12. Mai 2008
Als Historiker am Museum das Kulturerbe pflegen, als Germanist im Verlag Autoren entdecken oder als Sprachwissenschaftler sich um die Bibliothek an der Hochschule kümmern - solche Jobs sind rar gesät. Wer an sie heran will, muss zielbewusst und ausdauernd sein.
Jedes Mal, wenn Jesko Jockenhövel den schwarzen Umhang von Dracula-Star Christopher Lee, den er im Sechziger-Jahre-Schinken Die Schlangengrube und das Pendel trug, berührte, bekam er eine Gänsehaut. Das Kleidungsstück war eines von vielen Exponaten, die der Mitarbeiter des Berliner Museums für Film und Fernsehen im letzten Jahr für eine Ausstellung über klassische Filmkostüme drapieren sollte. In meinem Job wird Kino noch mal ein Stück lebendiger, sagt Jockenhövel. Ihm macht es großen Spaß, Filmgeschichte aufzuarbeiten und Klassiker in einen neuen Kontext zu stellen. Derzeit arbeitet er an einer Schau zu Loriot, die im Herbst im Film- und Fernsehmuseum zu sehen sein wird.

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Keine Frage, der 29-Jährige hat seinen Traumjob im Museum gefunden: Nach einem Studium der Geschichte, Anglistik und Neueren Deutschen Literatur sattelte der Filmfan einen medienwissenschaftlichen Studiengang an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam auf und absolvierte nebenher zahlreiche Praktika in Kulturredaktionen von Zeitungen und Zeitschriften. Mit seinem Studienabschluss in der Tasche ergatterte er am Berliner Film- und Fernsehmuseum schließlich einen der so raren wie heiß begehrten Volontariatsplätze - die klassische Eintrittskarte in die Kulturbranche: Zwei Jahre lang recherchierte Jockenhövel nach Exponaten, verfasste Ausstellungstexte und war Redakteur der Ausstellungskataloge. Sein Volontariat ist Ende Februar zu Ende gegangen. Jetzt arbeitet er erst einmal auf Basis eines Zeitvertrages, der noch bis Ende des Jahres läuft. Der Einstieg kann schwierig sein und der weitere Berufsweg sicherlich nicht geradlinig, findet Jockenhövel. Aber irgendwie funktioniert es schon. Alle meine Ex-Kommilitonen sind letztlich über Umwege dort gelandet, wo sie auch hinwollten.
Nur 3,5 Prozent aller knapp 2.800 Stellengesuche, die sich jährlich an Geisteswissenschaftler wenden, kommen von Museen: Es ist ein sehr vielfältiges Nischenangebot, aber kein großer Arbeitsmarkt, sagt Mechthild Kronenberg, Geschäftsführerin des Deutschen Museumsbundes in Berlin. Die Museen suchen in erster Linie Spezialisten, die für das jeweilige Fachgebiet der Einrichtung ausgebildet sind. Feste Stellenangebote sind seit Jahren rückläufig, doch dafür finden immer mehr spezialisierte Freiberufler über Werkverträge eine vorübergehende Anstellung in deutschen Museen. Das sind zum Beispiel Historiker, die sich als Ausstellungskuratoren selbständig gemacht haben und Projekte betreuen. Der klassische Einstiegsweg sind und bleiben jedoch die Volontariate, berichtet Museumsbund-Geschäftsführerin Kronenberg. Und die werden nach wie vor meist an bereits promovierte Wissenschaftler vergeben. Weil auch Museen immer mehr Dienstleistungen ausgliedern, bestünden allerdings mehr Jobchancen für Quereinsteiger, die sich beispielsweise um Öffentlichkeitsarbeit, Veranstaltungsmanagement oder Verwaltungsaufgaben kümmern. Was allen Jobs im Museumsbereich gemein ist: Es wird ganz genau hingeschaut, ob ein Bewerber bereits Praktika im jeweiligen Fachbereich absolviert hat, sagt Mechthild Kronenberg.
Vor geisteswissenschaftlichen Bewerbern kaum retten können sich traditionsgemäß die großen Buchverlage. Junge Autoren als Coach aufzuspüren, als Lektor Gutachten über unentdeckte Literaturperlen zu schreiben oder Lizenzen für Bestseller aus dem Ausland einzukaufen, solche Jobs sind einfach sehr begehrt. Die Verleger machen bei Bewerbern aus geisteswissenschaftlichen Fächern nach wie vor die Erfahrung, dass viele keine konkreten Vorstellungen von den Abläufen im Verlagswesen haben, berichtet Gudrun Bolduan, Geschäftsführerin des Verlegerausschusses im Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Es geht in unserer Branche eben auch darum, Bücher zu verkaufen. Projektmanager, die in Buchverlagen arbeiten, müssten nicht nur Bücher lieben, sondern auch Marktzahlen auswerten, Zielgruppen bestimmen und Produkte bis zur Verkaufsreife begleiten. Nach jüngsten Zahlen der Bundesagentur für Arbeit arbeiteten 2006 rund 22.200 sozialversicherungspflichtige Angestellte in den großen Buchverlagen. Das sind etwas mehr als im Jahr davor, und doch viel weniger als noch 2002. Durch die Online-Konkurrenz steckt der Buchhandel seit Jahren in der Krise, doch in den Verlagen gibt man sich optimistisch. Im vergangenen Jahr konnte die Branche mit einem leichten Plus abschließen.
