22. August 2008

Software & Services

Consulting bringt die IT-Branche in Schwung

Von Florian Vollmers



08. März 2004 
Die IT-Branche stagniert, der IT-Consulting-Sektor aber wächst. Eine gute Nachricht für Hochschulabsolventen: Der Branchenverband BITKOM sieht hier einen Bedarf von 30.000 bis 40.000 Fachkräften voraus.



Die allumfassende Vernetzung ist längst zum Schlagwort geworden - Realität ist sie für viele Unternehmen deshalb noch lange nicht: Noch immer müssen zahlreiche Brüche zwischen vorhandenen Computersystemen gekittet werden. In den meisten Unternehmen sind längst nicht alle Glieder der Wertschöpfungskette von der Produktentwicklung bis zum Kundendienst durchgängig digitalisiert. Gründe dafür, daß den Bereichen Software & IT-Services für dieses Jahr ein so hohes Wachstum prognostiziert wird - und daß vermehrt nach Leuten wie Frank Kilian gefragt wird.



Er arbeitet in der Zentrale des größten deutschen Software-Konzerns SAP in Walldorf an der neuesten Version des sogenannten NetWeaver - einer SAP-Software, mit der verschiedene Geschäftsprozesse und Informationen eines Unternehmens auf einer Plattform zusammengebracht werden können. Man muß sich das vorstellen wie große Lego-Platten, auf die man unterschiedliche Bausteine setzen kann", erklärt Kilian. Über NetWeaver können verschiedene Anwendungen laufen und kommunizieren." So werden zum Beispiel alte Datenbestände, die früher in unterschiedlichen Systemen isoliert waren, mit NetWeaver harmonisiert. Innerhalb dieses Projektes ist Frank Kilian für einen Teil des Java Application Server" zuständig. Neben unserem Entwicklungsteam hier in Walldorf bin ich auch für vier Teams verantwortlich, die in den SAP Labs in Sofia in Bulgarien mit uns zusammenarbeiten", berichtet der 38jährige Absolvent der Nachrichtentechnik an der FH Mannheim. Dabei organisiert Kilian nicht nur die technischen Arbeitsinhalte der Teams, sondern ist auch während der Installation und Betreuung der Software mit von der Partie. Kunden von NetWeaver sind global agierende Unternehmen wie Lufthansa und Nestlé, die ein weltweites Netz an Applikations-Servern aufbauen wollen: Informationen über ein Produkt, das in jedem Land anders hergestellt wird, eine andere Verpackung hat oder anders abgerechnet wird, können so auf einer integrativen Plattform zusammengefaßt werden." Ist eine Entwicklungsstufe des NetWeaver-Projektes abgeschlossen, beschäftigt sich Kilian bereits mit der Weiterentwicklung: In unserer Industrie darf man nie stehenbleiben und sich auf dem Erreichten ausruhen", sagt er. Eine Software zu entwickeln, die in derartig hohem Maße eingesetzt wird, sei eine große Verantwortung. Und immer ganz nah am neusten Stand der Technik zu sein, finde ich besonders motivierend." IT-Services sind das prägende Element der Branche geworden: Drei Viertel der Umsätze und noch mehr Beschäftigte stammen aus diesem Sektor. Man kann davon ausgehen, daß der Servicebereich etwa 80 Prozent der ITK-Branche ausmacht. Dazu gehören etwa 600.000 Beschäftigte", schätzt Stephan Pfisterer, Bildungsexperte beim Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und Neue Medien (BITKOM). Immer mehr Unternehmen schließen ihre Produktionsstätten oder verlagern die Entwicklung ins Ausland. Was für den hiesigen Markt bleibt, sind die beratenden Dienste - für die Betreuung von Netzwerken, den Ausbau der Telekommunikation oder Services wie Online-Banking. Wir rechnen damit, daß durch die IT-Services in den nächsten Jahren ein Bedarf an 30.000 bis 40.000 Fachkräften entsteht. Davon müssen zwei Drittel Hochschulabsolventen sein", so Pfisterer vom BITKOM. Software & Services sind derzeit die alleinigen Antriebsfedern des Wachstums." Das geforderte Profil an den Fach- und Führungsnachwuchs konzentriere sich auf eine Verkaufstätigkeit mit IT als Grundlage: Es wird verstärkt darum gehen, neue IT-Komponenten bei Unternehmen zu integrieren und ihre Vernetzung voranzutreiben." Der zunehmende Einsatz von IT im Fahrzeugbau sei ein gutes Beispiel, so Pfisterer: Dafür müssen die Geschäftsprozesse der Kunden mit im Auge behalten werden, wirtschaftswissenschaftliche Kenntnisse werden in der Branche immer wichtiger." Wenn in Unternehmen Not am Mann ist, springt Karsten Flott ein: Ich berate Kunden, die in ihrem Netzwerk oder bei ihren Anwendungen Performance-Probleme haben und diese analysiert haben möchten", berichtet der Technical Consultant. Direkt nach seinem Studium der Elektrotechnik mit dem Schwerpunkt Kommunikationstechnik an der Fachhochschule/University of Applied Sciences im sächsischen Mittweida kam der heute 