21. Dezember 2009

Ein Pannenbericht

»Es hätte besser sein können«

Von Susanne Schäfer




12. Oktober 2009 
Sina Alfers (26) studiert an der Universität Paderborn Englisch und Spanisch auf Lehramt. Sie macht ein Staatsexamen, allerdings nach der neuen Studienordnung, in der das Studium modularisiert ist. Das Sommersemester 2007 hat sie an der Universidad de Zaragoza verbracht, wo nicht alles so glattlief wie erwartet.

Schon der Start in Zaragoza war nicht optimal: Ich und die anderen Erasmus-Studenten von der Uni Paderborn kamen zwei Wochen zu spät. Das Sommersemester in Spanien hatte schon angefangen, als wir in Deutschland noch die Klausuren des Wintersemesters schreiben mussten. Es wäre schön gewesen, wenn ehemalige Austauschstudenten oder Dozenten uns schon frühzeitig darauf aufmerksam gemacht hätten, dass sich die beiden Semester manchmal überschneiden. Schließlich sind die Hochschulen in Zaragoza und in Paderborn Partnerunis, das Problem ist also sicherlich schon vorher aufgetaucht. Hätten wir früher gewusst, dass die Semester sich überschneiden, hätten wir vielleicht die Klausuren vorziehen und pünktlich in Zaragoza anfangen können.

Aber so musste ich zu den Dozenten gehen und sie bitten, mich noch in ihre Kurse zu lassen. Manche waren sehr hilfsbereit und haben den anderen Erasmus-Leuten und mir Material zu den Stunden gegeben, die wir verpasst hatten. Andere waren ablehnend - wir durften zwar mitmachen, mussten uns aber selbst um den versäumten Stoff kümmern.

Ich hatte ohnehin den Eindruck, dass manche Dozenten nicht viel von Erasmus-Studenten halten. Sie wirkten abweisend, wir fühlten uns nicht wirklich willkommen. Und nachdem sechs von zwanzig Leuten in ihrem Seminar Ausländer waren, hätten sie ja auch mal nachfragen können, ob wir alles verstehen. Aber einige dachten offenbar, Erasmus bedeutet: Die sind sowieso nur hier, um zu feiern.

Das war natürlich nicht so, ich hätte gern mehr aus den Kursen mitgenommen. Aber leider waren sie oft reine Vorlesungen - der Dozent redete, wir hörten zu und am Ende wurde alles in einer Klausur abgefragt. Außerdem war es schwierig, die richtigen Seminare für sich zu finden, obwohl wir schon in Deutschland die Internetseite der Uni Zaragoza durchsucht hatten. Da gab es zwar ein Vorlesungsverzeichnis, aber kaum Informationen zu den Kursen. So konnten wir schlecht einschätzen, was einen in welchem Seminar erwartet und wie hoch das Niveau ist. Erst in Spanien stellte sich dann heraus, dass ich manche Kurse gar nicht machen konnte, zum Beispiel weil sie auf ein Jahr angelegt waren, ich aber nur für ein Semester dort war.

Trotzdem hat mir mein Auslandssemester supergut gefallen. Ich habe die Sprache gelernt, was für mich besonders wichtig ist, weil ich Spanisch auf Lehramt studiere. Und ich habe neue Freunde gefunden und viel vom Land gesehen. In Deutschland konnte ich sogar alle vier Scheine anerkennen lassen, die ich in Zaragoza gemacht hatte. So habe ich kaum Zeit verloren - normalerweise machen wir zehn bis zwölf Scheine pro Semester - und beende mein Studium gerade im zehnten Semester. Nur die Organisation der beiden Unis und der Unterricht in Spanien hätten sehr viel besser sein können.

Komplikationen, die bei Auslandssemestern häufig auftreten - und wie sie sich vermeiden lassen

Problem 1: „Die Bewerbung für meine Gastuni wird nicht rechtzeitig fertig.“
„Viele Studenten fangen viel zu spät an, ihr Auslandssemester zu planen“, sagt Alexandra Michel von der Organisation College Contact. Das bedeutet: Es wird stressig. Wer vorhat, ein Semester im Ausland zu studieren, sollte schon im ersten oder zweiten Semester mit der Planung beginnen. Spätestens ein Dreivierteljahr vorher sollte man sich konkret um die Bewerbung an der Wunschuni kümmern. Denn viele verlangen einen Sprachtest. Bis man für den einen Termin bekommt, vergehen oft Wochen - und bis man das Ergebnis hat, noch weitere.

Problem 2: „Mein Geld reicht nicht aus.“
Viele stellen zu spät fest, wie hoch die Studiengebühren oder die Kosten für das Leben im Gastland sind. Wer nicht die meiste Zeit mit Nebenjobs verbringen will, sollte sich deshalb rechtzeitig um eine Finanzierung kümmern. Spätestens ein halbes Jahr vor Beginn des Auslandssemesters sollte man Auslands-Bafög beantragen. Oft werden die Studiengebühren im Ausland erstattet, zusätzlich gibt es Zuschüsse zu Flügen, Auslandskrankenversicherung und Lebenshaltungskosten.

Problem 3: „Ich wohne in einem Loch.“
„Ein Wohnheimplatz oder eine Gastfamilie lassen sich von Deutschland aus gut organisieren, nicht aber ein WG-Zimmer“, sagt Alexandra Michel. „Viele unterschreiben schon in Deutschland einen Mietvertrag, ohne ihr Zimmer gesehen zu haben, oder bekommen vor Ort schnell Panik und nehmen das erstbeste.“ Wer ein WG-Zimmer sucht, sollte sich deshalb vor Ort erst einmal in einem Hostel ein Zimmer nehmen und sich von da aus in aller Ruhe mehrere Wohnungen ansehen.

Problem 4: „An der Gastuni kann ich nicht die Kurse belegen, die mich interessieren.“
Einige Unis behandeln Semesterstudenten so, als wollten sie ihr komplettes Studium dort verbringen, was häufig bedeutet, dass diese bei der Wahl der Kurse eingeschränkt sind. Man sollte deshalb darauf achten, dass die Gastuni für Ausländer ein „study abroad program“ anbietet, manchmal auch „visiting students program“ oder „bridge program“ genannt.

Problem 5: „Meine Heimatuni erkennt die Scheine nicht an.“
Oft kommt nach dem Auslandssemester die Enttäuschung: Die Heimatuni erkennt die Scheine nicht an. Bevor man ins Ausland geht, sollte man mit den Dozenten oder dem Dekanat über die Kurse sprechen, die man belegen möchte. Manche Gastunis geben detaillierte Beschreibungen der Seminare heraus - zur Not mehrmals nachfragen. Kann man diese den Dozenten an der Heimatuni vorlegen, tun sie sich leichter zu entscheiden, ob die Scheine anerkannt werden.

Text: Hochschulanzeiger Nr. 104, 2009, Seite 26
Bildmaterial: privat