21. Januar 2008
Die Medienwirtschaft erholt sich. Die Zahl arbeitslos gemeldeter Journalisten sank in den letzten Jahren deutlich. Printmedien, TV und Rundfunk erzielen dank steigender Werbeeinnahmen wieder Gewinne. Doch trotz aller positiven Vorzeichen bleibt die Branche ein hartes Pflaster für Berufseinsteiger. Die Konkurrenz um Stellen ist groß. Für viele Absolventen bleibt nur der Weg in den Freiberuf.
Der Run auf Medienberufe ist ungebrochen. Bei der Hochschule der Medien Stuttgart meldeten sich im letzten Sommer 4.556 Interessenten für 479 Studienplätze. Die Fachhochschule Köln sah sich gezwungen, einen Numerus clausus von 2,0 für ihren Studiengang Online Redakteur anzusetzen. Richtig eng wird es an den renommierten Journalistenschulen. Um 20 Plätze der Hamburger Henry-Nannen-Schule wetteifern regelmäßig 1.500 Bewerber, die Deutsche Journalistenschule in München verzeichnet 2.000 Anfragen für 45 Plätze pro Jahrgang.
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| Die Situation für Volontäre und Berufseinsteiger in der Medienbranche bleibt nach wie vor angespannt. Nicole von Stockert, zuständig für das Thema junge Journalisten und Ausbildung im Deutschen Journalistenverband (djv)
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Wer es nicht durch die strengen Zulassungsverfahren schafft, hat vielfältige Alternativen. Der wichtigste Ausbildungsweg für Journalisten sind Volontariate oder eine freie Mitarbeit neben dem Studium. Zudem gibt es immer mehr Aufbaustudiengänge und eine ganze Reihe regulärer Studiengänge, die Nachwuchs für die Medienbranche ausbilden. Ein Blick in die Zeitreihen des Statistischen Bundesamtes zeigt, dass in den letzten zwei Jahren jeweils über 7.000 Erstsemester in die wichtigsten Medienfächer strömten. Anfang des Jahrzehnts bewegte sich die Zahl der Neueinschreibungen zwischen 5.000 und 6.000.
Renner an den Unis ist wider Erwarten nicht die Journalistik. Medieninformatik, Kommunikations- und Informationswissenschaften sowie Neue Medien, Computer- und Kommunikationstechniken oder die kreativen Fächer Grafikdesign und Kommunikationsgestaltung sind deutlich beliebter. Die Studierenden reagieren auf die Digitalisierung der Medien und liegen damit sicher nicht falsch. Denn kaum eine der 352 Tageszeitungen, der 34 Wochen- und Sonntagszeitungen oder der 6.000 Publikums- und Fachzeitschriften im Lande kommt ohne eigenen Internetauftritt aus. Und auch die Vielfalt der 190 Fernseh- und 311 Radiosender, welche die letzte Erhebung der Potsdamer Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich zu Tage förderte, hängt unmittelbar mit Digitalisierung zusammen. Viele Sender besetzen fachliche und regionale Nischen und sind nur über Satellit oder das Internet zu empfangen.
Auch Verlage setzen zunehmend auf elektronische Publikationsformen. Laut Arbeitskreis Elektronisches Publizieren im Börsenverein des Deutschen Buchhandels leidet der stark wachsende Bereich unter akutem Fachkräftemangel. In jedem zweiten Verlagshaus fehlen qualifizierte Mitarbeiter, stellt der Sprecher des Arbeitskreises Arnoud de Kemp fest. Die Verlagshäuser seien auf externe Fachleute angewiesen, um neue Wege zu beschreiten. Jeder zweite Verlag sieht laut einer Umfrage des Arbeitskreises die Notwendigkeit, Blogs, RSS-Feeds oder Podcasts in sein Online-Angebot zu integrieren. Für die meisten Neuland, zumal die Verlage plötzlich vor der Frage stehen, ob sie auf ihren Webseiten Werbung wollen, und es mit branchenfremder Konkurrenz zu tun bekommen.
Der digitale Umbruch verunsichert. Aber er spült auch frische Werbegelder in die Medienwirtschaft. Mit Wachstumsraten im zweistelligen Bereich (49 Prozent 2006) ist sie ein wichtiger Treiber der Branche. Freilich auf niedrigem Niveau. Zwar überstiegen die Werbeeinnahmen im Internet 2006 erstmals jene des Rundfunks. Doch gegenüber 4,5 Milliarden Euro Werbeeinnahmen von Tageszeitungen nahmen sich die 260 Millionen Euro der Online-Anbieter bescheiden aus. Und nichts deutet darauf hin, dass das Internet die herkömmlichen Medien verdrängen wird. Laut einer aktuellen Umfrage der TNS Emnid Medienforschung wollen drei Viertel aller Deutschen gedruckte Informationen nicht missen. Die Umfrage deutet eher auf eine Auffächerung des Informationsverhaltens hin als auf die Verdrängung bestimmter Medien.
