16. Dezember 2009

So kommen Gründer ans Geld

Alles auf Pump

Von Gunda Achterhold




16. Mai 2007 
Wenn es um die Anschubfinanzierung geht, steht die staatliche Förderbank KfW an erster Stelle. Risikokapitalgeber steigen erst ein, wenn der Laden bereits läuft. Doch in jedem Fall gilt: Je besser die Idee und je handfester die Argumente, umso größer der Geldsegen.

Existenzgründer in Deutschland versuchen es meistens aus eigener Kraft. Mehr als drei Viertel aller Gründer mit Finanzierungsbedarf finanzieren den Schritt in die Selbständigkeit mit eigenen Mitteln. Dort, wo Hilfe von außen nötig ist, geht der Trend zu kleinteiliger Finanzierung. Vor allem Kredite von weniger als 25.000 Euro sind gefragt. Nur 13 Prozent der Gründer brauchen mehr, stellt der aktuelle KfW-Gründungsmonitor für das Jahr 2005 fest. Das ist ein Problem. Denn an kleinen Kreditsummen haben Geldinstitute häufig wenig Interesse. In diese Bresche springen die Programme der staatlichen Förderbank KfW, die auf Existenzgründer mit kleinem Finanzierungsbedarf zugeschnitten sind. Für Kleinstkredite ist das „Mikrodarlehen 10“ mit einem Betrag bis zu 10.000 Euro vorgesehen. Das „Mikrodarlehen“ deckt den Bereich bis zu 25.000 Euro ab, mit dem „Startgeld“ bekommen Gründer bis zu 50.000 Euro Kredit von der KfW. Wer sich für die staatliche Förderung interessiert, muss allerdings häufig selbst die Initiative ergreifen. Vertrieben werden die KfW-Produkte über Banken und Sparkassen - und die verkaufen lieber ihre eigenen Angebote.

Jedes Geldinstitut hat eine spezielle Abteilung, die sich ausschließlich mit den Fördermitteln der KfW und den Landesförderanstalten (LfA) auseinandersetzt. Interessierte Gründer geben ihre Anfrage deshalb am besten direkt ins Haus und lassen ihren „Fall“ von einem der Fachberater prüfen. Für das Gespräch mit dem Kundenberater der Bank sollte man wissen: Das Risiko, das die Hausbank trägt, ist im Verhältnis zum Provisionsertrag gering. Die KfW übernimmt bei diesen Förderangeboten 80 Prozent des Ausfallrisikos. Doch nicht für jeden sind die KfW-Produkte das Nonplusultra. Als Inhaber einer GmbH & Co. KG wurde Robert Reiser abgelehnt. „Diese Rechtsform fördert die KfW nicht“, sagt der Chemiker aus dem bayerischen Burghausen. Ohnehin fand er die Angebote der LfA für sich attraktiver. Reiser hat sich für einen Mix entschieden. Nachdem er die Gründungsphase mit Eigenmitteln und einem ganz normalen Kontokorrent bei der örtlichen Kreissparkasse bestritten hatte, brauchte er für den Ausbau seiner Firma LambdaChem möglichst kurzfristig eine höhere Kreditlinie. In dem 2002 gegründeten Unternehmen, das neue Fluoreszenz-Farbstoffe entwickelt und vertreibt, stehen hohe Investitionen an: zwei zusätzliche Labore, eine Rektoranlage, neue IT und Analytik. Einen Teil der Kosten deckt der Unternehmer über die Altöttinger Unternehmensbeteiligungsgesellschaft ab, ein zusätzlicher „Investivkredit 50“ der LfA verdoppelt die Summe auf 400.000 Euro. Den Rest finanziert er über Leasing. „Ich bin auch von einem Investor angesprochen worden, der mit 100.000 mitgegangen wäre“, so Reiser. „Aber eine Verzinsung über 10 Prozent rechnet sich nicht.“ Eine Beteiligung über Private Equity war für ihn von Anfang an kein Thema. „Wir präparieren hier eine ganz neue Produktsparte“, erklärt der Firmengründer. „Es braucht Zeit, so etwas auszutüfteln. Mit einem Investor, der möglichst bald auf den Markt will, ist man schnell über Kreuz.“

In der unmittelbaren Gründungsphase ist die Chance auf Venture-Capital gleich Null“, stellt der Wiesbadener Marketingprofessor Stefan Jugel fest. „Private Investoren finanzieren dann, wenn ein Geschäftsmodell bewiesen hat, dass es funktioniert“, so der Gründungsexperte. Was kennzeichnet Start-ups, deren Projekte von Risikokapitalgebern tatsächlich weiterverfolgt worden sind? An erster Stelle steht laut Jugel ein klar nachvollziehbarer Kundennutzen. „Das Team muss eine hohe Fach- und Managementkompetenz besitzen.“ Ein deutliches Alleinstellungsmerkmal mit entsprechender Verteidigungsfähigkeit auf dem Markt und ein mittelfristig realistischer Break-even gehören ebenso dazu. Gravierendster Fehler bei den Beteiligungsanfragen an den Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften - German Private Equity and Venture Capital Association e.V. (BVK): „Ein Produkt oder eine Dienstleistung existiert bereits in eindrucksvoller Präsenz.“ Der Erfolg einer Kapitalsuche hängt stark von der Branche ab. Großer Beliebtheit erfreuen sich die Sparten Medizintechnik, Life Sciences und neuerdings auch Umwelttechnik. „Wer sich in diesen Bereichen selbständig macht, kann mit Glück sogar schon in der sogenannten Seed-Phase einen Business-Angel für eine Beteiligung gewinnen“, so Jugel. „Es kommt darauf an, dem Investor bereits in einem frühen Stadium die Funktionsfähigkeit des Geschäftsmodells zu beweisen, um ihm eine gewisse Sicherheit zu geben.“

