20. Dezember 2009

Beliebte Ziele

Andere Länder, anderes Studium

Von Annik Eimer




12. Oktober 2009 
Wo es deutsche Studenten am häufigsten hinzieht, und wo es sich besonders gut studieren lässt.

1. Niederlande: In den letzten Jahren hat sich der Nachbarstaat zu dem beliebtesten Studienort für Deutsche gemausert. 1996 studierten nur rund 900 deutsche Studenten in den Niederlanden, 2006 ist die Zahl schon auf rund 14.000 gestiegen. Gründe für die Beliebtheit sind die guten Lehrangebote, geringen Zulassungsbeschränkungen und wenig überfüllten Seminare.

In den Niederlanden gibt zwei Hochschultypen: die Universitäten, die den deutschen Hochschulen entsprechen, und Hochschulen, die ähnlich praxisnah wie die deutschen Fachhochschulen sind. Das Studium gliedert sich in zwei Abschnitte: einem Grundstudiumsjahr, das mit einer Prüfung in jedem belegten Fach abgeschlossen wird, und einem Hauptstudium, das drei bis vier Jahre dauert. Häufig werden Kurse in deutscher oder englischer Sprache angeboten. An vielen Hochschulen wurde bereits das European Credit Transfer System (ECTS) eingeführt, das die erbrachten Leistungen vergleichbar macht.
Studiengebühren:
Ein Studienjahr kostet rund 1.600 Euro.
Lebenshaltungskosten:
700 bis 800 Euro pro Monat.

2. Großbritannien: Rund 180 Hochschulen gibt es in Großbritannien, viele davon mit einer traditionsreichen Geschichte. Oxford und Cambridge beispielsweise wurden bereits Anfang des 13. Jahrhunderts gegründet. In England, Irland und Wales dauert das Undergraduate-Studium drei Jahre, in Schottland vier Jahre. Hängt man noch ein Postgraduate-Studium dran, hat man in einem bis drei Jahren einen Master oder einen Doktortitel in der Tasche. Viele britische Universitäten haben in den letzten Jahren das Credit Accumulation and Transfer Scheme (CATS) eingeführt, das britische Pendant zum ECTS. Zehn Credits gibt es für circa 80 Stunden, 120 Credits muss man pro Semester sammeln. Die britischen Universitäten verwalten sich selbst und können frei über die Aufnahme von Studenten entscheiden. Die sogenannten „League Tables“, Rankings, die von den Zeitungen Guardian und Times erstellt werden, sind in Großbritannien äußerst beliebt und helfen bei der Wahl der passenden Hochschule. Um sich für einen Studienort zu entscheiden, empfiehlt es sich, die Listen des Guardian zu studieren, der auch die Lehre bewertet. Angeführt werden diese Bestenlisten fast immer von den altehrwürdigen Universitäten. Genauer hinzuschauen lohnt sich aber: In den Rankings der einzelnen Fächer findet man einige Überraschungen. In den Biowissenschaften haben es gleich vier Universitäten in die Top Ten geschafft, die in den allgemeinen Bestenlisten weit abgeschlagen waren.
Studiengebühren:
Bis zu 3.000 britische Pfund (rund 3.400 Euro) kostet ein Undergraduate-Studium pro Jahr, Masterstudiengänge sind häufig deutlich teurer. Lebenshaltungskosten: 12.000 bis 13.500 Euro pro Studienjahr (in London, Oxford, Cambridge 14.000 bis 16.000 Euro)

3. Österreich: Eigentlich ist es nicht viel anders, als irgendwo in Deutschland zu studieren: Es gibt keine Sprachbarrieren, es wird wie in Deutschland in Semestern studiert. In den meisten Studiengängen wurde das gestufte System eingeführt: An ein sechssemestriges Bakkalaureatsstudium kann ein Magisterstudium angehängt werden, das zwei weitere Semester dauert. Es gibt 18 Universitäten, acht Kunstuniversitäten und neun Fachhochschulen sowie elf Privatuniversitäten. Um sich vor den Scharen deutscher Studenten zu schützen, die in ihrem Heimatland keinen Studienplatz gekriegt haben, hatten die Österreicher lange Zeit strenge Zulassungskriterien: Man musste nachweisen, dass man auch in Deutschland einen Studienplatz bekommen hätte. Diese Bestimmung wurde 2005 vom Europäischen Gerichtshof gekippt. Seitdem haben einige der Universitäten „Ausländerquoten“ eingeführt. Im vergangenen Herbst wurden, kurz vor den Wahlen, die Studiengebühren wieder abgeschafft. Daher ist damit zu rechnen, dass das Alpenland als Studienort noch beliebter wird.
Studiengebühren: keine, außer man überschreitet die vorgesehene Studienzeit um mehr als zwei Semester.
Lebenshaltungskosten: 800 Euro

