sie bauen Werke in China, Indien, Rumänien, Mexiko oder Russland und stellen dort einheimische Ingenieure und Betriebswirte ein, weil die ihre Märkte und Kunden besser kennen, gute Ideen haben und obendrein für weniger Geld arbeiten als Akademiker in Deutschland. Aber noch stellt diese Entwicklung für hiesige Berufseinsteiger keine Gefahr dar - im Gegenteil.
Ein Fünftel der deutschen Wirtschaftsleistung und jeder siebte Arbeitsplatz hängt am Automobil. Mit weitgehend automatisierten und global verteilten Produktionssystemen fuhren deutsche Hersteller und Zulieferer 2006 einen Rekordumsatz von 254 Milliarden Euro ein. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) geht für 2007 von einer abermaligen Verbesserung aus, weil die Exporte stark zulegten. Mit dem Erfolg wächst die Zahl der Akademiker. Zuletzt hatten 91.000 Mitarbeiter der Branche einen Hochschulabschluss, 50 Prozent mehr als vor 10 Jahren. Vor allem die Schwellenländer, die Emerging Markets, sind neue Absatzmärkte, die der deutschen Autobranche seit Jahren gute Wachstumsraten bescheren. Zum Beispiel Porsche. In fünf Jahren legten die Auslieferungen von knapp 55.000 auf 95.000 Fahrzeuge zu, obwohl die Märkte Deutschland, Japan und Großbritannien beinahe stagnierten. Porsche wächst in China, im Mittleren Osten, in Afrika, Russland, Ost- und Südeuropa und Lateinamerika. Bereits 13 Prozent der Produktion gehen in diese Regionen, Tendenz schnell wachsend. Für das Geschäftsjahr 2006/07 rechnet Porsche deshalb damit, an den Umsatzrekord des Vorjahres anzuknüpfen. Eine ähnliche Entwicklung lässt sich in vielen Geschäftsberichten der Autobranche nachlesen. Bei der BMW Group wuchsen die Umsätze binnen vier Jahren um 6,5 Milliarden Euro, die Zahl der Auslieferungen um 362.000 Fahrzeuge. Bis zum dritten Quartal 2007 stieg der Absatz erneut um 7,2 Prozent. Ebenso bei Audi, wo 2007 das 12. Rekordjahr in Folge erwartet wird. Auch hier: Die Emerging Markets treiben das Wachstum. Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen, denn Zulieferer schwimmen genauso auf der Erfolgswelle mit wie Entwicklungsdienstleister.
Interessanter ist aber die Frage, wie lange der Boom anhält, und wie er sich auf die Chancen für Hochschulabsolventen auswirkt, die hierzulande in die Branche einsteigen wollen. Auch hier heißt es: Daumen hoch! Die Akademikerquote stieg im letzten Jahrzehnt deutlich schneller als die Zahl der Gesamtbeschäftigten. Während in der Branche heute 20 Prozent mehr Mitarbeiter tätig sind, stieg die Zahl der Akademiker zwischen 1996 und 2006 von 60.000 auf über 90.000. Und weil der Automobilbau immer komplexer wird, ist kein Ende dieser Entwicklung in Sicht.
Das hat mehrere Ursachen. Einerseits müssen die Hersteller ihre Modelle im Zuge der Globalisierung an verschiedenste Gesetze, Verordnungen und Wünsche der Kunden anpassen. Andererseits werden die Verordnungen strenger, ob Luftreinhaltung, Klimaschutz oder Fahrzeugsicherheit. Zusätzlich muss die Branche auf unabhängige Crashtests reagieren, wie sie Euro-N-Cap durchführt und veröffentlicht. Seit die Verbraucherschutzorganisation dies praktiziert, etablieren sich Sicherheitsstandards im Markt, lange bevor es die EU-Gesetzgebung verlangt. Und in den USA, in Japan und sogar in China gibt es vergleichbare Organisationen.
Das alles sorgt für ungekannte Entwicklungsdynamik. Neue Materialien und Karosseriekonstruktionen sorgen ebenso für mehr Sicherheit wie elektronische Assistenzsysteme, seien es Lenk-, Spurhalte- und Bremshilfen, Antischleudersysteme, Kurvenlicht, Gurtstraffer oder Airbags. Viele Unternehmen in der Branche suchen dringend Elektrotechniker, Mechatroniker und Informatiker, die sich mit Embedded Systems, optischen Technologien und Mikrosystemen auskennen, um solche Assistenzsysteme weiterzuentwickeln und über alle Fahrzeugklassen hinweg zu etablieren.
