21. Januar 2008
Die Branche klagt 2008 über 40.000 unbesetzte Stellen. Weil der Mangel an Informatikern immer größer wird, sind die Aussichten für IT-Spezialisten exzellent. Es dürfen auch Physiker und Mathematiker sein.
Seit dem 10. Dezember 2007 besteht kein Zweifel mehr: Der Nachwuchsmangel in der IT-Branche ist Chefsache. Auf dem zweiten nationalen IT-Gipfel auf dem CeBIT-Gelände in Hannover berieten Manager und Wissenschaftler mit Bundeskanzlerin Angela Merkel persönlich darüber, wo all die Informatiker, IT-Spezialisten und Telekommunikationsingenieure herkommen sollen, die in den Unternehmen gebraucht werden. Denn die Lücke ist riesig. Und wird immer größer.
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| Wer mehr will als programmieren, muss Zusatzkenntnisse mitbringen und außerdem kommunikations-und präsentationsstark sein. Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien(Bitkom) |
Nach einer aktuellen Berechnung des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) gibt es im kommenden Jahr rund 40.000 offene Stellen für IT-Fachleute, davon 25.000 bis 28.000 in der Informations- und Telekommunikationsbranche (ITK) im engeren Sinn - die anderen bei den Anwendern der digitalen Techniken. Gesucht werden vor allem Software-Entwickler, IT-Berater und Projektmanager, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. Besonders dramatisch ist der Mangel bei den Anbietern von Software- und IT-Dienstleistungen, weiß der Experte. Diese Firmen machen inzwischen 80 Prozent der ITK-Unternehmen aus, und sie beschäftigen fast 60 Prozent aller Mitarbeiter.
Weil qualifizierter Nachwuchs fehlt, besonders in den kleinen und mittelständischen IT-Unternehmen, die viele Arbeitsplätze schaffen, leidet sogar das Branchenwachstum. Der Gesamtmarkt für ITK-Technik legte 2007 nur noch um 1,3 Prozent zu, auf inzwischen rund 148 Milliarden Euro. Der Verband rechnet für 2008 mit einem stabilen Plus von immerhin 1,6 Prozent. Kein Grund zum Jubeln für die Branche - doch angesichts der gewaltigen Nachwuchslücke können Hochschulabsolventen auf weiter steigenden Bedarf hoffen.
2007 kamen Bitkom-Geschäftsführer Rohleder zufolge die letzten Informatik-Absolventen der großen Einschreibungswelle von 2000 auf den Markt. Wir haben jetzt einen Peak, sagt Rohleder. Bei den Studienanfängern lag die Spitze im Jahr 2001. Seitdem ist die Zahl im Fach Informatik dramatisch zurückgegangen. Ab 2008 werden wir dementsprechend auch immer weniger Absolventen sehen. Im New-Economy-Boomjahr 2000 hatten sich noch fast 40.000 Erstsemester an Universitäten und Fachhochschulen für Informatik eingeschrieben, 2006 waren es bereits weniger als 30.000, Tendenz weiter fallend.
Gleichzeitig verzeichnen vor allem Consumer Electronics und Informationstechnik ordentliche Zuwächse. Das Geschäft mit digitaler Unterhaltungstechnik wie Flachbildfernsehern und MP3-Playern läuft blendend und ist zuletzt um fast 7 Prozent gewachsen - das zahlt sich Bitkom-Chef Rohleder zufolge für IT-Absolventen aus, die sich auf digitale Unterhaltungselektronik spezialisiert haben. IT-Unternehmen, die Hard- und Software verkaufen, haben 2007 um 3,5 Prozent zugelegt. Dieses Tempo soll auch im kommenden Jahr anhalten. Die IT profitiert von der steigenden Nachfrage professioneller Abnehmer in der Wirtschaft und in der öffentlichen Verwaltung, sagt Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer, selbst Gründer des Software-Konzerns IDS Scheer AG, dessen Aufsichtsratschef er heute ist. Für einen zusätzlichen Schub sorgt die Erneuerung der Software-Systeme durch sogenannte serviceorientierte Architekturen. Solche SOA gelten derzeit als Geheimwaffe, wenn es darum geht, Unternehmensprozesse mit Hilfe der IT effizienter zu organisieren.
Kein Wunder, dass es heute nicht mehr genügt, ein guter Informatiker zu sein, um voll vom Jobboom der Branche zu profitieren. Es geht bei IT-Projekten immer öfter um betriebliche Prozesse, erklärt Bitkom-Geschäftsführer Bernhard Rohleder. Deshalb sind Wirtschaftsinformatiker sehr stark gefragt.