26jährige vor zwei Jahren zur Compuware GmbH. Im Auftrag des Software-Unternehmens, das sich auf Geschäftsanwendungen spezialisiert hat, analysiert Karsten Flott die IT-Infrastruktur seiner Kunden mit Hilfe von Compuware-Software und entwickelt anschließend Lösungsvorschläge. Beispielsweise hatte ein Kunde kürzlich Probleme mit der Antwortzeit seiner Webanwendung", erzählt Flott. Nach einer Analyse konnte ich feststellen, aus welchen Parametern sich die schlechte Antwortzeit zusammensetzte - welche Datenbankzugriffe zu lange dauerten, wieviele Daten zwischen den beteiligten Komponenten kommuniziert wurden und wie sich eine andere Bandbreite auf die Antwortzeit auswirken würde." Bei diesem Job sei man mehr Praktiker als Theoretiker und müsse besonders aufgeschlossen sein, findet Karsten Flott, weil man sein Herangehen an Problemlösungen erläutern und seine Arbeit vor anderen präsentieren muß. Man sollte komplexe Themen klar darstellen und kommunizieren können." Vertriebserfahrung ist es deshalb auch, was Astrid Judkins, Recruiting Managerin bei Compuware, als eine zentrale Qualifikationsanforderung an den Nachwuchs benennt: Gleich in welcher Branche. Man sollte auch Selbstbewußtsein sowie ein professionelles, extrovertiertes Auftreten mitbringen", erklärt Judkins und kündet an: Voraussichtlich bieten wir in diesem Geschäftsjahr wieder unsere Sales Academy für Hochschulabsolventen an, in der unsere Kandidaten über vier bis sechs Monate - eventuell auch in unserem Headquarter in den USA - im Softwarevertrieb ausgebildet werden." Der Beratungsbereich spielt auch nach Einschätzung von Marc-Stefan Brodbeck, Leiter Personalmarketing und Recruiting bei T-Systems, eine entscheidende Rolle für den deutschen Jobmarkt: Eines der Geschäftsfelder bei T-Systems mit den größten Wachstumsraten ist das Business Process Outsourcing, bei dem bestimmte Unternehmensaktivitäten - zum Beispiel die gesamte Abrechnung - an einen IT-Dienstleister abgegeben werden", bestätigt er. Für diese Jobs brauchen wir Spitzenkräfte, die das Know-how von Geschäftsprozessen mit Beratungskompetenz kombinieren", so Brodbeck. Entscheidend seien dabei die sozialen Kompetenzen, mit denen das Unternehmen überzeugend nach außen vertreten werde. Denn wer in diesen Beruf einsteigt, muß wissen: IT ist heute nicht mehr nur IT." Das weiß auch Michael Hiller, der seit zwei Jahren als IT-Consultant bei T-Systems arbeitet, einem der europaweit führenden Dienstleistungsunternehmen für Kommunikations- und Informationstechnologie. Der Consulting-Sektor in der IT-Branche hat eine große Zukunft vor sich", schätzt auch der 29jährige. Fachleute, die individuelle Kundenanforderungen in IT umswitchen können, werden immer mehr gebraucht." Hiller ist auf die Automobilindustrie spezialisiert: Ich analysiere die Ist-Prozesse eines Systems, entwickle Soll-Prozesse und stelle diese dann dem Kunden vor", erklärt der Consultant. Ein großer Teil seiner Arbeit spielt sich in Meetings ab. Der Beruf des IT-Consultants verlangt Offenheit und Beharrlichkeit, weil man tagtäglich Anforderungen abstimmen und Menschen überzeugen muß", findet er deshalb. Reizvoll sei die Vielseitigkeit der Themen und Projekte. Hiller, der an der FH Nürtingen BWL mit den Schwerpunkten Automobilhandel und -marketing studiert hat, ist mit seinem Beruf sehr zufrieden: Gerade wenn man frisch im Geschäft ist, hat man hier die Möglichkeit, viele unterschiedliche Bereiche zu erkunden - um sich später einen davon für den weiteren Karriereweg auszusuchen." Wie viele andere IT-Dienstleister werden auch SAP, Compuware und T-Systems auf der CeBIT mit einer Career Corner" vertreten sein: Die Messe ist für uns ein wichtiges Personalmarketing-Instrument", sagt Marc-Stefan Brodbeck von T-Systems. Wir hoffen, die besten Köpfe für uns zu begeistern." In den vergangenen Jahren war der Messestand von T-Systems sehr erfolgreich. Der Andrang war groß", erinnert sich Brodbeck, der die CeBIT als Riesenchance für den Nachwuchs versteht, schon einmal ersten Augenkontakt mit dem künftigen Arbeitgeber aufzunehmen. Wir haben eigens ein Back Office auf der CeBIT, das eingegangene Unterlagen bearbeitet", berichtet er. Bewerber, die eine Mappe bei uns abgeben, können schon am selben Abend mit einer Eingangsbestätigung per Mail rechnen."

http://www.bitkom.org

http://www.compuware.de
CeBIT: Halle 4, Stand D12

http://www.sap.com/germany
CeBIT: Hauptstand in Halle 4, Stand Public Sector" in Halle 11, Stand Financial Service Providor" in Halle 18

http://www.t-systems.de
CeBIT: Halle 26, Stand A01



Text: Hochschulanzeiger Nr. 71, 2004