07. Juli 2008

Die Branche hat viel vor

Energiebranche

Von Peter Trechow




21. Januar 2008 
In den nächsten Jahren kommt auf die Unternehmen der Energiebranche einiges zu. Sie müssen im Bereich der erneuerbaren Energien Kapazitäten fürs globale Geschäft aufbauen, neue Kraftwerke errichten, einen Generationswechsel vollziehen, sich auf den Atomausstieg vorbereiten und zugleich Strategien für mehr Klimaschutz entwickeln. Kein Wunder, dass der Bedarf an Ingenieuren, Natur- und Wirtschaftswissenschaftlern riesig ist.

Um die Folgen des Klimawandels in erträglichem Rahmen zu halten, muss der globale Ausstoß von Klimagasen bis 2050 um die Hälfte sinken. Dies erklärte kein Geringerer als der Vorstandsvorsitzende der EnBW AG, Hans-Peter Villis, im vergangenen Oktober bei der Eröffnung des 2. EnBW-Klimakongresses. Und er machte auch gleich klar, wie der Konzern dazu beitragen wird: EnBW wird sich sowohl in dezentraler Strom- und Wärmeerzeugung als auch im Bereich der erneuerbaren Energien stärker engagieren als bisher.

Die Branche hat einen hohen Bedarf an gut ausgebildeten Hochschulabsolventen. Werner Brinken, Präsident des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW)

Das Zitat macht deutlich: Der Klimawandel ist 2007 endgültig in den Köpfen führender Energiemanager angekommen und wird die Branche in den kommenden Jahren prägen. Konzerne wie EnBW, RWE, Eon oder Vattenfall kündigen an, ihre Schlagzahl beim Ausbau der erneuerbaren Energien zu erhöhen. Zudem treiben sie die Entwicklung effizienter und damit klimaschonender Kraftwerksprozesse und die Projektierung und den Bau von Neuanlagen voran. Allein die vier großen Stromkonzerne werden 2008 über 800 junge Akademiker einstellen. Die hohe Zahl kommt auch dadurch zustande, dass eine Pensionierungswelle anrollt. Um dabei nicht zu viel Know-how einzubüßen, integrieren die Unternehmen frühzeitig Jungingenieure in den Betrieb ihrer Anlagen und Netze.

Ein weiteres großes Rekrutierungsfeld ist die Kernenergie; trotz des vereinbarten Atomausstieges. Die Konzerne sehen angesichts eines internationalen Kernkraftbooms weiterhin großes Potential in der Technologie und wollen zumindest die bestehenden Anlagen so lange wie möglich am Netz lassen. Selbst wenn es beim Ausstieg bleibt, gehen die letzten Meiler erst in 20 Jahren vom Netz und müssen dann rückgebaut werden. Noch gelingt es den Kraftwerksbetreibern und Dienstleistern, genügend Ingenieure, Physiker und Chemiker für die anfallenden Aufgaben zu rekrutieren. Doch der Nachwuchs wird immer knapper, und es fällt zunehmend schwerer, Absolventen von einer Zukunft in der Kernenergie zu überzeugen. Angesichts der Aufbruchstimmung in der Energiebranche scheint der Ausstiegsbeschluss das Interesse der Studierenden zu lähmen. Laut Statistischem Bundesamt waren in Kerntechnik/Kernverfahrenstechnik zuletzt (WS 06/07) bundesweit 18 Studierende eingeschrieben, in den Jahren davor waren es oft noch weniger. Während die Industrie Ingenieure anderer Fächer in die Materie einarbeitet, trifft der Nachwuchsmangel die Aufsichtsbehörden härter. Doch letztlich sitzen die Betreiber im selben Boot, denn ohne Aufsicht geht es nicht.

