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| Eine gute Einstiegsmöglichkeit bieten auch die kleinen Biotechnologie-Unternehmen, zumal sie wieder einige interessante Produkte im fortgeschrittenen Entwicklungsstadium in der Pipeline haben. Carsten Roller,Geschäftsführer beim Verband deutscher Biologen |
21. Januar 2008
Die Medikamentenhersteller suchen Hochschulabsolventen nicht mehr nur für die Forschung und Entwicklung. Auch die Produktion von Arzneimitteln ist heute so anspruchsvoll, dass die Unternehmen dafür verstärkt Akademiker brauchen.
Ulrike von Faber hat viel zu tun. Fast jeden zweiten Tag müssen sie und ihre Kollegen aus der Personalabteilung von Roche Diagnostics einen Hochschulabsolventen rekrutieren. 150 vakante Stellen will das Unternehmen 2008 mit Jungakademikern besetzen. Vor allem für die Forschung, aber auch für die pharmazeutische Produktion suchen sie Nachwuchs. Wir halten permanent Ausschau, sagt von Faber.

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Dabei sieht der Pharmastandort Deutschland auf den ersten Blick eher düster aus: Nach der Konsolidierung der Branche in den vergangenen Jahren schafft es nur noch ein deutsches Unternehmen unter die Top Ten der umsatzstärksten Pharmaunternehmen weltweit: Bayer. Im letzten Jahr hatte der Konzern den deutschen Konkurrenten Schering geschluckt. Doch sind auch ausländische Unternehmen wie etwa der Schweizer Konzern Roche hierzulande mit Forschungs- und Entwicklungslaboren sowie mit Produktionsstätten präsent. Die deutschen Arzneimittelhersteller stellten 2006 Medikamente im Wert von 23,6 Milliarden Euro her. 358 Medikamente, die bis 2011 als neue Produkte oder für weitere Anwendungsgebiete zugelassen werden könnten, haben die Unternehmen in ihren Pipelines - wie eine Umfrage des Verbands forschender Arzneimittelhersteller (VFA) ergab. Das ist vergleichsweise viel: 2005 waren es nur 316, 2003 sogar nur 253. Auch in der Zahl der Beschäftigten schlägt sich diese positive Entwicklung nieder: Rund 113.000 Menschen arbeiten in der Pharmaindustrie in Deutschland. Vor allem in den Forschungs- und Entwicklungsabteilungen wurden - entgegen dem allgemeinen Trend auf dem Arbeitsmarkt - in den letzten Jahren viele neue Mitarbeiter eingestellt, darunter überdurchschnittlich viele Hochschulabsolventen.
30 Prozent aller Mitarbeiter in biotechnologischen Unternehmen sind Akademiker. Das sind doppelt so viele wie in der Gesamtwirtschaft.
Auch in der Produktion werden mehr Akademiker gebraucht. Der Grund: Die Pharmaunternehmen stellen heute viele Wirkstoffe biotechnologisch her. Diese Produkte sind so kompliziert, dass ihre Herstellung das Know-how von Hochschulabsolventen erfordert, erklärt Carsten Roller, Ressortleiter Ausbildung und Karriere beim Verband Deutscher Biologen. Es sind Impfstoffe oder Antikörper, die gegen Krebs eingesetzt werden, aber auch andere Proteine, wie beispielsweise Insulin oder das Dopingmittel Epo. 2005 waren laut einer Studie der Boston Consulting Group über ein Drittel der neu zugelassenen Medikamente in den USA Biopharmazeutika. Das ist eine Verdopplung im Vergleich zum Vorjahr.
Früher wurden die fast ausschließlich chemisch synthetisierten Wirkstoffe in großen Behältern vermischt. Am Ende der Produktionskette spuckten die Maschinen Pillen aus, eingeschweißt in Sichtverpackungen. Am Fließband sortierten ungelernte Kräfte das fertige Produkt. Diese Herstellungsprozesse sind heute zwar nicht passé, doch stellen die neuen Biopharmazeutika die Unternehmen vor neue Herausforderungen. Die Medikamente werden von Tier-, Pilz- und Bakterienzellen hergestellt, die die Substanzen in ihrem Stoffwechsel produzieren. Die kleinen Helfer - sie wachsen in großen Fermentern, gut durchgerührt und mit Nährstoffen, Sauerstoff und Licht versorgt - müssen gehegt und gepflegt werden. Eine Aufgabe für hochqualifizierte Biologen und Chemiker. Die Zahlen sprechen für sich: Nur noch 10 Prozent der Mitarbeiter in der biotechnologischen Produktion sind ungelernte Kräfte, die Reinigungskräfte mit eingerechnet, sagt Roller. Die Experten der Boston Consulting Group kommen zu einem ähnlichen Ergebnis: 30 Prozent aller Mitarbeiter in biotechnologischen Unternehmen sind Akademiker. Das sind doppelt so viele wie in der Gesamtwirtschaft.