Fahrzeugklassen ist ein Stichwort, das ebenfalls eng mit dem steigenden Akademikerbedarf in der Branche verknüpft ist. Es dauert heute kaum halb so lange, neue Modelle zu entwickeln, wie vor zehn Jahren. Wo früher Vorentwickler Konzepte entwarfen, die von Entwicklern geprüft und angepasst wurden, ehe Serienentwickler sich mit Kollegen der Zulieferer ans Umsetzen machten, läuft heute alles simultan. Fahrzeuge, ihre Funktionen, ja sogar Crashtests werden dafür am Computer simuliert. Ebenso die Produktion. Probeläufe in den virtuellen Fabriken zeigen Planungsschwächen und -fehler, lange bevor die Produktion einsetzt. Auch hier wächst der Bedarf an Akademikern. Denn die virtuelle Fabrik ist zu weit von der Realität entfernt. Laut Dr. Werner Schreiber aus der VW-Konzernforschung führt beispielsweise die fehlende Darstellung von Kabeln und Schläuchen regelmäßig zu Problemen in der virtuellen Planung. Auch der zentimetergenaue Abgleich zwischen digitaler und realer Fabrik sei schwierig. Das ist eine Riesenbaustelle, sagt er. Viel Arbeit für Produktionstechniker, Informatiker, Intralogistiker und Maschinenbauer.
Die schnellen Entwicklungszyklen und das Umschwenken auf schlanke, digitale Planungsabläufe haben ihre Ursache im harten Wettbewerb, den sich die Branche in den traditionellen Märkten Europa, USA und Japan liefert. Um Kunden zielsicherer anzusprechen, kommen Modelle in immer mehr Varianten auf den Markt. Das hebt die Komplexität, zumal die Varianten über denselben Fertigungslinien laufen. Um dennoch schlanke Produktionsprozesse mit Just-in-Sequence-Lieferketten statt Lagerhaltung zu entwickeln, braucht die Branche fitte Fertigungsingenieure, Logistiker und Wirtschaftsingenieure. Sie haben es mit Zulieferern und Entwicklungspartnern aus aller Welt zu tun - und sollten daher offen, kommunikativ und sprachbegabt sein. Aber das gilt im Grunde für alle Einsteiger in der Autoindustrie. Wie kaum eine andere Branche lebt sie vom internationalen Austausch.
Trotz der Globalisierung wird es aber auch 2008 nicht dazu kommen, dass Hersteller, Zulieferer oder Entwicklungsdienstleister hier in Deutschland Ingenieure entlassen, um in China oder Indien neue anzustellen. Noch denkt niemand daran, Forschung und Entwicklung ins Ausland zu verlagern. Die eingangs erwähnten Ingenieure in den Emerging Markets arbeiten zwar für deutsche Hersteller und Zulieferer. Doch bisher passen sie die Fahrzeuge und Komponenten nur für ihre Heimatmärkte an. Ob das allerdings auf Dauer so bleibt, ist offen. Denn Analysten sehen bei Herstellern und Zulieferern gerade in Westeuropa deutliche Überkapazitäten und erwarten eine weitere Verlagerung von Werken in die Wachstumsregionen. Ein schleichender Prozess. Doch wer einen Job in der Automobilbranche anstrebt, sollte sich auf zunehmende internationale Konkurrenz gefasst machen.
Hier gibt´s Jobs für Hochschulabsolventen
AUDI
Bedarf 2008: ca. 600 Hochschulabsolventen und Young Professionals
Gesuchte Fachrichtungen: schwerpunktmäßig Ingenieurwissenschaften, Wirtschaftsingenieurwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften
Für welche Bereiche besteht Bedarf: schwerpunktmäßig technische Entwicklung (Bereich Alternative Antriebe (Hybrid) und Vertrieb), Bereich Retail und After Sales, zudem besteht Bedarf in den übrigen Unternehmensbereichen wie z. B. Werkzeugbau, Planung, Qualitätssicherung oder Einkauf.
