11. Dezember 2009

IT-Consultants

Vom Fachmann zum Fachberater

Von Florian Vollmers




13. Oktober 2003 
Immer mehr IT-Aufgaben werden ins Ausland verlegt. Damit wächst hierzulande der Beratungsbedarf. Ein Jobfeld für Consultants, die im Auftrag von IT-Dienstleistungsunternehmen Kunden vor Ort betreuen - von der privaten PC-Installation bis hin zum Outsourcing ganzer Unternehmensbereiche.

Ralf Scheider sieht sich als einen "Servicetechniker für Kundenbeziehung und Management". Schon seit über vier Jahren arbeitet er für T-Systems, eines der europaweit führenden Dienstleistungsunternehmen für Kommunikations- und Informationstechnologie. Der 33jährige IT-Consultant kümmert sich derzeit in Großbritannien um das Outsourcing der gesamten IT-Infrastruktur des Mobilfunkanbieters T-Mobile. Klingt komplizierter als es ist: Outsourcing heißt, ein Unternehmen gibt einen bestimmten Teil seiner Aktivitäten an einen Dienstleister ab, in diesem Fall die gesamte Informationstechnologie. "Wir haben auch die komplette Abrechnung eines Mobilfunkanbieters übernommen", nennt Schneider ein weiteres Beispiel.

"Anfangs war ich Berater, heute bin ich Projektleiter", erklärt der IT-Consultant. Er sorgt dafür, daß den Kunden die gewünschten Systeme geliefert werden und daß die anschließende Betreung vor Ort klappt. Eigentlich ist Schneider diplomierter Chemiker. Bei einem Absolventenkongreß wurde er auf T-Systems aufmerksam - und ließ sich begeistern. "Unsere Services reichen von der Softwareinstallation auf einem PC, den wir Ihnen auf den Schreibtisch stellen, bis hin zum Outsourcing ganzer Unternehmensbereiche", erzählt der Projektleiter, der für seinen Job auch schon in Österreich und in der Schweiz unterwegs war. Wer wie Ralf Schneider Erfahrung als IT-Berater und Außendienstexperte hat, ist ein gesuchter Mann. Auch in der momentan angespannten wirtschaftlichen Situation bleibt das Budget, das Unternehmen für IT vergeben, konstant. "Aber der Bedarf an IT-spezifischer Beratung nimmt spürbar zu", weiß Heinz Brommundt, Chief Technology Officer bei Cap Gemini Ernst & Young in Düsseldorf. "Der Einsatz der Informationstechnologien bleibt ein zentrales Mittel zur Kostenreduzierung. Professionals, die IT nicht nur installieren, sondern auch dauerhaft pflegen, werden in Zukunft noch stärker gefragt sein." Während die Entwicklung klassischer Anwendersoftware mehr und mehr an Fachkräfte im Ausland vergeben werde, sei die professionelle Betreuung der IT-Infrastruktur bei Kunden vor Ort auch in den kommenden Jahren ein Wachstumsmarkt. Aber die Aufgaben haben sich verändert: "Während des Hypes in den neunziger Jahren waren die jeweils neuesten Tools gefragt. Heute stehen wieder klassische IT-Themen im Mittelpunkt, zum Beispiel Datenbankoptimierung", so Brommundt.

"Ja, wir haben einen Bedarf an IT-Consultants - und er wird immer größer", bestätigt auch Marc-Stefan Brodbeck, Leiter Personalmarketing und Recruiting bei T-Systems. "Denn das IT-Geschäft hat sich zu einem Beziehungsgeschäft entwickelt." Heute werde keine Standardsoftware mehr verkauft, der Kunde wolle individuelle Ideallösungen. "Will ein Unternehmen zum Beispiel komplette Geschäftsprozesse outsourcen, kommt man mit einer Standardlösung nicht weit", so Brodbeck. Ein Wandel des Berufsbildes finde statt: vom Fachmann zum Fachberater. Beim Nachwuchs schaue man deshalb nicht nur auf das Technik-Know-how, sondern auch verstärkt auf Branchenkenntnisse. Besonders gefragt seien Absolventen der Nachrichtentechnik, der Informatik, des Wirtschaftsingenieurwesens und der Wirtschaftsinformatik. Wirtschaftsinformatik hat auch Stefan Figge studiert. Schon während seiner Zeit an der Uni Bamberg hat er Praktika in den Bereichen Programmierung sowie Client/Server-Systeme absolviert und war freiberuflich in der Beratung tätig. Heute arbeitet der 29jährige als IT-Consultant bei der deutschen Tochter der US-amerikanischen Computer Sciences Corporation (CSC), die mit 90.000 Mitarbeitern zu einem der weltweit führenden IT-Beratungs- und -Dienstleistungsunternehmen zählt. Bei CSC ist Stefan Figge als "Business Architect" im Bereich "e-Business & Technology" tätig. Hier können sich Unternehmen strategisch beraten lassen, hier werden web-basierte Computerprogramme geschrieben und bei den Kunden eingebaut. "Mein thematischer Schwerpunkt ist aktuell Mobile Business", erklärt der IT-Berater. Das heißt, er entwickelt Mobilfunktechniken für den Einsatz in Unternehmen oder für die Mobilfunkbranche insgesamt. "Eines meiner interessantesten Projekte bei CSC war die Entwicklung der i-mode-Plattform für E-Plus", findet Figge. Auf dieser Plattform vermarkten die Partner des Mobilfunkanbieters heute ihre mobilen multimedialen Services und Inhalte.

