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| Als dem viertgrößten deutschen Industriezweig geht es der Ernährungsindustrie derzeit sehr gut, was in erster Linie an den Exporterfolgen liegt.
Dr.Sabine Eichner Lisboa, Geschäftsführerin der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) |
21. Januar 2008
19 Prozent - unter diesem Fanal stand im vergangenen Jahr die deutsche Ernährungswirtschaft. Die erhöhte Mehrwertsteuer führte zu erheblichem Kostendruck in der Branche. Die jedoch erweist sich - insbesondere durch den Exporterfolg - als so stark, dass sie 2007 gut überstand und 2008 noch mal kräftig zulegen will.
Im ersten Halbjahr 2007 erwirtschaftete die deutsche Ernährungsindustrie nach Angaben der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) 70,9 Milliarden Euro. Im Vergleich zu 2006, in dem insgesamt ein Umsatz von 138,2 Milliarden Euro erzielt wurde, ergibt das ein Wachstum von 5,2 Prozent. Die BVE geht davon aus, dass 2008 die 140-Milliarden-Grenze durchbrochen wird.
Hintergrund ist, dass die Effekte der erhöhten Mehrwertsteuer als überwunden gelten. Eine Marktstudie des Beratungsunternehmens Capgemini rechnet deshalb mit einem Stellenzuwachs zwischen 1 und 1,5 Prozent. Weil der private Konsum im Jahr 2008 wieder anziehen wird, entsteht auch eine erhöhte Personalnachfrage in den Unternehmen, sagt Christoph Knoke, bei Capgemini Berater für die Konsumgüterindustrie. Der War of Talents wird in der Ernährungswirtschaft noch einmal an Schärfe gewinnen.
Chancen für den akademischen Nachwuchs ergeben sich dabei nach Ansicht von BVE-Geschäftsführerin Sabine Eichner Lisboa vor allem im Export: Rund 23 Prozent ihres Umsatzes erwirtschaften deutsche Hersteller von Nahrungsmitteln im Ausland, was im Vergleich zu anderen Branchen noch wenig ist und unbedingt steigerungsfähig ist. Dass die Branche international expandiert, zeigt auch der Vergleich mit dem Jahr 2000, in dem der Exportanteil erst bei 18,3 Prozent lag. Im Jobjahr 2008 entstehen neue Chancen für akademische Nachwuchskräfte, die flexibel sind, um auf internationalen Märkten aktiv zu sein, und die auch entsprechende Sprachkenntnisse mitbringen, sagt Eichner Lisboa.
Seit Jahren liegt die Beschäftigtenzahl der deutschen Ernährungswirtschaft bei stabilen 520.000. Daran wird sich auch 2008 nicht viel ändern. Ich gehe jedoch davon aus, dass der Akademikeranteil wachsen wird, schätzt BVE-Geschäftsführerin Eichner Lisboa. Grund sind die steigenden Anforderungen an die Produkte und an das Marketing. Gerade im Vertrieb lasse sich in Zukunft gutes Geld verdienen.
Während in der Branche überwiegend Wirtschaftswissenschaftler eingestellt werden, haben es Ernährungswissenschaftler nach wie vor schwer: Besonders Ökotrophologen müssen sich immer noch durchbeißen und eine Art BWLer-Hürde bei den Personalern überwinden, weiß Maike Bruhn, Professorin für Agrar- und Ernährungsmarketing an der Universität Kiel. Das ist besonders bei den Großen der Branche der Fall, während die kleinen und mittelständischen Unternehmen offener für ernährungswissenschaftliche Absolventen sind.
Ein Berufsbild der Zukunft entsteht an der Schnittstelle zum Einzelhandel, ohne den die Ernährungsindustrie nicht betrachtet werden kann: Hier kümmern sich sogenannte Category-Manager in Zusammenarbeit mit den Handelsunternehmen um die Konzeption und Bereitstellung jener Fachsortimente, die der Markt verlangt. Nachwuchskräfte sollten Praxiserfahrung sowohl in der Ernährungswirtschaft als auch im Handel mitbringen, rät BVE-Geschäftsführerin Eichner Lisboa. Das schafft die besten Voraussetzungen für eine spätere Karriere.