Die Solarbranche weitet ihre Kapazitäten derart aus, dass die Rekrutierung geeigneter Mitarbeiter zum Flaschenhals wird. In Frankfurt an der Oder bauen gleich zwei Unternehmen, die Conergy AG und die US-amerikanische First-Solar, neue Fabriken, in denen noch dieses Jahr 1.500 Beschäftigte arbeiten sollen. Solarworld errichtet eine Fabrik im sächsischen Freiberg, ab 2008 sollen dort 1.000 neue Arbeitsplätze entstehen. Wir suchen händeringend neue Fachleute, erklärte Solarworld-Chef Frank Asbeck. Ein ähnliches Bild bei der Q-Cells AG, die ihre Kapazitäten ebenfalls stetig ausbaut und zahlreiche Ingenieure, aber auch Physiker, Chemiker und Mineralogen sucht. Und die Schott Solar GmbH will ihre Fertigung ebenfalls stark ausbauen - vor allem in einem Joint Venture mit Wacker Chemie. Aktuell sind wir 1.200 Mitarbeiter. Bis 2010 müssen wir 3.000 sein, heißt es aus dem Unternehmen. Gesucht sind Akademiker verschiedenster natur-, ingenieur- und wirtschaftwissenschaftlicher Fachrichtungen.

Die Beispiele zeugen vom Boom der Branche. Bis 2010 will sie ihre Produktionskapazitäten weltweit auf 18 Gigawatt jährlich ausbauen. In Deutschland, das 25 Prozent am Weltmarkt hält, waren es 2006 gerade einmal 0,5 Gigawatt. Entsprechend optimistisch sieht der Bundesverband Solarwirtschaft die Beschäftigungsperspektive: Die Zahl der Beschäftigten soll von 54.000 im Jahr 2006 auf über 200.000 im Jahr 2020 wachsen.

Die Geschäfte laufen auch in vielen anderen Bereichen der erneuerbaren Energie bestens. Rund 235.000 Menschen waren hierzulande 2007 in dem jungen Branchenzweig beschäftigt, zwei Jahre zuvor waren es erst 160.000. Experten gehen davon aus, dass sich der Wachstumstrend 2008 noch verstärkt. Denn 2007 haben viele Staaten rund um den Globus eine ähnliche Konsequenz aus der Klimaproblematik gezogen wie EnBW-Chef Villis. Sie haben Marktanreizprogramme für Wind-, Solar- und Wasserkraft sowie für Strom, Wärme und Kraftstoffe auf Biomassebasis auf den Weg gebracht. Letztere mischen den Kraftstoffmarkt auf - und verstärken den Fachkräftebedarf. Der Markt nimmt weltweit Fahrt auf und steht vor der Herausforderung, die Produktion von Bioenergie und Lebensmitteln zu versöhnen. Ein spannendes Zukunftsfeld, das in Mineralölkonzernen, im Maschinen- und Anlagenbau und bei spezialisierten Technologieunternehmen Verfahrenstechniker, Agrarwissenschaftler und Chemiker mit Spezialisten aus Maschinenbau und Fahrzeugtechnik zusammenführt. Denn die Konzepte, die in der Energiebranche heute gefragt sind, kann keine Disziplin allein entwickeln.

Hier gibt´s Jobs für Hochschulabsolventen

Areva NP
Bedarf 2008:
ca. 700 Hochschulabsolventen
Gesuchte Fachrichtungen: Maschinenbau/Verfahrens-/Kerntechnik, Elektrotechnik, Informatik, Bauwesen, Naturwissenschaften (Physik, Chemie), Werkstoff-/Materialwissenschaften, Wirtschaftsingenieure und BWL
Für welche Bereiche wird gesucht: für die Entwicklung und Errichtung von Kernkraftwerken und Forschungsreaktoren sowie kerntechnisches Engineering, Elektro- und Leittechnik, Kraftwerksservice, Modernisierung, Brennelementversorgung und Komponenten-Fertigung http://www.areva-np.de

Deutsche BP
Bedarf 2008:
70 Hochschulabsolventen
Gesuchte Fachrichtungen: insbesondere technische und naturwissenschaftliche Studiengänge, wie z. B. Chemieingenieurwesen, Verfahrenstechnik, Maschinenbau-Ingenieurwesen, Elektro- und Automatisierungstechnik sowie Wirtschaftsingenieurwesen und Wirtschaftswissenschaften Für welche Bereiche wird gesucht: regelmäßig Bedarf in den verschiedensten Unternehmensbereichen wie z. B. Kraftstoffforschung, Bitumenforschung, Schmierstoffforschung, Raffineriesektor und Logistik
http://www.deutschebp.de/karriere
http://www.bp.com./careers