Gefragt sind Absolventen aus den verschiedenen Lebenswissenschaften: Biologen, Biotechnologen, Biochemiker, Ärzte und Pharmazeuten. In den letzten Jahren hat der Bologna-Prozess an den Hochschulen eine Vielzahl neuer Spezialdisziplinen hervorgebracht. Anstatt Biologie werden nun Fächer wie Molekulare Biotechnologie, Life Science oder Pflanzenbiotechnologie angeboten. Die Vielzahl der Fächer lässt die Personaler ein wenig ratlos dastehen: Wir sind da noch in der Orientierungsphase, sagt Roche-Personalerin von Faber. Verbandsvertreter Roller empfiehlt den Studenten, sich nicht zu früh auf ein Spezialgebiet festzulegen: Eine fundierte allgemeine naturwissenschaftliche Ausbildung eröffnet mehr Flexibilität.
Darüber hinaus werden in der Pharmaindustrie derzeit auch Ingenieure gesucht, sogar händeringend. Das Problem. Vielen Absolventen technischer Studiengänge ist gar nicht bekannt, was ein pharmazeutisches Unternehmen ihnen bieten kann, sagt Manfred Hund, verantwortlich für das Hochschulmarketing bei Boehringer Ingelheim. Die Ingenieure kontrollieren nicht nur die Anlagen und halten sie instand, sie werden auch für deren Entwicklung gebraucht. Für jedes Produkt muss eine spezifische Anlage konstruiert werden, so Hund.
Um guten akademischen Nachwuchs frühzeitig an sich zu binden, wollen Unternehmen wie Roche oder Boehringer Ingelheim in diesem Jahr talentierten Studenten Seminare in Projektmanagement oder Präsentationstechniken anbieten. Bei Boehringer Ingelheim setzt man zudem auf die Kooperationen mit den Hochschulen, um den besten Nachwuchs zu rekrutieren. Und natürlich wollen alle großen Pharmaunternehmen Praktikanten wieder die Gelegenheiten geben, frühzeitig Laborluft zu schnuppern. Viele Absolventen, die wir einstellen, haben bei uns vorher Praktika absolviert, sagt beispielsweise auch Hund.
Hochschulabsolventen sollten in den kommenden Monaten und Jahren bei ihrer Jobsuche aber nicht nur nach den Großen der Branchen schauen. Eine gute Einstiegsmöglichkeit bieten auch die kleinen Biotechnologie-Unternehmen, zumal sie wieder einige interessante Produkte im fortgeschrittenen Entwicklungsstadium in der Pipeline haben, sagt Roller. Die Gehälter seien zwar nicht so hoch, man lerne aber viel und komme zudem mit den Großen der Branche in Kontakt. Denn ob als Dienstleister oder in gemeinsamen Forschungsprojekten - die kleinen Unternehmen sind eng an die Global Player gebunden.
Hier gibt´s Jobs für Hochschulabsolventen
Astra Zeneca
Bedarf 2008: steht noch nicht fest
Gesuchte Fachrichtungen: Mediziner, Biologen, Chemiker
Für welche Bereiche wird gesucht: Pharmazeutischer Außendienst
http://www.astrazeneca.de
Boehringer Ingelheim
Bedarf 2008: ca. 100 Hochschulabsolventen
Gesuchte Fachrichtungen: Chemiker und Biologen, Ingenieure, Informatiker und Mathematiker Für welche Bereiche wird gesucht: Nachwuchskräfte werden auf Juniorpositionen, als wissenschaftliche Mitarbeiter, als Post-Docs, als Trainees oder als Laborleiter eingesetzt.
http://www.boehringer-ingelheim.de
Merck
Bedarf 2008: ca. 200 Hochschulabsolventen und Berufserfahrene
Gesuchte Fachrichtungen: Chemiker, Pharmazeuten, Biologen, Verfahrens- und Chemieingenieure und Betriebswirte
Für welche Bereiche wird gesucht: Laborleiter, Post-Docs, Betriebsassistent, Projekt- und Betriebsingenieure, Referenten und Trainees in den kaufmännischen Bereichen
http://www.merck.de
Novartis
Bedarf 2008: 30 bis 35 Hochschulabsolventen
Gesuchte Fachrichtungen: Naturwissenschaftler, Mediziner, Wirtschaftswissenschaftler
Für welche Bereiche wird gesucht: Produkt Manager, Clinical Research Manager, Medical Marketing Manager, Medical Advisor
http://www.novartis.de
Pfizer
Bedarf 2008: steht noch nicht fest
Gesuchte Fachrichtungen: Wirtschaftswissenschaftler mit den Schwerpunkten Marketing, Finanzen und Human Resources, Naturwissenschaftler, Mediziner, Pharmazeuten
Für welche Bereiche wird gesucht: Marketing, Finanzen, Sales http://www.pfizer.de
Roche Diagnostics GmbH
Bedarf 2008: ca. 150 Hochschulabsolventen
Gesuchte Fachrichtungen: Naturwissenschaftler, Ingenieure, Wirtschaftswissenschaftler, Informatiker
Für welche Bereiche wird gesucht: Wissenschaftler, Gruppen- und Projektleiter, Trainees
http://www.roche.de
Sanofi-Aventis
Bedarf 2008: 50 bis 80 Hochschulabsolventen
Gesuchte Fachrichtungen: Naturwissenschaftler, Ingenieure und Wirtschaftswissenschaftler
Für welche Bereiche wird gesucht: Laborleiter, stellvertretender Betriebsleiter in der Produktion, Verfahrens- und Entwicklungsingenieure, Qualitätsmanager und Brandmanager
http://www.sanofi-aventis.de