Wer in der Ernährungswirtschaft einsteigen will, sollte wissen, dass die Masse der Jobs bei kleinen und mittelständischen Unternehmen vergeben wird. Zwar prägt eine Reihe von Big Playern das Gesicht der Branche in der Öffentlichkeit. Doch die große Breite der Unternehmen hat nur rund 200 Mitarbeiter und ist zudem in ländlichen Regionen angesiedelt, sagt BVE-Geschäftsführerin Sabine Eichner Lisboa. Diese kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) tun sich in der Regel schwer, ihre offenen Stellen an den akademischen Nachwuchs zu kommunizieren. Doch ist ein Internetportal geplant, über das Hochschulabsolventen und die Arbeitgeber der deutschen Ernährungswirtschaft zusammengebracht werden sollen.
Anders ist das beim Handel: Hier dominieren Global Player wie Edeka, Metro und Rewe. Durch die Branche weht ein heftiger Konsolidierungswind. Wal-Mart konnte sich auf dem deutschen Markt nicht behaupten und verkaufte im vergangenen Jahr seine 85 Filialen an die Metro-Gruppe. Vor zwei Monaten erst setzte sich Edeka gegen den Rivalen Rewe durch und gewann die Bieterschlacht um den Discounter Plus. Die Konsolidierung wird sich auch 2008 fortsetzen, prognostiziert Gerd Bovensiepen, Leiter des Competence Centers Retail & Consumer bei PricewaterhouseCoopers (PwC). Dabei ist die Auslandsexpansion ein beherrschendes Thema der Branche. Für junge Nachwuchskräfte, die bereit sind, ins Ausland zu gehen, biete diese Entwicklung auch hier interessante Perspektiven: Die Chancen auf Karrierewege im internationalen Retail sind derzeit hervorragend, sagt Gerd Bovensiepen. Das Beratungsunternehmen Capgemini rechnet für 2008 mit einem Stellenzuwachs im Handel von bis zu 0,5 Prozent. Hinzu kommt, dass der Akademikeranteil im Handel immer noch weit unter dem Durchschnitt liegt, weiß Christoph Knoke bei Capgemini. Für Hochschulabsolventen wird sich die Branche in diesem Jahr noch weiter öffnen.
Was bereits 2007 Handel und Hersteller von Nahrungsmitteln prägte, wird auch 2008 Auswirkungen zeigen: die immer knappere Verfügbarkeit der Rohstoffe und die dadurch steigenden Preise. Die Hersteller werden 2008 weiter versuchen, die Rohstoffpreiserhöhung an den Handel weiterzugeben, sagt PwC-Handelsexperte Bovensiepen. In dieser Hinsicht wird es ein sehr anspruchsvolles Jahr werden, das dem Nachwuchs aber auch neue Chancen eröffnet. Sowohl Handel als auch Industrie benötigten mehr Nachwuchskräfte, die sich beispielsweise um die Frage der Beschaffung, um das Controlling oder um neue Risikostrategien der Unternehmen kümmern.
