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| Jens Plinke, verantwortlich für den Bereich "Candidates Attraction & Care" bei der Kölner Access AG |
18. Oktober 2004
In Sachen Soft Skills sind angehende Ingenieure oft überfordert, finden Personaler. Mit veränderten Lehr- und Lernformen wollen die Universitäten hier zukünftig nachhelfen. Jens Plinke verantwortet den Bereich "Candidates Attraction & Care" der Access AG in Köln. Er sagt, wie Nachwuchskräfte schon während ihres Studiums ihre Teamfähigkeit verbessern und ihre Trittfestigkeit auf internationalem Parkett schulen können.
? Herr Plinke, als Forscher und Entwickler seien Nachwuchs-Ingenieure top ausgebildet, bei der Kooperation in internationalen Teams, beim Projektmanagement oder in Verhandlungen aber überfordert, monieren Personaler. Teilen Sie diese Einschätzung?
: Das stimmt zum Teil. Aber es stimmt nicht für die besten 20 Prozent der Absolventen von Ingenieurstudiengängen. Diese haben - das ist mittlerweile Standard - sehr gute interkulturelle Kompetenzen während ihrer Auslandspraktika erworben, nicht zuletzt aber auch bei ihren Auslandssemestern. Denn die Universitäten in anderen europäischen Ländern oder in den USA arbeiten viel stärker "Case"-basiert als das in Deutschland der Fall ist. Vor allem bei der gemeinsamen Arbeit an konkreten Praxisfällen in kleinen Gruppen verbessern die Studierenden ihre Teamfähigkeit merklich. Mittlerweile sehen wir auch in Deutschland den Trend, daß zunehmend mehr FHs auf Gruppenarbeit setzen. Wer an einer Universität studiert, die häufig aufgrund der großen Studentenzahlen keine Fallstudien oder Kleingruppenarbeit anbieten kann, sollte sein Teamverhalten und seine kommunikativen Kompetenzen aus eigenem Antrieb verbessern.
? Was können angehende Ingenieure konkret dafür tun?
: Ich kann nur jeden dazu ermuntern, Verantwortung in universitären Organisationen zu übernehmen, sei es bei Bonding, AIESEC oder anderen. Oder in außeruniversitären Institutionen wie politischen Parteien, Vereinen, Kirchen, Jugend- oder Hilfsorganisationen. Das ist Projekt- und Konfliktmanagement live. Wer hier mitarbeitet, macht in zwei bis drei Jahren ganz große Sprünge, vor allem auch, was das Auftreten vor Kooperationspartnern und Kunden angeht. Diese Erfahrung kann einem keiner nehmen. Die Persönlichkeit reift, und außerdem bekommt man selbst ein klareres Bild von sich selbst: Was kann ich am besten? Wo will ich beruflich hin? Sehr sinnvoll ist es auch, sich neben den Pflichtpraktika weitere Praktika oder Tätigkeiten als Werkstudent zu suchen. Je weiter man sich fachlich und persönlich entwickelt hat, desto schneller kann man Verantwortung für Teilaufgaben übernehmen oder an Projektmeetings teilnehmen - schon vor dem Diplom. Für angehende Ingenieure sind Praktika kein notwendiges Übel, sondern eine riesige Chance.
? Bis 2010 sollen alle Studiengänge in Europa auf das Bachelor- und Mastersystem umgestellt werden und auch die Vermittlung von "Schlüsselqualifikationen" abdekken. Sind die Universitäten Ihrer Einschätzung nach überhaupt der richtige Ort, um Soft Skills zu vermitteln?
: Sie zielen auf die Praxisferne der Universitäten - die aber ist meiner Einschätzung nach schon lange nicht mehr gegeben. Gerade die Ingenieur-Hochschulen unterhalten ein hohes Maß an Industriekooperationen; viele Forschungsvorhaben werden durch die Industrie finanziert. Durch die enge Zusammenarbeit mit Unternehmen und fallbasierte Lehr- und Lernformen schulen angehende Ingenieure ihre Soft Skills quasi nebenbei. Daß "Schlüsselqualifikationen" außerdem zu einem verpflichtenden Angebot werden sollen, ist begrüßenswert. Eigeninitiative wird aber weiterhin gefragt sein: Bei (Studenten-) Organisationen und in Praktika lernen Studierende aus Erfahrung - und aus ihren Fehlern. Das ist immer wirkungsvoller als ein Off-the-job-Training.
? Stellen die Unternehmen angesichts des derzeitigen Ingenieurmangels auch Bewerber ein, deren Soft Skills wenig überzeugen?
: "Ingenieurmangel" ist ein strapazierter Begriff - ich sehe die Lage nicht so dramatisch. Bei den Klagen der Branche über Ingenieurmangel handelt es sich meiner Einschätzung nach um "Jammern auf hohem Niveau". Die Zahl der Neueinschreibungen steigt seit 1997 kontinuierlich, und seit diesem Jahr haben wir in den Bereichen Elektrotechnik und Maschinenbau auch erstmalig wieder eine gestiegene Anzahl von Ingenieurabsolventen mit jeweils ca. 7.000 Absolventen. Auf der anderen Seite bewegen wir uns de facto nach wie vor deutlich unter den Spitzenniveaus von 1995/1996 von jeweils ca. 12.000 Ingenieur-Absolventen in den genannten Fachrichtungen. Dennoch sind die Unternehmen in der aktuellen Wirtschaftslage und der damit stellenweise noch recht zurückhaltenden Einstellungspolitik nicht gezwungen, Kandidaten zweiter Wahl einzustellen. Vor allem die Top-Unternehmen sind weit davon entfernt. Kritischer wird es sicherlich, wenn der Markt wieder anzieht und die Einstellungszahlen wieder signifikant steigen. Hiermit rechnen wir durchaus zum Jahreswechsel. Abgesehen davon gehört Personalentwicklung heute zum Standard - diese zielt unter anderem auf die Weiterentwicklung von Soft Skills und wird individuell zugeschnitten, je nachdem, ob jemand Wirtschaftsingenieur oder Konstrukteur ist, ob er im nationalen Einkauf arbeitet oder in einem internationalen Forschungsteam.
? Wie können Bewerber ihre Soft Skills im Bewerbungsprozeß ins rechte Licht rücken und sich damit von ihren Mitbewerbern abheben?
: Es kommt darauf an, den Bogen zu konkreten Erfahrungen in der Praxis zu schlagen. Etwa so: "Meine Fähigkeiten im Projektmanagement konnte ich bei der Organisation von Jugendfreizeiten unter Beweis stellen." Daß diese Tätigkeiten mit Zeugnissen belegt werden müssen, versteht sich von selbst. Von der sogenannten "dritten Seite", auf der Bewerber darstellen, "was Sie sonst noch über mich wissen sollten", halte ich nichts. Das sind austauschbare, leere Worthülsen. Die Personaler wollen konkret wissen, worin Ihre Erfahrungen bestehen: Haben Sie Verantwortung übernommen? Budgets verwaltet? Gruppen geleitet? Wer so etwas gemacht hat, für den ist es kein Thema, vor einer Gruppe frei zu sprechen, seinen Standpunkt zu verteidigen und seine Meinung auch einmal durchzusetzen.