08. Oktober 2008

AA, EU, Uno

Jobs für alle, die in der Welt etwas bewegen wollen

Von Christina Kestel




12. Mai 2008 
Auch in der internationalen Politik bieten sich interessante Einstiegsmöglichkeiten für Geisteswissenschaftler. Allerdings müssen sich die Bewerber einem extrem harten Auswahlverfahren stellen, das entsprechend nur wenige schaffen. Leichter gelingt der Start in Nichtregierungsorganisationen (NGO) oder Institutionen für politische Bildung.

Auswärtiges Amt
Jobs im Auswärtigen Amt sind heiß begehrt. 2007 interessierten sich 1.600 Hochschulabsolventen für die knapp 40 Ausbildungsplätze zum Attaché. Am Anfang steht jedes Jahr im Mai die Online-Bewerbung für das Auswahlverfahren, das als eines der härtesten in Deutschland gilt. Gesucht werden Generalisten, die an jedem Platz der Welt eingesetzt und mit jeder Aufgabe betraut werden können. Das kann im Planungsstab der Nato sein, in der Deutschen Botschaft der Elfenbeinküste oder im Pressereferat des Auswärtigen Amtes in Berlin. Rund 1.200 schafften es vergangenes Jahr zur schriftlichen Prüfung im Juli. Abgefragt werden per Multiple-Choice-Verfahren Rechts-, Wirtschafts-, Geschichts- und Politikkenntnisse sowie Allgemeinwissen. Ein Aufsatz über ein politisches Thema folgt, dann werden die Sprachkenntnisse und die psychologische Eignung getestet. Nur rund 160 Bewerber kamen schließlich in das mündliche Verfahren im Herbst. Vor einem gut besetzten Auswahlausschuss stellen sich die Bewerber dann dem Vorstellungsgespräch, halten einen Kurzvortrag, werden in ihren Sprachen geprüft und nehmen an Gruppenübungen teil.

Wer die Prüfungen übersteht, den erwarten zwölf Monate Generalistenausbildung im Vorbereitungsdienst an der Akademie Auswärtiger Dienst in Berlin. Kenntnisse in Politik, Geschichte, Recht und BWL werden in Blockseminaren vertieft, eine weitere Fremdsprache gelernt. Zwei Monate im Ausland folgen. Der Lohn der Strapazen: ein sicherer Job. Die jungen Attachés werden meist schon während ihrer Ausbildung verplant und wissen in der Regel genau, wo ihre erste Station nach bestandener Abschlussprüfung sein wird.

Im Auftrag der EU
Interessante Jobs für Geisteswissenschaftler bietet auch die EU. Hier konkurrieren unzählige Bewerber aus allen EU-Ländern um die Stellen. Sie müssen viel Geduld mitbringen: Die Verfahren dauern bis zu einem Jahr. Doch es kann sich lohnen, denn die Stellen in den Organen und Institutionen der EU in Brüssel und Straßburg gelten als attraktiv. Hochschulabsolventen können Beamte auf Lebenszeit werden, eine wissenschaftlich-technische Laufbahn als Bediensteter in Forschung und Entwicklung einschlagen oder als Nationaler Sachverständiger tätig werden. Die EU zeigt sich offen für Absolventen aller Fachrichtungen. Geisteswissenschaftler haben in der Regel gute Karten, da sie häufig die geforderten Soft Skills mitbringen: interkulturelle Kompetenz, sprachliches Ausdrucksvermögen und Organisationstalent.

Die Auswahlverfahren sind nicht nur lang, sondern auch sehr hart. Nicht ohne Grund bietet das Auswärtige Amt nicht nur im Internet Trainingseinheiten zur Vorbereitung der sogenannten Concours an. Inhaltlich sind die Concours auf die jeweiligen Anforderungen der ausgeschriebenen Positionen zugeschnitten - für Linguisten gibt es beispielsweise schwierigere Fragen zu den Sprachkenntnissen. Formal läuft das Verfahren für alle gleich ab: Online-Anmeldung, Vorauswahltest und schriftliche Prüfung im Heimatland, vollständige Bewerbung und mündliche Prüfung in Brüssel. Erfolgreiche Concours-Teilnehmer kommen auf die Eignungsliste. EU-Institutionen mit offenen Stellen wählen hieraus Kandidaten und bitten sie erneut zum Vorstellungsgespräch. Das kann etwas dauern. Pläne zur Überbrückung sollten die Absolventen schon in der Tasche haben.