Hier gibt's Jobs für Hochschulabsolventen
Aldi Süd
Bedarf 2008: ca. 100 bundesweit
Gesuchte Fachrichtungen: Wirtschaftswissenschaften, BWL, Wirtschaftsingenieure
Für welche Bereiche wird gesucht: Bereichsleiter für Filialorganisation
http://www.aldi-sued.de
Coca-Cola GmbH
Bedarf 2008: ca. 20 bis 25
Für welche Bereiche wird gesucht: Wirtschaftswissenschaften, Wirtschaftsingenieure, Ingenieurwesen der Fachrichtung Brauwesen und Getränketechnologie
Für welche Bereiche wird gesucht: für die Bereiche Marketing/Sales, Finance, Supply-Chain (Logistik/Produktion) und Human Resources
http://www.coca-cola-gmbh.de
Henkel KGaA
Bedarf 2008: ca. 100 Hochschulabsolventen
Gesuchte Fachrichtungen: Wirtschaftswissenschaftler, Chemiker, Ingenieure
Für welche Bereiche wird gesucht: Marketing/Sales, Finance/Controlling, Engineering and R & D http://www.henkel.de
Kraft Foods Deutschland GmbH
Bedarf 2008: noch nicht bekannt
Gesuchte Fachrichtungen: BWL/WiWi mit den Schwerpunkten Sales, Marketing, Finance, Logistik Für welche Bereiche wird gesucht: für alle Stellen innerhalb des Assistant-Development-Programms (training on the job)
http://www.kraftfoods.de
Lekkerland GmbH
Bedarf 2008: 5 bis 6
Gesuchte Fachrichtungen: Absolventen international ausgerichteter BWL mit den Schwerpunkten Handel, Marketing, Logistik oder Finance
Für welche Bereiche wird gesucht: für internationales Traineeprogramm, danach Übernahme der Absolventen für Spezialistenfunktion in Deutschland oder eine der Landesgesellschaften. Young Professionals mit Berufserfahrung steigen direkt in Positionen auf Officer- oder Consultant-Ebene beispielsweise in den Bereichen Sales, Sales Support, Logistik, Finance, Process Management ein.
http://www.lekkerland.de
METRO Group
Bedarf 2008: weltweit rund 250 Hochschulabsolventen
Gesuchte Fachrichtungen: Wirtschafts- und handelsnahe Studiengänge wie BWL, VWL, (Wirtschafts-)Informatik und Jura, aber auch Geisteswissenschaftler, Naturwissenschaftler, Ingenieure oder Absolventen anderer Fachrichtungen
Für welche Bereiche wird gesucht: Vertriebsspezialisten, Category-Manager, strategische Einkäufer (jeweils national und international)
http://www.metro.de
Nestlé Deutschland AG
Bedarf 2008: ca. 40
Gesuchte Fachrichtungen: BWL, Wirtschaftsingenieure
Für welche Bereiche wird gesucht: Traineeprogramme für die Bereiche Marketing & Sales, Supply-Chain, Controlling
http://www.nestle.de
Dr. August Oetker KG
Bedarf 2008: ca. 15 bis 20
Gesuchte Fachrichtungen: Wirtschaftswissenschaftliches Studium oder anderes Studium mit Wirtschaftsorientierung, Lebensmitteltechnologie, Informatik
Für welche Bereiche wird gesucht: Einstellungsschwerpunkt ist ein internationales Traineeprogramm, das als 18-monatige Jobrotation inklusive eines Auslandseinsatzes von einem halben Jahr angelegt ist und für die Bereiche Absatz/ Marketing, Absatz/Vertrieb, Forschung und Entwicklung, Logistik, Personal, Controlling und Einkauf angeboten wird
http://www.oetker.de
Procter & Gamble GmbH
Bedarf 2008: 120 bis 150 Hochschulabsolventen und ca. 120 Praktikanten
Gesuchte Fachrichtungen: alle, insbesondere Wirtschaftswissenschaften, Ingenieurwissenschaften und Naturwissenschaften
Für welche Bereiche wird gesucht: im Bereich Marketing Assistant Brand Manager, im Bereich Customer Business Development (Verkauf) Key-Account-Manager, im Bereich Logistik Logistikexperten für die Materialbeschaffung
http://www.pgcareers.com/ger
Tengelmann Gruppe
Bedarf 2008: 145 Trainees und Direkteinsteiger
Gesuchte Fachrichtungen: Wirtschaftswissenschaften, Betriebswirtschaft, Wirtschaftsjuristen
Für welche Bereiche wird gesucht:
1. Trainee Vertrieb bzw. Category-Management: 15-monatiges Traineeprogramm mit verschiedenen Stationen und dem Ziel, anschließend eine Führungsposition in dem jeweiligen Bereich zu übernehmen
2. Führungsnachwuchs für die Marktleitung speziell bei OBI (ca. 12-monatiges Einarbeitungsprogramm)
3. Controller (Direkteinstieg oder Trainee): unter anderem Mitwirkung bei Planungsprozessen und Erstellung von Wirtschaftlichkeitsrechnungen
http://www.tengelmann.de