4. Schweiz: Wer zum Studieren in die Schweiz geht, wird vor allem eines finden: Ein echtes Multi-Kulti-Umfeld. Rund ein Viertel aller Studenten sind Ausländer. Es gibt elf kantonale Universitäten, zwei Eidgenössische technische Hochschulen und sieben Fachhochschulen. Auch die Schweiz hat die Bologna-Deklaration unterzeichnet, so dass man in den meisten Studiengängen bereits im Bachelor-Master-System studieren kann. Studiert wird in den drei Amtssprachen Deutsch, Italienisch und Französisch.
Studiengebühren: variieren je nach Hochschule, Ausländer müssen außerdem eine Zusatzgebühr bezahlen. Am günstigsten ist ein Studium an der Universität Bern (633 Franken pro Semester, das sind rund 400 Euro). Teuerste Hochschule ist die Universität der italienischen Schweiz in Tessin. Als Nicht-Schweizer muss man dort 4.000 Franken (2.650 Euro) für ein Semester berappen. Weltweit bekannt ist die naturwissenschaftlich ausgerichtete Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH), an der auch Albert Einstein studiert und gelehrt hat. Achtung: Das deutsche Abitur wird dort aber nicht immer anerkannt. Deswegen sollte man rechtzeitig bei der Hochschule erfragen, welche Voraussetzungen erforderlich sind. Lebenshaltungskosten: 12.000 bis 20.000 Euro pro Jahr.

5. USA: Zurzeit gibt es in den USA 4.180 Hochschulen. Rund 1.700 sind öffentliche Hochschulen, die restlichen sind privat. Man kann zwischen Universities, Colleges und Community Colleges wählen. In den Community Colleges kann man eine zweijährige Ausbildung absolvieren, die zu einem Abschluss mit dem Namen „Associate“ führt. Dieser Abschluss wird allerdings hierzulande nicht anerkannt. Studiert wird im angloamerikanischen System, mit einem vierjährigen Bachelor-Studium, an das man noch ein zweijähriges Master-Studium anschließen kann. Die Colleges bieten nur Bachelorstudiengänge an, für einen Master oder einen Doktor muss man auf eine University gehen. Für die Zulassung zu einem Bachelorstudiengang braucht man in der Regel die deutsche Hochschulreife, für einen Masterstudiengang reicht manchmal die Zwischenprüfung oder das Vordiplom, häufig aber ist das Diplom, ein Magister oder ein Staatsexamen erforderlich. Die privaten Hochschulen sind kaum reglementiert. Dementsprechend vielfältig fallen die Angebote und auch die Bezeichnungen der Studienfächer aus. Es empfiehlt sich, vorher die Lehrinhalte genau zu prüfen. Eine gute Übersicht über die Hochschulen bietet das jährliche Ranking von US News and World-Report.
Studiengebühren: Für Top-Universitäten liegen sie bei über 20.000 Dollar pro Jahr. Mit Unterbringung, Verpflegung und Versicherung kommen so bei einem einjährigen Aufenthalt gut 40.000 Dollar zusammen.
Lebenshaltungskosten:
Rund 20.000 Euro muss man für Unterbringung, Verpflegung und Versicherung aufbringen.

6. Frankreich: In Frankreich gibt es zwei Hochschultypen: Die klassischen Universitäten und die Eliteschulen, „Grandes Écoles“ genannt. Die Grandes Écoles sind echte Kaderschmieden: In der französischen Politik und in Führungspositionen in der Wirtschaft gibt es kaum einen, der sie nicht besucht hat. Die Voraussetzungen sind knallhart: Als Vorbereitung für die Aufnahmeprüfung drücken die Studenten erst einmal zwei Jahre die Schulbank. Wer die Aufnahme geschafft hat, dem ist ein Platz auf dem Arbeitsmarkt so gut wie sicher. Für ausländische Studenten ist es sehr schwierig, einen Studienplatz in diesen Schulen zu bekommen. Meist geht dies nur über ein Austauschprogramm mit der Heimatuniversität. Das Studium an den Universitäten gliedert sich in drei Abschnitte, cycles genannt, die je circa zwei Jahre dauern. Viele Unis bieten mittlerweile die „licence en 3 ans“ an, die dem Bachelor entspricht. Für den Master gibt es drei Varianten, versehen mit den Buchstaben Y, V und T. Die Unterschiede in den Varianten liegen darin, ob man sich bereits früh für eine wissenschaftliche Karriere entscheidet oder die Ausbildung praxisorientierter ist. Noch nicht ganz abgeschlossen ist die Unterteilung des Studienjahres in Semester. Wer nicht ein ganzes Jahr in Frankreich verbringen möchte, sollte sich deshalb vorab erkundigen, ob die gewünschten Fächer auch einsemestrig studiert werden können.
Studiengebühren: werden vom Bildungsministerium festgelegt und belaufen sich auf rund 200 Euro pro Jahr. Für das aktuelle Studienjahr hat die französische Studentenorganisation UNEF wieder einige schwarze Schafe unter den Hochschulen ausgemacht, die unter Namen wie „frais complémentaires“ (Zusatzkosten) oder „frais de dossiers“ (Unterlagenkosten) erhebliche Zusatzgebühren einstreichen - bis zu 4.500 Euro extra pro Jahr.
Lebenshaltungskosten: 750 Euro pro Monat (in Paris über 1.000 Euro pro Monat)