Arbeitsplatz Uno
Eine verlockende Alternative auf der Ebene politischer Organisationen ist in New York bei den Vereinten Nationen zu finden. Bewerber dürfen nicht älter als 32 sein. Leider blockiert das UN-Sekretariat derzeit Bewerbungen von Deutschen, da diese dort überrepräsentiert sind. Eine Möglichkeit, Uno-Luft im entwicklungspolitischen Sektor zu schnuppern, bietet das Förderprogramm der Bundesregierung mit Namen „Beigeordnete Sachverständige“ (BS). Die Bundesregierung will damit die deutsche Präsenz in den internationalen Organisationen verbessern. Jährlich entsendet der Bund 40 BS. Die Bewerbung erfolgt direkt über das Büro Führungskräfte zu Internationalen Organisationen (BFIO).

Jobs in der Landespolitik
Geisteswissenschaftlern, die politisch etwas bewegen wollen, stehen auch in Deutschland Wege offen. Ob aktive Parteiarbeit, Karriere in den Ministerien oder in der politischen Bildung - Engagement ist das A und O: „Hingehen, hinhören, einmischen“, fordert Achim Güssgen, Referatsleiter Europa/Internationale Politik in der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung. Das politische Geschehen werde zu sehr von Juristen bestimmt, Geisteswissenschaftler könnten hier viel bewirken, ihre Flexibilität sei groß und sie „können Debatten leiten, die zur inhaltlichen Entwicklung eines Themas führen“, sagt Güssgen, der selbst Geschichte studiert hat. Wer in einer Landeszentrale arbeitet, kümmert sich je nach Referatsbezug um Seminare zu Gender-Themen oder Zeitgeschichte, um Bildungsangebote für Jugendliche wie „Internet und Rechtsextremismus - Informationen und Handlungsanweisungen“ oder um Vortragsreihen von Autoren gesellschaftspolitischer Bücher.

NGOs als Arbeitgeber
Geisteswissenschaftler stehen auch bei den Nichtregierungsorganisationen hoch im Kurs. Auch wenn nach ihnen nicht explizit gesucht wird, beschäftigen laut einer Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) 81 Prozent der NGOs Geisteswissenschaftler. Bei der britischen Hilfsorganisation Oxfam stellen sie ebenfalls die Mehrheit der Kampa-gnenmitarbeiter in der Geschäftsstelle in Berlin. Die Hauptanforderung: exzellente Deutsch- und Englischkenntnisse. „Wir müssen in sehr differenziertem Englisch innerhalb unseres Netzwerkes Oxfam International kommunizieren und zugleich in gut verständlichem Deutsch Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit leisten“, sagt Oxfam-Geschäftsführer Paul Bendix.

70 Prozent der NGOs schätzen laut IW die interkulturelle Kompetenz der Geisteswissenschaftler als besonders wertvoll und erfolgsrelevant für ihre Arbeit ein. Bei Oxfam beispielsweise brauchen die Absolventen diese Kompetenzen in der Kampagnenarbeit zu Themen wie Handel, Bildung, Entwicklungshilfe oder Krisen und Konflikte. Hohe Kommunikationsstärke ist angebracht, wer im „Pop-Mob“-Team arbeitet - hier ist die Mobilisierung der Öffentlichkeit das Ziel, auch Promis wie Heike Makatsch gilt es für Projekte zu gewinnen.

Weitere Informationen im Internet

Auswärtiges Amt
Informationen zur Ausbildung und Karriere im höheren Dienst. Hier gibt es auch Musterfragen zu den Vorauswahltests und psychologischen Eignungstests, Beispiele für Aufsatzthemen sowie eine Fülle von Bewerbungstipps. Die Broschüre „WeltWeitWir“ zum Herunterladen informiert über alle Ausbildungsmöglichkeiten im Auswärtigen Dienst.
http://www.auswaertiges-amt.de

EU
Die Website http://www.auswaertiges-amt.de informiert auch ausführlich über die Ausbildung und Karriere bei Internationalen Organisationen wie der EU. Das AA bietet zudem zwei Datenbanken für die Stellensuche. Einen Überblick über alle offenen Positionen bei inter-nationalen Organisationen verschafft der Internationale Stellenpool. Eine zielgerichtetere Suche ermöglicht der Internationale Personalpool, bei dem Bewerber ihre Personaldaten eingeben und die Datenbank passende Ausschreibungen herausfischt. Beide Datenbanken sind unter der Rubrik „Ausbildung und Karriere bei Internationalen Organisationen“ zu finden.