Das kann Thomas Klepper bestätigen, Personalberater bei Kienbaum Executive Consultants: IT und Business wachsen zusammen, sagt der Experte. Ein ITler muss deswegen heute koordinieren können, er braucht BWL-Kenntnisse und IT-Kenntnisse. Er muss wissen, was wofür programmiert wird, und das auch kommunizieren. Er ist quasi ein Übersetzer. Deshalb stehen Wirtschaftsinformatiker ganz oben auf der Wunschliste der Unternehmen.
Weil geeignete Absolventen so knapp sind, schauen sich die Personaler verstärkt nach Quereinsteigern um. Auch Mathematiker, Physiker oder Elektrotechniker haben gute Chancen auf einen Job in der High-Tech-Branche, weiß Branchenkenner Rohleder. Vorbild ist der studierte Physiker Henning Kagermann, der 1982 zum Anbieter von Unternehmenssoftware SAP nach Walldorf bei Heidelberg kam - und inzwischen Vorstandssprecher des DAX-Konzerns ist. Auch heute sucht der Software-Produzent nicht nur Informatiker, sondern auch Naturwissenschaftler, Physiker und Mathematiker. Sogar Theologen, Agrarwissenschaftler oder Psychologen gehören zum SAP-Mitarbeiterstamm, allerdings eher in den Bereichen Vertrieb, Beratung und Service.
In vielen naturwissenschaftlichen Studiengängen spielt Informatik inzwischen eine wichtige Rolle. Außerdem erhoffen sich Arbeitgeber von Physik- oder Mathematik-Absolventen die Fähigkeit, analytisch und systematisch zu denken und sich schnell neue Informationen anzueignen. Vor allem Quereinsteiger aus der Wirtschaftsmathematik sind in vielen Software-Unternehmen gefragt: Sie bieten alles auf einmal, was sich der Markt wünscht: ökonomisches, mathematisches und technisches Wissen.
Auch in diesem Jahr wird Arbeitgebern der Mangel an Soft Skills zu schaffen machen. Obwohl das Problem seit Jahren bekannt ist, sind kommunikative wie sozial kompetente Informatiker und Naturwissenschaftler selten. Viele IT-Spezialisten sind sehr stark in ihrer Technikwelt verhaftet, beobachtet Bitkom-Geschäftsführer Bernhard Rohleder. Wer aber außer Software-Entwicklung auch in die Beratung oder das Projektmanagement einsteigen will, braucht kommunikatives Geschick. IT-Spezialisten müssen heute eine oder besser noch mehrere Fremdsprachen beherrschen und fremde Kulturen kennen. Praktika oder Austauschprogramme im Ausland geben deshalb Pluspunkte. Auch Präsentations-techniken sind neben dem Zuhören und Verstehen wichtige Fähigkeiten, sagt Matthias Jarke von der Gesellschaft für Informatik (GI) in Bonn. Wer also noch studiert, sollte 2008 nutzen und etwas für seine Soft Skills tun.
Um Kommunikation gleich im doppelten Sinn geht es auf dem Teilmarkt für Mobilfunk, Festnetz-Telefon und Netzwerktechnik. Laut Bitkom ist der Umsatz der Telekommunikationsfirmen 2007 zwar um 1,8 Prozent geschrumpft. Gleichzeitig wurde noch nie so viel telefoniert wie heute. Allein im ersten Halbjahr 2007 haben die Deutschen drei Millionen zusätzliche Handy-Verträge abgeschlossen. Breitbandige Internetzugänge via DSL oder TV-Kabel entwickeln sich zum Standard: Spätestens Mitte 2008 wird die Hälfte aller Haushalte in Deutschland einen schnellen Internetanschluss haben, prophezeit Bitkom-Präsident und Software-Unternehmer August-Wilhelm Scheer.
Das dürfte auch im Telekommunikationssektor für eine weiter wachsende Nachfrage nach IT-Fachleuten sorgen. Denn die Informatik-Experten sind aus den Telefonfirmen nicht mehr wegzudenken. Sie werden nicht nur für den Aufbau und Betrieb von Datennetzen gebraucht, sondern entwickeln auch Abrechnungssoftware, die Tarife unterscheiden, takten und abrechnen muss. Und sie verwalten die längst digitale Technik der Vermittlungsstellen.
Der große Durchbruch für die digitale Technik dürfte der Umstieg auf die IP-basierte Telefonie werden, an der Branchengrößen wie Arcor oder die Deutsche Telecom arbeiten. Selbst wenn der Telekommunikationsmarkt sich im Moment nur verhalten entwickelt, sagt Bitkom-Geschäftsführer Bernhard Rohleder. Es kommen ständig neue Wettbewerber wie Alice oder Hansenet auf den Markt, die alle Fachkräfte suchen. Es sieht also ganz so aus, als würde IT auch in den kommenden Jahren ein Traum-Arbeitsmarkt bleiben.