http://www.audi.de\karriere
Bertrandt AG
Bedarf 2008: 150 Hochschulabsolventen und Young Professionals
Gesuchte Fachrichtungen: Maschinenbau, Fahrzeugtechnik, Elektrotechnik, Nachrichtentechnik, Luft- und Raumfahrttechnik, Mechatronik, technische Informatik, Wirtschaftsingenieurwesen und vergleichbare Studiengänge
Für welche Bereiche besteht Bedarf: in allen Bereichen der Gesamtfahrzeugentwicklung: Interieur, Exterieur, Rohbau, Elektrik/Elektronik, Powertrain/Fahrwerk, Funktionsauslegung/ Simulation, Versuch/Erprobung und dem Flugzeugbau
http://www.bertrandt-jobs.com
BMW Group
Bedarf 2008: steht noch nicht fest
Gesuchte Fachrichtungen: Ingenieure, v. a. Maschinenbau, Elektroingenieure/E-Techniker, Informatiker
Für welche Bereiche besteht Bedarf: v. a. Fahrzeugentwicklung http://www.bmwgroup.com -> Karriere
Brose
Bedarf 2008: ca. 125 Hochschulabsolventen und Young Professionals
Gesuchte Fachrichtungen: Maschinenbau, Elektrotechnik, Fertigungs- und Fahrzeugtechnik, Mechatronik, Wirtschaftsingenieurwesen, Betriebswirtschaftslehre, (Wirtschafts-)Informatik
Für welche Bereiche besteht Bedarf: Entwicklung, Konstruktion, Versuch, Elektronik, Fertigungsplanung, Qualität, Einkauf, Controlling, Logistik
http://www.brose.com
Continental
Bedarf 2008: steht noch nicht fest
Gesuchte Fachrichtungen: Wirtschaftsingenieure, Maschinenbau, Elektrotechnik, Informatik, Wirtschaftsingenieurwesen, Chemie, Physik u. weitere Naturwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften
Für welche Bereiche besteht Bedarf: Forschung & Entwicklung, Produktion, Projektmanagement, Controlling, Marketing, Vertrieb, Personalwesen
http://www.conti-careers.com
Daimler AG
Bedarf 2008: 650 Absolventen sowie Early Professionals in Deutschland, davon 450 Ingenieure Gesuchte Fachrichtungen: Maschinenbau, Elektrotechnik, Nachrichtentechnik, Fahrzeugtechnik, Wirtschaftsingenieurwesen, Informatik, Wirtschaftsinformatik, Luft- und Raumfahrttechnik, Verfahrenstechnik und Wirtschaftswissenschaften
Für welche Bereiche besteht Bedarf: Forschung & Entwicklung, Produktion, Projektmanagement, Controlling, Marketing, Vertrieb, Personalwesen und viele andere Bereiche im Konzern
http://www.career.daimler.de
Dekra e.V.
Bedarf 2008: ca. 250 Hochschulabsolventen, idealerweise mit vorheriger Berufserfahrung Gesuchte Fachrichtungen: Maschinenbau, Elektrotechnik, Mechatronik, Fahrzeugtechnik, Energie- und Prozesstechnik, Bauingenieurwesen, Betriebswirtschaft
Für welche Bereiche besteht Bedarf: Automobil, Industrie, Umwelt- und Arbeitsschutz, Immobilien & Bau http://www.dekra.de
IAV - Ingenieurgesellschaft Auto und Verkehr
Bedarf 2008: 290 Hochschulabsolventen und Young Professionals
Gesuchte Fachrichtungen: Elektro- und Fahrzeugtechniker, Mechatroniker, Konstrukteure, Maschinenbauer, Physiker, Nachrichtentechniker, Soft- und Hardware-Entwickler
Für welche Bereiche besteht Bedarf: für Fahrzeugentwicklung, Fahrzeugelektronik, Powertrain-Entwicklung, Powertrain-Mechatronik
http://www.iav.com
Porsche
Bedarf 2008: steht noch nicht fest
Gesuchte Fachrichtungen: Ingenieure, Wirtschaftsingenieure, Wirtschaftswissenschaftler, Informatiker
Für welche Bereiche besteht Bedarf: Forschung und Entwicklung, Produktion und Logistik, Finanzen und Betriebswirtschaft, Personal-/Sozialwesen oder Marketing/Vertrieb.
http://www.porsche.com/germany/ aboutporsche/jobs
Robert Bosch
Bedarf 2008: ca. 1.500 Hochschulabsolventen und Young Professionals
Gesuchte Fachrichtungen: Ingenieurwissenschaften (insbesondere E-Technik, Maschinenbau und Nachrichtentechnik) Informatik, Physik, Wirtschaftswissenschaften
Für welche Bereiche besteht Bedarf: Applikation, Einkauf, Fertigung, Forschung und Vorausentwicklung, Hardware-Entwicklung, Informationstechnologie, Konstruktion, Materialwirtschaft und Logistik, Personalwesen, Qualitätsmanagement, Rechnungswesen und Controlling, Simulation und Berechnung, Software-Entwicklung, Technischer Vertrieb, Versuch, Vertrieb und Marketing
http://www.bosch-career.de
TÜV Rheinland
Bedarf 2008: 100 Hochschulabsolventen und Young Professionals
Gesuchte Fachrichtungen: E-Technik, Maschinenbau, Verfahrenstechnik, Versorgungstechnik, Energietechnik, Bahntechnik, KFZ-Technik,Medizin
Für welche Bereiche besteht Bedarf: für die Geschäftsbereiche Industrie Service, Mobilität, Produkte, Leben und Gesundheit, Bildung und Consulting, Systeme
http://www.tuv.com/de/jobs_karriere.html
Volkswagen
Bedarf 2008: 2.000 Hochschulabsolventen und junge Fachkräfte in Deutschland
Gesuchte Fachrichtungen: Maschinenbau, Elektrotechnik, Fahrzeugtechnik, Nachrichtentechnik, Mechatronik, Wirtschaftsingenieurwesen, Informatik, Wirtschaftswissenschaften
Für welche Bereiche besteht Bedarf: alle Fachbereiche
http://www.vw-personal.de