Einen Einblick in die Karrieremöglichkeiten und einen Überblick über das Auswahlverfahren bietet die Broschüre des Europäischen Amts für Personalauswahl EPSO „Laufbahnen in den EU-Institutionen“, die auf dem Europa-Portal http://europa.eu/epso unter dem Menüpunkt „Arbeiten bei den EU-Institutionen“ zum Download bereitgestellt wird.

Das sogenannte europäische Portal zur beruflichen Mobilität Eures zeigt freie Stellen, Lebensläufe, Ausbildungsangebote und Arbeitgeber: http://europa.eu.int/eures.

Auch die Bundesagentur für Arbeit hilft bei der internationalen Stellensuche:
http://www.ba-auslandsvermittlung.de.

UN
Unter http://www.ba-auslandsvermittlung.de finden sich unter dem Stichpunkt „Arbeiten im Ausland“ die Angebote des Büros Führungskräfte zu Internationalen Organisationen (BFIO) des Auswärtigen Amtes, darunter auch das Programm „Beigeordnete Sachverständige“. Das BFIO hat unter anderem einen Ratgeber „Bewerbungen bei Internationalen Organisationen“ aufgelegt, der ebenfalls in der Download-Liste steht.

Ausschreibungen für freie Stellen werden in den Stellendatenbanken des Auswärtigen Amtes veröffentlicht. Offene, zeitlich befristete Stellen können im Galaxy E-Staffing System der UN eingesehen werden: https://jobs.un.org.

Die International Civil Service Commission (ICSC) liefert Informationen über die Vereinten Nationen als Arbeitgeber: icsc.un.org, ebenso der Verband deutscher Bediensteter in internationalen Organisationen (VDBIO): http://www.vdbio.ch.

Der National Competitive Recruitment Exam (NCRE) ist der Auswahlwettbewerb für eine Laufbahn im UN-Sekretariat: http://www.un.org/Depts/OHRM/examin/exam.htm.

Die Broschüre „5 Wege ins VN-System“ des AA zeigt alle Einsatzmöglichkeiten für Studierende oder Hochschulabsolventen. Sie steht unter http://www.auswaertiges-amt.de zum Download unter dem Menüpunkt Ausbildung und Karriere bei internationalen Organisationen, Vereinte Nationen bereit.

Politische Bildung

Die Bundeszentrale für politische Bildung informiert über Veranstaltungsangebote: http://www.bpb.de.

Detailliertere Einblicke gewähren die einzelnen Referate der jeweiligen Landeszentralen etwa: http://www.hlz.hessen.de.

Über Stellenausschreibungen für den öffentlichen Dienst informiert die Jobbörse des Bundes: http://www.bund.de/jobboerse.

NGOs

Die Stellenbörse für Jobs bei internationalen Nichtregierungsorganisationen ist Contipress worldwide: http://www.contipress.ch.

Weitere Stellenangebote stehen in der EPO-Jobbörse von Entwicklungspolitik online, wo auch zahlreiche Hintergrundinformationen zu finden sind: http://www.epojobs.de.

Eine Übersicht über NGOs bietet das Deutsche Verbände Forum: http://www.verbaende.com.

Persönliche Voraussetzungen für eine Karriere in der Politik

> Wissensdurst
> Hohe Aufnahmekapazität
> Flexibilität
> Offenheit
> Lern- und Umlernfähigkeit
> Interkulturelle und soziale Kompetenzen
> Schriftliche und mündliche Ausdrucksfähigkeit
> Engagement
> Organisationstalent

Fachliche Voraussetzungen für eine Karriere in der Politik

> Sehr gute Fremdsprachen- kenntnisse in mindestens zwei Sprachen
> Altersbeschränkung
> Hochschulabschluss
> Erforderliche Staatsangehörigkeit
> Gutes Allgemeinwissen

Text: Hochschulanzeiger Nr. 96, 2008, Seite 26
Bildmaterial: Jörg Mühle, Labor