18. Juni 2007
Das duale Studium kombiniert Studium und Berufstätigkeit und lässt Studienkredite und Bafög in weite Ferne rücken, denn der Auszubildende steht auf der Gehaltsliste eines Unternehmens. Doch die finanzielle Unabhängigkeit hat ihren Preis. Studien- und Praxisphasen wechseln sich unmittelbar ab, und es gibt keine Semesterferien. Frank Englert, der ein duales Studium bei der Schott AG in Mainz absolviert, empfindet es dennoch nicht als Knochenmühle.
Gestern konzipierte er im Unternehmen eine Fertigungsstraße für Spezialgläser, heute sitzt er wieder im Hörsaal und lauscht einem Vortrag über Steuerungstechnik. Zeit zum Verschnaufen bleibt da kaum, auch von einem typischen Studentenleben kann nicht die Rede sein. Dennoch bereut Frank Englert nicht, dass er sich für ein duales Studium entschieden hat. Das Unternehmen zahlt mir eine Ausbildungsvergütung - so bin ich finanziell weitgehend unabhängig. Sein Arbeitgeber ist die Mainzer Schott AG, ein internationaler Technologiekonzern mit weltweit 16.800 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 2,2 Milliarden Euro. Seine Hochschule ist die staatliche Berufsakademie (BA) Mannheim.

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Neben der finanziellen Absicherung bieten duale Studiengänge noch einen weiteren Vorteil: eine enge Verzahnung zwischen Praxis- und Studienanteil. Wenn alles glattläuft, dann hat Englert nach drei Jahren einen Abschluss in der Tasche, der ihm Tür und Tor öffnet: Er darf dann die Berufsbezeichnung Diplom Ingenieur Maschinenbau (BA) oder Bachelor of Engineering (BA) Maschinenbau führen. Weil BA-Studenten nicht nur über Fachwissen verfügen, sondern sich auch mit den betrieblichen Strukturen und Abläufen auskennen, schafft das duale Studium ideale Voraussetzungen für den Berufseinstieg. Das sieht auch Julia Gocke von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände so. Entscheidend ist, dass ein duales Studium durch den hohen Praxisbezug Beschäftigungsfähigkeit herbeiführt. Das ist das A und O für Arbeitgeber.
Als weiteren entscheidenden Vorteil gegenüber traditionellen Studiengängen bewertet Englert, dass ich am Ende meines Studiums schuldenfrei bin und mir die drückende Last einer Bafög-Rückzahlung erspart bleibt.
Im ersten Jahr seiner dreijährigen Ausbildung verdiente der 22-Jährige monatlich circa 850 Euro brutto, gegen Ende seiner Ausbildung werden es 1.000 Euro sein. Bei einer 40-Stundenwoche entspricht das einem Stundenlohn von 6,25 Euro. Die Vergütung ist angelehnt an das, was die regulären Auszubildenden erhalten. Allerdings zahlt ihm das Unternehmen einen Zuschlag für das Anmieten der Wohnung am Studienort. Auch renten- und krankenversichert ist er über seinen Arbeitgeber.
Die in Baden-Württemberg anfallenden Studiengebühren von 500 Euro, die auch BA-Studenten entrichten müssen, trägt zu zwei Dritteln das Unternehmen, den Rest zahlt Englert aus eigener Tasche. Für den Studentenwerksbeitrag und eine Verwaltungsgebührpauschale, die sich auf rund 150 Euro belaufen, kommt Schott komplett auf.
Auf finanzielle Unterstützung seiner Eltern verzichtet der Student, der noch bei seinen Eltern wohnt. Eine eigene Wohnung in Mainz wäre zwar ganz nach meinem Geschmack gewesen, aber die hätte ich unmöglich finanzieren können, bekennt der angehende Maschinenbauingenieur. Schließlich hat er während der kompletten Ausbildung ein Apartment an seinem Studienort angemietet. Diese Wohnung in Mannheim habe ich in Zeiten, an denen ich nicht an der BA bin, aber untervermietet, sagt Englert, und würde er das nicht tun, so würde das Geld nach eigener Einschätzung richtig knapp werden. Das, was er durch das Untervermieten einnimmt, geht als Reserve direkt auf sein Konto. Wenngleich sein finanzieller Spielraum begrenzt ist, bleibt ihm dennoch Geld für die kleineren Freuden des Lebens wie Kino-, Diskotheken- oder Restaurantbesuche.
Was tatsächlich an die Substanz gehe, sei der straffe Ausbildungsverlauf, in dem Studien- und Praxisphasen im Unternehmen nahtlos aneinander anknüpfen. Zeit ist absolute Mangelware!, betont Englert. Es gibt keine Semesterferien an Berufsakademien, in denen sich der Akku aufladen lässt. Alles andere als einfach sei es, die 30 Tage Urlaub im Jahr zu nehmen. In den Studienphasen lässt sich grundsätzlich gar kein Urlaub bekommen, und in der Praxisphase verlangt die BA, dass eine Projektarbeit durchgeführt wird, sagt der Maschinenbaustudent. Stressig seien auch die Prüfungsphasen, die unmittelbar im Anschluss an die Vorlesungen anberaumt seien. Da hat man kaum Zeit für intensive Vorbereitungen, verrät Englert. Und sollte er am Ende des Studiums scheitern oder aus freien Stücken die Ausbildung abbrechen, so braucht er keine Rückzahlungsforderungen von Firmenseite aus zu befürchten.
Das Einstiegsgehalt in seiner Branche, da hat sich der angehende Maschinenbauingenieur bereits informiert, beläuft sich für BA-Absolventen auf circa 35.000 Euro. Das sei ungefähr identisch mit dem, was Fachhochschulabsolventen bekämen. Mit einem an der Universität erworbenen Masterabschluss lässt sich das aber wohl nicht vergleichen. Masterabsolventen dürfen mit einem höheren Einstiegsgehalt rechnen.
Während zahlreiche Unternehmen in dualen Studiengängen ihre Mitarbeiter durch eine spezielle Vertragsklausel an sich binden, verzichtet der Mainzer Technologiekonzern auf eine solche vertragliche Regelung. Ich habe keine Verpflichtung, nach dem Studium bei Schott zu bleiben, an einer Übernahme sei das Unternehmen aber interessiert. Aufgrund der Erfahrungen mit dem Unternehmen kann sich Englert eine Weiterbeschäftigung durchaus gut vorstellen.