Insgesamt geht es der Buchbranche im Moment wieder besser, die Stellen für geisteswissenschaftliche Hochschulabsolventen dürften also in Zukunft zumindest nicht weniger werden, sagt Gudrun Bolduan. Es würden allerdings auch nicht viel mehr werden. Es stimmt, dass es schwierig ist, in das Verlagswesen reinzukommen, aber wer einmal einen Arbeitsplatz sicher hat, bleibt auch erst mal da. Ein geisteswissenschaftliches Studium ist dabei nur eine Grundvoraussetzung: Je nach Verlag wird darüber hinaus spezielles Fachwissen oder eine Zusatzausbildung verlangt. Die klassische Einstiegspforte ist auch hier ein Praktikum und das darauf folgende Volontariat. Derzeit sind bei den großen Publikumsverlagen rund 80 Prozent der Volontäre Geisteswissenschaftler. Weil die Buchbranche aber durch die Digitalisierung einen Umbruch erlebt, werden auch neue Jobprofile immer wichtiger und geeignete Bewerber teilweise händeringend gesucht, berichtet Monika Kolb-Klausch, Bildungsdirektorin beim Börsenverein. Dazu zählten zum Beispiel Spezialisten mit IT-Kenntnissen und Datenbank-Manager.
Die besten Chancen für Geisteswissenschaftler scheinen laut Statistik an den Hochschulen zu bestehen. Laut Zentralstelle für Arbeitsvermittlung sind fast 39 Prozent von ihnen in Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen beschäftigt. Bei der Frage, wer Geisteswissenschaftler sucht, nehmen diese Arbeitgeber auch mit 24,4 Prozent die Spitzenposition ein. Doch der erste Schein trügt. Denn der Stellenabbau im Hochschulbereich ist seit Jahren ungebrochen. Seit 1995 wurden 1.500 Professorenstellen eingestrichen. Der Flaschenhals für den wissenschaftlichen Nachwuchs wird aufgrund dieses Stellenabbaus immer enger, kritisiert Bernhard Kempen, Präsident des Deutschen Hochschulverbandes. Gerade für Geisteswissenschaftler wird die Joblage nicht gerade besser.
Ähnlich sieht es in den Bibliotheken aus: Auch hier sind Stellen rar gesät: Rund 60 feste Arbeitsplätze wurden im vergangenen Jahr von Hochschulbibliotheken und Forschungseinrichtungen an Nachwuchsbibliothekare vergeben. Gesucht werden in erster Linie Absolventen mit bibliothekarischem Studienabschluss oder aus den Fachrichtungen, auf die sich die jeweilige Bibliothek spezialisiert hat. In Zukunft wird es ein etwa gleich bleibendes Stellenangebot geben, sagt Gabriele Beger, Vorsitzende des Deutschen Bibliotheksverbands. Allerdings komme es auch in Bibliotheken stärker als früher auf eine Servicementalität der Mitarbeiter an: Sie müssen über gute Sozialkompetenz verfügen, aber auch IT-Kenntnisse mitbringen, um beispielsweise eine virtuelle Bibliothek aufzubauen oder einen Weblog zu betreuen.
Hier gibt's Jobs:
in Museen
Eine bundesweite Stellenbörse veröffentlicht der Museumsbund unter http://www.museumsbund.de/ Links Aktuelles und Stellenangebote. Infos zu museumsbezogenen (Aufbau-)Studiengängen und Fortbildungen gibt es unter http://www.museumsbund.de/ Link Berufe.
an Hochschulen
Sämtliche in Deutschland ausgeschriebenen Professorenstellen kann man über den Ausschreibungsdienst des Hochschulverbandes abonnieren ( http://www.hochschulverband.de/Links Wiss.Nachwuchs und Ausschreibungen). Für Mitarbeiterstellen ist eine gemeinsame Stellenplattform in Planung. Bis sie zugänglich wird, müssen Interessierte auf den Homepages der jeweiligen Hochschulen die Stellenangebote einsehen.
in Bibliotheken
Ein Stellenservice für das Bibliothekswesen gibt es unter http://www.bibliojobs.de. Infos zu Ausbildung, Studium und Praktika veröffentlicht der Berufsverband Information Bibliothek: http://www.bib-info.de/daps.
in Buchverlagen
Ein Online-Stellenmarkt wird im Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel veröffentlicht: http://www.mvb-boersenblatt.de. Darüber hinaus haben alle Landesverbände des Börsenvereins eigene Online-Stellenbörsen: http://www.boersenverein.de/Links Der Börsenverein und Landesverbände. Infos zu Ausbildungswegen, die in die Verlage führen, finden sich unter http://www.boersenverein.de/ Links Downloads und Karriere.