Hier gibt´s Jobs für Hochschulabsolventen
Atos Origin
Bedarf 2008: ca. 40 Hochschulabsolventen
Gesuchte Fachrichtungen: (Wirtschafts-) Informatik, Wirtschaftswissenschaften, Ingenieure, Elektro-/Nachrichtentechnik
Für welche Bereiche wird gesucht: Entwicklung, Planung, Steuerung und Umsetzung komplexer Projekte, Integration von Lösungen in die bestehende IT-Landschaft der Kunden; langfristiges Outsourcing für alle IT- und Geschäftsbereiche, Support und Sales & Marketing (HR, Finance & Administration, Einkauf), Controlling und Buchhaltung
http://www.atosorigin.de
Bayer Business Services
Bedarf 2008: ca. 200 Hochschulabsolventen
Gesuchte Fachrichtungen: Naturwissenschaftler, Ingenieure, Informatiker, Betriebswirte
Für welche Bereiche wird gesucht: Forschung & Entwicklung, Informatik, Ingenieurtechnik, interne Beratung, Controlling, Finanzen, Rechnungswesen, Marketing, Rechtsabteilung, Logistik sowie im Projektmanagement und in internationalen Traineeprogrammen
http://www.myBayerjob.de
Computacenter
Bedarf 2008: ca. 60 Hochschulabsolventen
Gesuchte Fachrichtungen: Wirtschafts-/Informatik, Elektrotechnik, Wirtschaftswissenschaften
Für welche Bereiche wird gesucht: Junior Consultants und System Engineers mit unterschiedlichen technologischen Kenntnissen
http://www.computacenter.de
Datev
Bedarf 2008: ca. 100 Hochschulabsolventen
Gesuchte Fachrichtungen: Informatiker, Wirtschaftsinformatiker, Wirtschaftswissenschaftler
Für welche Bereiche wird gesucht: für alle Unternehmensbereiche, insbesondere Service & Vertrieb, Consulting, Entwicklung
http://www.datev.de/jobs
Fiducia IT
Bedarf 2008: steht noch nicht fest
Gesuchte Fachrichtungen: Informatik, Wirtschaftsinformatik, BWL (Schwerpunkt Finanzwirtschaft/Banken)
Für welche Bereiche wird gesucht: Die Fiducia sucht teamfähige Menschen, die sich für Informationstechnologie begeistern, und bietet vor allem Stellen für Anwendungsentwickler, Systemingenieure, Anwendungs-Systemberater, Kundenbetreuer und Produktmanager.
http://www.fiducia.de/service/karriere/stellenangebote.html
Hewlett-Packard
Bedarf 2008: 300 Hochschulabsolventen
Gesuchte Fachrichtungen: Wirtschaftsinformatiker, IT-Spezialisten, Ingenieure
Für welche Bereiche wird gesucht: Berater für Unternehmens-IT-Lösungen, Projektmanager, Kundenbetreuung
http://www.hp.com/de
IBM Global Services Deutschland
Bedarf 2008: steht noch nicht fest
Gesuchte Fachrichtungen: betriebswirtschaftliche Studiengänge, Wirtschaftsinformatik, Informatik
Für welche Bereiche wird gesucht: Unternehmensberatung, Vertrieb, Software-Entwicklung, Entwicklung, Forschung, Innovation.
http://www-05.ibm.com/employment/ de/absolventen/index.html
Siemens IT Solutions and Services GmbH & Co. OHG
Bedarf 2008: steht noch nicht fest
Gesuchte Fachrichtungen: Informatik, Wirtschaftsinformatik, Wirtschaftswissenschaften
Für welche Bereiche wird gesucht: Optimierung der Geschäftsprozesse durch individuelle IT-Lösungen und Übernahme komplexer IT-Leistungen
http://www.siemens.de/it-solutions
T-Systems
Bedarf 2008: 50 bis 60 Hochschulabsolventen
Gesuchte Fachrichtungen: Informatik, Wirtschaftsinformatik, Ingenieurwesen
Für welche Bereiche wird gesucht: Junior Consultants in der Strategieberatung und bei der Analyse von Wettbewerbern, Junior Projektleiter für Planung, Leitung, Controlling und Ressourcensteuerung von Projekten sowie Angebotserstellung und Budgetierung, Junior IT System Architect für Prozessanalysen und Realisierung von IT-Systemen und PreSales-Aufgaben
http://www.t-systems.de