21. Januar 2008
Regulierungsdruck, Konkurrenz und schwache Erträge setzen deutsche Banken und Versicherungen international unter Druck. So dürfte die Zahl der Arbeitsplätze unterm Strich auch 2008 weiter schrumpfen. Gefragt bleiben Talente für den Vertrieb und Spezialisten für IT und Vertragsrecht.
Die Krise rund um US-Immobilienkredite erreichte im Sommer die deutschen Banken: Der Mittelstandsfinanzier IKB und die Sächsische Landesbank Sachsen LB entkamen nur knapp der Pleite. Große Geschäftsbanken wie die Deutsche Bank und die Commerzbank mussten milliardenschwere Verluste eingestehen. Und Axel Weber, Chef der Deutschen Bundesbank, warnte gar vor globalen Verwerfungen im Finanzsystem, die der allgemeine Vertrauensverlust ins Kreditgeschäft hervorrufen könnte.
Die Wucht, mit der der schon so lang befürchtete Einbruch beim Handel mit Hypothekendarlehen aus den USA einschlug, erschreckte die hiesige Finanzbranche zwar. Einen echten Krisenschock dürfte sie aber nicht auslösen: Schwache Jahre ist man dort mittlerweile gewöhnt. In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Banken und Bankfilialen jeweils um die Hälfte zurückgegangen. Die Tendenz zeigt weiter nach unten, denn der deutsche Markt, auf dem öffentliche Sparkassen, Genossenschaften und private Geschäftsbanken um dieselben Kunden buhlen, gilt unter Experten wegen eben dieser Struktur als overbanked - also überversorgt. Bei der großen Zahl sehr kleiner Institute ist der Zwang zur Konsolidierung besonders hoch, heißt es beim Bundesverband deutscher Banken, dem Zusammenschluss der privaten Institute. So schrumpfte allein die Zahl der genossenschaftlichen Institute seit Anfang des Jahrtausends von über 2.000 auf heute nur noch 1.250.
Die strukturelle Krise hinterlässt auch auf dem Arbeitsmarkt Spuren: Zwischen Ende 1999 und Ende 2005 verloren nach Statistiken der Bundesbank bei deutschen Kreditinstituten 79.000 Mitarbeiter ihren Job. Jeder zehnte Beschäftigte musste seit Beginn des Jahrtausends gehen, geblieben sind 693.000 Arbeitsplätze. Der Abbau geht allerdings weiter. Was Banken und ihre Mitarbeiter vor eine völlig neue Situation stellt: In den Jahrzehnten zuvor war die Beschäftigtenzahl ununterbrochen gestiegen.
Auch bei den Assekuranzen taugt das Wort Arbeitsplatzsicherheit nur noch für Chroniken bis in die neunziger Jahre: Die Versicherungswirtschaft befindet sich bei der Beschäftigung nach wie vor in einer Phase der Konsolidierung, sagt Michael Gold, stellvertretender Geschäftsführer des Arbeitgeberverbands der Versicherungsunternehmen in Deutschland (AGV). Hier sank die Beschäftigtenzahl allein im Jahr 2006 um 3,3 Prozent auf unter 226.000. Für 2007 rechnet man trotz des gesamtwirtschaftlichen Aufschwungs noch einmal mit einem ähnlichen Rückgang, 2008 immerhin mit abgeschwächtem Arbeitsplatzabbau.
Auch Akademiker sind von der Konsolidierung betroffen: Zwar kommen ihre Arbeitsplätze weitaus seltener unter die Räder - aber eine breite Joboffensive ist im kommenden Jahr auch nicht zu erwarten: So plant etwa der Branchenprimus Deutsche Bank 1.000 Neueinstellungen weltweit, in Deutschland sind aber gerade mal 200 Stellen zu besetzen. Die Commerzbank will 250 Hochschulabsolventen einstellen, die Dresdner und die HypoVereinsbank jeweils 120. Bei den Landesbanken und Zentralinstituten der Genossenschaften - die keine großen Filialnetze unterhalten und daher besonders viele Akademiker in ihren Reihen haben - sind kaum einmal mehr als 100 Stellen frei. Die Versicherer wiederum haben zuletzt insgesamt 2.000 Hochschulabgänger neu eingestellt. Wir gehen davon aus, dass auch 2008 Akademiker gesucht werden. In welchem Umfang, lässt sich derzeit aber noch nicht abschätzen, sagt AGV-Experte Gold.
Studenten, die sich für die Finanzbranche interessieren, sind gut beraten, sich möglichst auf solche Fächer zu spezialisieren, bei denen der Bedarf trotz der Krise wachsen wird. Ein Blick in den Branchenkompass Kreditinstitute, den die Unternehmensberatung Steria Mummert Consulting gemeinsam mit dem F.A.Z.-Institut herausgibt, zeigt: Führungskräfte setzen derzeit auf bessere Kundenbetreuung und effizientere IT. Das schafft Berufschancen für Wirtschaftswissenschaftler mit Vertriebstalent, die sich im Privatkundengeschäft, in der Vermögensberatung oder beim Verkauf von Altersvorsorgeprodukten engagieren wollen. Verkäuferisches Talent, Kompetenz und Verständnis für das individuelle Kundenprofil sind die Schlüsselqualifikationen, ohne die in diesem Feld kein Banker mehr auskommt, beschreibt Kai Haake vom Verband deutscher Unternehmens- und Personalberater die Voraussetzungen für Jobs beim Kunden.