EnBW Energie Baden-Württemberg
Bedarf 2008:
200 Hochschulabsolventen
Gesuchte Fachrichtungen: Ingenieurwissenschaften (Maschinenbau, Elektro-, Energie-, Leit-, Versorgungs-, Verfahrens-, Kraftwerks- oder Kerntechnik); Wirtschaftswissenschaften (Controlling/ Finanz- und Rechnungswesen oder Einkauf), Wirtschaftsingenieurwesen, Wirtschaftsinformatik und Informatik
Für welche Bereiche wird gesucht: Kraftwerksbereich (konventionell und Kernkraft), Netze (Betrieb und Instandhaltung), Energiehandel, Energiewirtschaft, Vertrieb, Produktmanagement, Energiedienstleistungen, Qualitätsmanagement, (Technischer) Einkauf, Controlling, Finanz- und Rechnungswesen, IT
http://www.enbw.de/karriere

Eon
Bedarf 2008:
300 Hochschul-absolventen
Gesuchte Fachrichtungen: Wirtschaftswissenschaften (alle Fachrichtungen), Wirtschaftsingenieurwissenschaften, Ingenieurwissenschaften (Anlagentechnik, Bau, Maschinenbau, Elektrotechnik, Verfahrenstechnik), Rechtswissenschaften
Für welche Bereiche wird gesucht: in allen Konzerngesellschaften - Eon AG, Eon Energie sowie Eon Ruhrgas - Wirtschaftswissenschaftler für alle kaufmännischen Kernbereiche (Audit, Accounting, Communication, Corporate Development & Controlling, Finance, HR, Marketing, Procurement, Tax) sowie Ingenieure für alle technischen Kernbereiche entlang der Wertschöpfungsketten Strom und Gas, darüber hinaus auch Juristen
http://www.eon-karriere.com

RWE
Bedarf 2008:
300 Hochschulab-solventen
Gesuchte Fachrichtungen: Ingenieurwissenschaften, v. a. Ingenieure für Kraftwerkstechnik, BWL/VWL, Jura, darüber hinaus auch Quereinsteiger
Für welche Bereiche wird gesucht: Planung, Bau und Betrieb von Energieanlagen und Energienetze (Strom, Gas, aber auch Wasser), Forschung und Entwicklung, Vertrieb, Energiehandel, IT, Erneuerbare Energie (Biomasse, Wasserkraft und Windparks)
http://www.rwe.com

Shell Deutschland Oil
Bedarf 2008:
ca. 50 Hochschulabsolventen
Gesuchte Fachrichtungen: Bauingenieurwesen, Biologie, Chemie, Chemieingenieurwesen, Verfahrenstechnik, Elektrotechnik, Fahrzeugtechnik, Informatik, Luft- und Raumfahrttechnik, Maschinenbau, Mathematik, Naturwissenschaften, Physik, Wirtschaftsingenieurwesen, Wirtschaftswissenschaften
Für welche Bereiche wird gesucht: Technische Bereiche: Geologie/Geophysik, Petrophysik, Reservoir/Petroleum Engineering, Bohrtechnik, Produktionstechnik, Produktionstechnologie, Verfahrenstechnik, Wartungstechnik, Project/Facilities Engineering, Discipline Engineering, Produkt/Prozesserforschung Kaufmännische Bereiche: Finanzwesen, Beschaffung und Vertragswesen, Personalwesen, IT, Vertrieb und Marketing, Logistik und Distribution, Handel http://www.shell.com

Vattenfall Europe
Bedarf 2008
: ca. 40 Hochschulabsolventen
Gesuchte Fachrichtungen: Ingenieurwissenschaften (v. a. Elektrotechnik, Energie- und Verfahrenstechnik, Maschinenbau, Bergbau, Wirtschaftsingenieurwesen), Wirtschaftswissenschaftler (Controlling)
Für welche Bereiche wird gesucht: Kraftwerke, Wärme, Netze, Bergbau, Vertrieb
http://www.vattenfall.de/karriere

Text: Hochschulanzeiger Nr. 94, 2008, Seite 42
Bildmaterial: BDEW, Moni Port, Labor