„Professionals, die IT nicht nur installieren, sondern auch dauerhaft pflegen, werden in Zukunft noch stärker gefragt sein.“

Überhaupt ist Stefan Figge begeistert von seinem Job: Von Projekt zu Projekt wechseln Figges Kunden, Arbeitsorte, Aufgaben und Rollen. "So bekomme ich nicht nur einen Einblick in ganz unterschiedliche Unternehmenskulturen und Branchen, sondern kenne nach kurzer Zeit Kollegen rund um den Globus - und die sind nur eine E-Mail entfernt." Wer sich für den Consultant-Beruf interessiere, muß laut Figge einkalkulieren, daß man oft für längere Zeit in einem Hotel in einer fremden Stadt wohne. "Wer es gewohnt ist, abends viel mit Freunden und der Familie zu unternehmen, den wird das Hotelleben sicherlich etwas schmerzen.

" Auch Steffen Kuprat ist bis zu dreimal pro Woche unterwegs zu Softwarehäusern oder Großunternehmen. Er arbeitet seit drei Jahren beim Softwareunternehmen Compuware als Technischer Berater im Bereich "Development & Integration". "Nach meinem Studium war ich zunächst noch in der Orientierungsphase und jobbte anfangs als Programmierer, aber mir wurde schnell klar: Zwölf Stunden über Quellcodes zu brüten und das Rad zum zehnten Mal zu erfinden - das war nichts für mich", erinnert sich Kuprat, der Wirtschaftsinformatik an der FH Wismar studiert hat. Heute sitzt er weniger am Bildschirm, als vielmehr seinen Kunden gegenüber, um ihnen "OptimalJ" zu präsentieren. Das ist ein Werkzeug zur Installierung der Programmiersprache Java. "Es handelt sich dabei um ein völlig neues Paradigma in der Softwareentwicklung, das zum Standard werden könnte", schätzt er. "Der Kontakt zu den Kunden, das Selbstgestalterische, meine Freiheit und das Gefühl, bei der Technologie ganz vorne mitzuspielen - das reizt mich an meinem Job." Überstunden und Streß nimmt der 26jährige dafür gern in Kauf, vor allen Dingen wenn man damit einen neuen Kunden überzeugt hat. "Für diesen Job braucht man eben Selbstdisziplin, und die wird honoriert."

IT-Consultants, die Kunden vor Ort überzeugen wollen und Erfolgserlebnisse genießen können, sind Klaus Dufner lieber als reine Technikspezialisten. Dufner ist Manager of Human Resources bei Compuware, und er hat klare Erwartungen an Nachwuchsberater: "Sie müssen Publikum lieben und hinterher für den Umsatz geradestehen können, und ja, wir wählen heute aus einem breiteren Pool aus als früher, weil sich der Verkäufermarkt zu einem Käufermarkt gewandelt hat." Der Wettbewerb unter Bewerbern habe an Schärfe gewonnen. "Quereinsteiger haben sehr gute Chancen bei uns, Karrieren sind nicht mehr planbar." Eine Tatsache, die Heinz Brommundt von Cap Gemini Ernst & Young bestätigt: "Natürlich hat auch die IT-Dienstleistungsbranche in den schwierigen vergangenen Jahren Leute entlassen." Deshalb treffen Hochschulabsolventen heute bei der Jobsuche auf viele Mitbewerber ohne Studium, die um so mehr Projekterfahrung haben. "Dieser Konkurrenz muß man sich stellen", weiß Brommundt. Er empfiehlt, möglichst viel Praxis "zwischendurch" zu sammeln.

Weitere Informationen unter:

www.cgey.de

www.compuware.de/careers

www.de.csc.com/career

www.t-systems.com/jobs

Text: Hochschulanzeiger Nr. 68, 2004
Bildmaterial: Jörg Mühle, Labor