10. Oktober 2008

Keine großen Sprünge

Der Sparfuchs

Von Oliver Kreft




18. Juni 2007 
Ein Leben in Saus und Braus, davon kann Arne Schleifer nur träumen. Sein schmaler Etat verlangt nach einer straffen Haushaltsführung, und genau darin ist er ein Meister.

Am Ende des Geldes ist noch so viel Monat übrig - niemand weiß das besser als Arne Schleifer. Der 27-jährige Saarländer studiert im achten Semester Musikwissenschaften und Philosophie auf Magister an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz. Monatlich steht dem Studenten ein Budget von rund 700 Euro zur Verfügung. Rund 400 Euro bekommt er von seinen Eltern, den Rest verdient er sich durch Jobben dazu. Große Sprünge erlaube ihm das kaum, deshalb sei geschicktes Kalkül gefragt, so Schleifer.

Mainz hat einen recht hohen Mietspiegel, da verschlingt allein die Miete einen Großteil des Budgets. „Ich wohne für 230 Euro im Monat in einem Kellerapartment“, sagt der angehende Geisteswissenschaftler, und das sei für Mainzer Verhältnisse absolut Low-Budget. Eigentlich handele es sich dabei gar nicht um eine richtige Wohnung, und tatsächlich mutet der Wohnraum reichlich improvisiert an. Sofort fällt beim Betreten der Kellerbehausung der Blick auf dieses kastenähnliche Gebilde, das sich alsbald als transportable Duschkabine aus Wellplastik herausstellt. „Ich glaube, diese Dusche ist noch ein Relikt aus der DDR-Zeit. Aber was soll's - Hauptsache, es funktioniert.“

Das weitere Interieur seiner Behausung stammt größtenteils von Flohmärkten und vom Sperrmüll. „Es ist erstaunlich, was die Leute so alles wegwerfen“, wundert sich Schleifer. Dabei komme es vor allem darauf an, wo man suche. Es gäbe einige Straßen in Mainz, da sei der Sperrmüll hochwertiger als manches Möbelstück aus dem bekannten skandinavischen Möbelhaus. Bei den Jobs, mit denen er sich über Wasser hält, kommt ihm sein Studium zugute. So arbeitet der Student der Musikwissenschaften unter anderem als Gitarrenlehrer und in den sonnigen Monaten als Straßenmusiker. Außerdem hat er regelmäßig Einkünfte als Blutspender, denn - anders als es das Wort vielleicht vermuten lasse - erhalte man fürs Blutspenden in Universitätskliniken mit eigenen Blutbanken Geld. Wer nicht in die Schuldenfalle tappen will, braucht Einfallsreichtum - Schleifer hat davon reichlich. „Ich lasse mir als Modell von einer angehenden Friseurin die Haare schneiden“, bekennt der Sparfuchs. Das nehme zwar stets viel Zeit in Anspruch, da ja eine Auszubildende und keine ausgelernte Kraft bei ihm zur Schere greife, aber letztlich koste ihn das nur einen Bruchteil von dem, was er sonst regulär beim Friseur für einen Haarschnitt ausgeben müsste. Kleidung kauft er fast ausschließlich in Second-Hand-Läden - bis auf seine Jeans. „Die hole ich mir im Outlet-Center, da gibt es nämlich Markenjeans zum echten Schnäppchenpreis.“

Massive Einsparungen seien auch beim Kauf von Lebensmitteln möglich. Nicht nur der prozessionsartige Gang zum Aldi, sondern auch das gewissenhafte Studium von Angebotsheftchen anderer Discounter bringe da oft das gewünschte Resultat - den finanzfreudigen Einkauf. Zum Klassiker in seinem Warenkorb hat sich beim Brotkauf das „Angebot der Woche“ entwickelt. Mit diesem rigiden Sparkurs ließen sich zwar keine Reichtümer anhäufen, aber die ausgeglichene Bilanz auf seinem Konto sei wie ein sanftes Ruhekissen. „Es darf halt nur nichts Unvorhergesehenes passieren. Wenn die Mainzer Uni beispielsweise Studiengebühren erheben würde, könnte ich mein Leben nicht mehr finanzieren.“

Ein gutes Terrain für Sparwillige sei nach Meinung von Schleifer auch der Telekommunikationsmarkt. Leider käme der Sozialtarif der Telekom, der echtes Sparpotential beinhalte, für ihn nicht in Frage. „Dazu müsste ich Bafög-Leistungen empfangen.“ Schleifer entschied sich schließlich für einen Anbieter, bei dem er die monatliche Festnetzanschlussgebühr spart. Lediglich die Grundgebühr für das Handy ist zu entrichten. Seit neuestem nutzt er zudem eine DSL- 6.000-Flatrate eines kleineren Internetanbieters, für die er monatlich nur 20 Euro berappen muss. Was auch das Einkaufen noch billiger macht: Denn bevor Schleifer in einen Laden geht, vergleicht er erst einmal sämtliche Online-Angebote. „Bücher, CDs oder Medikamente kaufe ich fast nur noch hier.“ Und auch fürs Nachtleben mit Diskothekenbesuchen hat Schleifer einen Spartipp auf Lager. Das Zauberwort heißt „Happy Hour“. Längst hat er herausgefunden, wann in welchen Locations seiner Stadt Getränke zum halben Preis angeboten werden. Zusammen mit seinen Kommilitonen pilgert er dann so lange von einem „Club“ zum nächsten, bis sein Kneipenetat erschöpft ist. Im Sommer will er sich einen Urlaub gönnen. „Der wird nicht mehr als 200 Euro kosten - das habe ich schon durchkalkuliert“, so der Saarländer. Man glaubt es ihm sofort.

Text: Hochschulanzeiger Nr. 91, 2007
Bildmaterial: Oliver Kreft