Was bedeutet das alles für Einsteiger in der Medienbranche? Die Antwort kennen selbst Verantwortliche in Medienhäusern und Verbänden nicht so genau. Zwar legen die Werbeeinnahmen seit 2005 erfreulich zu und bescherten laut Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) allen Mediengattungen wieder Gewinne. Doch auch nach drei Wachstumsjahren traut der ZAW der Lage nicht. Noch liege der Anteil des Werbemarkts am Wirtschaftsgeschehen deutlich unter 80er-Jahre-Niveau, er bleibe auch im Vergleich mit anderen EU-Ländern weit zurück, und letztlich sei der Aufschwung der Werbewirtschaft - und damit auch jener der Medien - von der robusten Konjunktur der deutschen Wirtschaft geprägt. Sollte sie etwa durch politische Weltereignisse kippen, kann auch der Werbemarkt sofort wieder einbrechen, warnt der Verband.
Die Unsicherheit spiegelt sich in der Personalpolitik der Medienhäuser wider. In den Krisenjahren 2001 bis 2003 haben sie Redaktionen ausgedünnt und tun vorerst wenig, die entstandenen Lücken zu schließen. Stattdessen arbeiten sie verstärkt mit freien Journalisten zusammen. Den verbliebenen Redakteuren fällt es zu, die Texte und Beiträge der freien Kollegen zur prüfen und zu redigieren sowie die Formate und Ausgaben zu managen. Deren Umfang schwankt ständig. Alles hängt davon ab, wie viele Anzeigen oder Werbespots geschaltet sind; Arbeiten von der Hand in den Mund, das die Verunsicherung nicht gerade mindert.
Wie viele Mitarbeiter daran genau beteiligt sind, weiß kein Mensch. Laut einer repräsentativen Studie der Unis Hamburg und Münster arbeiten rund 48.000 hauptberufliche Journalisten in Deutschland. Dagegen geht der Deutsche Journalistenverband (djv) von rund 73.000 Beschäftigten allein im Pressebereich aus, davon 25.000 Freiberufler, möglicherweise auch 40.000. Klar ist nur, dass das Heer der Freien seit Jahren wächst. Die Entwicklung lässt sich an der Statistik der Künstlersozialkasse (KSK) ablesen. Als Abteilung der Unfallkasse des Bundes gewährt sie Künstlern, aber auch selbständigen Journalisten, Publizisten und Schriftstellern Renten-, Kranken- und Pflegeversicherungsschutz und schießt dabei den Arbeitgeberanteil zu. Anfang der 90er Jahre nahmen 12.000 Versicherte aus der Gruppe Wort das Angebot wahr, im Jahr 2000 waren es über 25.000 und im Juli 2007 über 38.000.
Allerdings sank die Zahl der versicherten Wortarbeiter 2007 erstmals seit den 90er Jahren. Das ist insofern erstaunlich, als in den letzten zwei Jahren mehr Absolventen aus Medienfächern in den Markt drängten als in den Vorjahren. Anfang des Jahrzehnts waren es nach Angabe des Statistischen Bundesamtes rund 3.200 jährlich, letztes Jahr über 6.500. Der Trend der KSK-Statistik wird von aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) bestätigt. Seit dem Krisenjahr 2003 sank die Zahl arbeitsloser Journalisten von 7.200 auf 4.000. Unter den Arbeitslosen sind wenige Jungjournalisten. Knapp zwei Drittel sind zwischen 30 und 49 Jahre alt und ein weiteres Viertel über 50. Junge Journalisten finden also relativ leicht eine Stelle, resümiert die BA. Auch die Zahl der Stellenangebote stieg. Im Jahr 2006 waren es 1.600, knapp 200 mehr als im Vorjahr. Der Personaldienstleister Adecco verzeichnete sogar ein Fünftel mehr Stellenanzeigen für Journalisten als im Vorjahr und meldet für das erste Halbjahr 2007 einen weiteren Anstieg um 4,6 Prozent.
Hier gibt's Jobs für Hochschulabsolventen
Axel Springer
Bedarf 2008: ca. 80 Hochschulabsolventen (jeweils 50 Prozent für kaufmännischen und journalistischen Bereich)
Gesuchte Fachrichtungen: grundsätzlich alle, im kaufmännischen Bereich v. a. Wirtschaftswissenschaftler und Medienwirtschaftler, im journalistischen Bereich Wirtschaftswissenschaften, Naturwissenschaften, Medizin und Jura besonders
Für welche Bereiche wird gesucht: Verlagsgeschäftsführungen, Marketing, Controlling, Logistik, Vertrieb, Unternehmenskommunikation, Anzeigenbereiche, elektronische Medien, im journalistischen Bereich: alle Objekte des Hauses
http://www.axelspringer.de
Bertelsmann
Bedarf 2008: ca. 500 Hochschulabsolventen
Gesuchte Fachrichtungen: keine Einschränkungen, unternehmerische Grundeinstellung und Interesse an Medien vorausgesetzt
Für welche Bereiche wird gesucht: verschiedene Bereiche, vielfältige Aufgabenstellungen durch dezentral organisierte Konzernstruktur
http://www.myfuture.bertelsmann.de
ProSiebenSat.1 Media
Bedarf 2008: 20 - 50 Hochschulabsolventen
Gesuchte Fachrichtungen: (Neue) Medien, BWL, Journalismus
Für welche Bereiche wird gesucht: Redaktion, Diversifikation (Online, Mobile, Gaming), kaufmännische Bereiche
http://www.prosiebensat1.com