7. Schweden: In der schwedischen Hochschullandschaft gibt es drei Arten von Bildungseinrichtungen: die Universitet, die den deutschen Universitäten entsprechen; die Fackhögskolor, die sich auf bestimmte Fachrichtungen spezialisiert haben, wie zum Beispiel das Karolinska Institutet in Stockholm und die Högskolor, an denen nur unterrichtet wird. Auch in Schweden wird auf Bachelor und Master studiert, nur die Bezeichnungen erinnern eher an Bullerbü und Köttbular als an ein internationales Hochschulsystem: „Poäng“ ist ein Credit Point, „höchstermin“ das Herbstsemester. Schwedische Studenten müssen nur 20 Credit Points pro Semester sammeln. Es gibt aber auch Kurse in englischer Sprache, die extra für ausländische Studenten konzipiert wurden. Diese Kurse dauern je einen Monat und bringen je fünf Credit Points ein, so dass man auf seine erforderlichen 30 Punkte pro Semester kommt.
Wichtig zu wissen: Das Herbstsemester beginnt bereits Mitte August.
Studiengebühren: keine
Lebenshaltungskosten:
700 Euro pro Monat.

8. Australien: Auf Platz acht der be-liebtesten Ziele für ein Auslandsstudium steht der fünfte Kontinent. Auf diese Plazierung hat es ihn erst in den letzten Jahren katapultiert: 2006 waren fast 3.000 deutsche Studenten in Down Under, 15 Mal mehr als 1996. Ein Grund für die Beliebtheit: Ein Studium dort ist im Vergleich zu anderen englischsprachigen Ländern günstig. In sogenannten „Study abroad Programs“ hat man auch die Möglichkeit, ein paar Credit Points bei einem Kurzaufenthalt zu sammeln. Man kann in diesen Programmen seine Kurse ziemlich frei wählen - aus verschiedenen Fakultäten und Fachrichtungen. Achtung: Im australischen Hochsommer, von Dezember bis Februar, ist vorlesungsfreie Zeit. Das Wintersemester geht dann bis Ende Juni, das Sommersemester beginnt Mitte Juli. Viele Informationen bietet das Institut Ranke Heinemann, das den australischen und den neuseeländischen Hochschulverbund in Deutschland vertritt. Dort erhält man auch kostenlose Beratung.
Studiengebühren: 6.000 bis 12.000 Euro kostet ein Studienjahr. Lebenshaltungskosten: 600 bis 700 Euro

9. Kanada: Auch Kanada ist eine kostengünstige Alternative zu einem Studium in den USA oder Großbritannien. Es gibt 77 staatliche englischsprachige Hochschulen, 15 französischsprachige in Quebec, fünf zweisprachige Hochschulen und 200 Community Colleges, an denen ein berufsbegleitendes Studium absolviert werden kann. Die Hochschulen in Kanada sind autonom. Jede stellt also unterschiedliche Bedingungen an die Bewerber. Grundsätzlich ist aber die Hochschulreife und ein Toefl-Test erforderlich für die englischsprachigen Hochschulen, an den französischen Hochschulen gibt es keinen standardisierten Test. Die kanadische Variante der Hochschul-Rankings heißt Maclean's-Ranking. Das akademische Jahr ist je nach Hochschule in zwei Semesters oder drei Terms eingeteilt. Man kann also wahlweise im September, Januar oder Mai einsteigen. Im Mai beginnen vielerorts die sogenannten Summer Sessions - spezielle Programme von sechs- bis achtwöchiger Dauer. In Kanada zählen auch die Noten, mit denen man eine Veranstaltung abschließt. Es wird zum Beispiel festgelegt, dass es für eine Veranstaltung vier Credit Points gibt. Schließt man den Kurs mit der Bestnote „A“ ab, wird diese Zahl mal vier multipliziert, bei der Note B wird mit drei multipliziert und so weiter.
Studiengebühren: 1.300 bis 19.000 Euro kostet ein Studienjahr. Lebenshaltungskosten: 650 bis 1.000 Euro im Monat

10. Italien: Rund 70 Universitäten gibt es in Italien, studiert wird in den meisten Fächern in der Bachelor-Master-Struktur. Zulassungsvoraussetzung ist das Abitur, für ein Masterstudium ein hier abgeschlossenes Studium. Die meisten Hochschulen führen einen Sprachtest durch. Wer noch kein Italienisch kann, hat die Möglichkeit, sich in wenigen Wochen an einer der beiden Universitäten für Ausländer (Università per stranieri) in Siena und Perugia Grundkenntnisse anzueignen.
Studiengebühren: variieren je nach Hochschule und liegen bei circa 500 bis 700 Euro pro Studienjahr.
Lebenshaltungskosten: 700 Euro pro Monat

Text: Hochschulanzeiger Nr. 104, 2009, Seite 22
Bildmaterial: Jörg Mühle, Labor