Auf der anderen Seite sind Betriebs- und Volkswirte mit einem Faible für IT gefragt - oder auch Informatiker und Ingenieure mit Bankkenntnissen: Sie können einerseits in neuen Verkaufskanälen wie etwa dem Mobile Banking arbeiten. Oder kümmern sich um die interne Bankensteuerung, Risikomanagement und Controlling. So wird etwa der Job des Risikomanagers für Banken immer wichtiger, da sie ständig auf neue Regulierungen und Gesetze reagieren müssen. So sind etwa Anfang 2007 große Teile des Basel II-Regelwerks in Kraft getreten, das Banken verpflichtet, Risiken durch Rücklage von Eigenkapital individuell abzusichern.
Auch in der Versicherungsbranche wird es bald neue Vorgaben für die Kalkulation von Geschäftsrisiken geben: Voraussichtlich ab dem Jahr 2010 gilt die EU-Richtlinie Solvency II, die sich an Basel II orientiert. Danach müssen Versicherer die Risiken bei der Anlage der Gelder, die ihre Kunden einzahlen, stärker durch Rücklagen absichern. Die Anforderungen an die Qualifikation von Versicherungsangestellten im Innen- und Außendienst steigen, sagt Michael Gold vom Arbeitgeberverband AGV. Dadurch nimmt die Zahl der Akademiker tendenziell sogar zu. In seiner Branche sind neben Wirtschaftswissenschaftlern und Informatikern vor allem auch Mathematiker für die Risikoberechnung und Juristen für das Vertragsrecht gefragt. Bewerben darf sich außerdem - genau wie bei den Banken - jeder, der gut und gern verkauft: Akademiker mit einer großen Affinität zum Vertrieb sind stets von besonderem Interesse für die Branche, sagt Gold, und zwar ganz unabhängig von ihrer fachlichen Ausrichtung.
Hier gibt´s Jobs für Hochschulabsolventen
BayernLB
Bedarf 2008: ca. 35 Hochschulabsolventen, rund 100 Praktikanten, Direkteinstieg je nach Bedarf Gesuchte Fachrichtungen: Wirtschaftswissenschaftliches Studium, Jura, Mathematik
Für welche Bereiche wird gesucht: Traineeprogramme als individuellen Berufseinstieg für Hochschulabsolventen (Zielposition wird in 15 Monaten gemeinsam entwickelt)
http://www.bayernlb.de/karriere
Commerzbank
Bedarf 2008: ca. 250 Hochschulabsolventen
Gesuchte Fachrichtungen: Wirtschaftswissenschaften, Mathematik, Jura
Für welche Bereiche wird gesucht: sieben Traineeprogramme in den Bereichen Private & Business Clients, Corporate Banking, Investment Banking, Special Banking, Finance & Controlling, Human Resources und Risk Management
http://www.wir-haben-viel-vor.de
Deutsche Bank
Bedarf 2008: ca. 1.000 Hochschulabsolventen (ein Fünftel davon in Deutschland)
Gesuchte Fachrichtungen: Wirtschaftswissenschaftler, andere Fachrichtungen mit Wirtschaftsbezug
Für welche Bereiche wird gesucht: Investmentbanking, Firmen- und Privatkundenbetreuung, Technology & Operations, interne Unternehmensberatung
http://www.db.com/careers
Dresdner Bank
Bedarf 2008: ca. 120 Hochschulabsolventen
Gesuchte Fächer: schwerpunktmäßig Wirtschaftswissenschaften (BWL/VWL), (Wirtschafts-)Mathematik, (Wirtschafts-)Ingenieurwesen, Rechtswissenschaften, Physik, (Wirtschafts-) Informatik
Für welche Bereiche wird gesucht: sechs Traineeprogramme in den Bereichen Private & Corporate Clients, Risk Management, Finanzen/Controlling, Audit, Banking Services und Group COO oder Direkteinstieg (training on the job) in einen Wunschbereich
http://www.dresdner-bank.job
DZ Bank
Bedarf 2008: ca. 70 Trainees und ca. 100 Praktikanten
Gesuchte Fachrichtungen: Wirtschaftswissenschaften, Mathematik, Rechtswissenschaften mit wirtschaftlicher/ bankfachlicher Ausrichtung
Für welche Bereiche wird gesucht: Traineeprogramme in diversen Fachbereichen
http://www.karriere.dzbank.de
http://www.dzbank.de
HVB
Bedarf 2008: ca. 120 Hochschulabsolventen
Gesuchte Fachrichtungen: BWL, VWL, Mathematik
Für welche Bereiche wird gesucht: in der Regel für Traineeprogramme
http://www.hypovereinsbank.de
Landesbank Baden-Württemberg
Bedarf 2008: ca. 120 Hochschulabsolventen
Gesuchte Fachrichtungen: Wirtschaftswissenschaften, (Wirtschafts-)Mathematiker, (Wirtschafts-)Informatiker
Für welche Bereiche wird gesucht: für Financial Markets, Retailbanking, Corporate-Center und Back Office
http://www.LBBW.de
Landesbank Berlin
Bedarf 2008: ca. 30 Trainees
Gesuchte Fachrichtungen: Wirtschaftswissenschaften, Wirtschaftsingenieur, Wirtschaftsinformatik, Informatik, Finanzmathematik
Für welche Bereiche wird gesucht: Referent im Kapitalmarkt-Geschäft, Referent für Finanzen und Controlling, Referent für Risikocontrolling, Referent für Infrastruktur und Qualitätssicherung in der Informationstechnologie
http://www.lbb.de
Postbank
Bedarf 2008: voraussichtlich 10 bis 20 Hochschulabsolventen
Gesuchte Fachrichtungen: Wirtschaftswissenschaftler, Wirtschaftsmathematiker, Informatiker
Für welche Bereiche wird gesucht: Spezialisten in Marketing, Vertrieb und Controlling
http://www.postbank.de/karriere