Während Wagnisinvestoren in erster Linie an einer angemessenen Rendite interessiert sind, bringen die „Engel“ der Wirtschaft neben Kapital auch Know-how mit ins junge Unternehmen. „Unser Business-Angel will etwas schaffen, aufbauen und fördern“, sagt Claudia Neumann, Geschäftsführerin der Securepoint GmbH in Lüneburg. „Er ist für uns Mentor, Manager und Mitarbeiter.“ Der Kontakt mit dem Braunschweiger Unternehmer Eckard Wohlgehagen kam auf einem Matching-Abend von BANSON zustande, dem niedersächsischen Ableger des Business Angels Netzwerk Deutschland (BAND). „Dort hatten wir die Gelegenheit, unsere Firma vor Investoren und Business-Angels zu präsentieren“, erzählt Neumann. Das Konzept des seit 2000 im IT-Sicherheitsbereich tätigen Unternehmens überzeugte den engagierten Geschäftsmann spontan. Wohlgehagen, vom BAND zum „Business-Angel des Jahres 2006“ gekürt, unterstützt eine ganze Reihe von Gründerteams. Noch am selben Abend ging er auf die beiden Geschäftsführer zu und machte den Deal perfekt. „Das hat sofort gepasst“, erinnert sich die Lüneburger Jungunternehmerin. Nachdem die Gründungsphase über Eigenmittel finanziert worden war, brauchte die Firma zusätzliches Kapital, um ins Produktmarketing und den Aufbau weiterer Vertriebskanäle zu investieren. Venture-Capital kam für die Gründungsinhaber nicht in Frage. „Man gibt die Mehrheit aus der Hand und wird fremdbestimmt, das entsprach nicht unserer Strategie.“ Die Zusammenarbeit mit Wohlgehagen, dem langjährigen Vorstandsmitglied einer Unternehmensberatung, verlief dagegen reibungslos. Finanziell beteiligte sich der Geschäftsmann über ein zinsgünstiges Gesellschafterdarlehen. Als Mentor brachte er seine unternehmerische Erfahrung ein. Für Securepoint-Chefin Neumann eine geniale Kombination: „Ohne diese Unterstützung hätten wir es nicht so schnell geschafft, breiter in den Markt zu gehen und neue Kanäle aufzutun.“

INFOS IM INTERNET:

http://www.kfw-mittelstandsbank.de KfW-Gründungsmonitor 2006

http://www.business-angels.de
Business Angels Netzwerk Deutschland (BAND)

http://www.bvk-ev.de
Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften - German Private Equity and Venture Capital Association e.V.

http://www.existenzgruender.de
GründerZeiten - Informationen zur Existenzgründung und -sicherung. Zum Download: - GründerZeiten Nr. 25 09/2005: Thema „Kostenrechnung“ - GründerZeiten Nr. 34 06/2006: „Steuern - Ein weites Feld!“

WIE MAN DIE RICHTIGE BANK FINDET

Der erste Weg führt zur Hausbank, die einen (eventuell auch die Eltern) schon kennt. Persönlicher Kontakt erhöht das Vertrauen. Zudem ist örtliche Nähe gerade in der Anfangsphase, die mit viel Lauferei verbunden ist, von Vorteil.

Es ist empfehlenswert, mehrere Angebote einzuholen, aber ohne Adressen zu verbrennen: Oft reicht ein Anruf, um zu sondieren, ob das Geschäftsmodell ins Portfolio der Bank passt. Ein ergebnisloses Gespräch läuft nicht selten unter „Kredit abgelehnt“ - und erschwert einen möglichen zweiten Anlauf.

Bei einer Absage sollte man noch einmal das Gespräch suchen und sich die konkreten Ablehnungsgründe nennen lassen - das schult für den nächsten Versuch.

WAS WILL DIE BANK SEHEN?

- Lebenslauf mit beruflichem Werdegang
- Arbeits- und Prüfungszeugnisse
- Unternehmenskonzept in Kurzfassung
- Kapitalbedarfsplan
- Umsatz- und Ausgabenplan (möglichst mit Kostenvoranschlägen)
- Rentabilitätsvorschau
- Liquiditätsplan
- Nachweis über vorhandenes Eigenkapital (auch Sachmittel)
- Liste über Sicherheiten, z. B. Bürgschaft oder Grundbuchauszüge
- Verträge (Miete, Pacht, Leasing, Franchising etc.)
- gegebenenfalls Referenzen oder Interessenserklärungen potentieller Kunden sowie Nachweise über zusätzliche Qualifizierungsmaßnahmen (zum Beispiel Vertriebstraining, Existenzgründungsberatung)

Text: Hochschulanzeiger Nr. 90, 2007
Bildmaterial: Jörg Mühle, Labor