05. Mai 2007
1: Matthias Kandeler (28), Geschäftsführer, gründete nach seinem BWL-Studium im Juni 2006 die Syncing.Net Technologies GmbH als Spin-Off der TU Berlin.
Hätte ich eine gute Produktidee gehabt, ich hätte auch schon gleich nach dem Studium eine eigene Firma gegründet. So aber bin ich erst einmal bei einer Software-Firma im Marketing eingestiegen und habe dort ziemlich schnell gemerkt, dass das Angestelltendasein nichts für mich ist. Ich muss selbst gestalten können - und zwar in allen Bereichen. Über drei private Ecken lernte ich André Hacker kennen, unseren heutigen Entwicklungschef. André hatte eine Synchronisationstechnologie entwickelt, die datenbankbasierte Anwendungen zwischen mehreren Rechnern abgleicht. Das passiert direkt übers Internet, innerhalb des eigenen Netzwerks und macht damit die üblichen Server überflüssig. Wir beschlossen, mit dieser Innovation an den Markt zu gehen. Als Kaufmann habe ich alle geschäftsführenden Aufgaben übernommen, einen Businessplan geschrieben, um mit der Unterstützung eines erfahrenen Business-Angel schließlich im vergangenen Juni die Syncing.Net Technologies GmbH zu gründen. Als Uni-Spin-off sind wir dabei vom Fachbereich Kommunikations- und Betriebssysteme der TU Berlin betreut worden. Seit der Markteinführung unserer Software im Dezember konnten wir unsere Planzahlen um über 40 Prozent übertreffen. Angefangen haben wir zu dritt, heute sind wir bereits acht Mitarbeiter. Für Syncing.net haben wir ein internationales Patent angemeldet, und unser Traum ist es, damit Weltmarktführer im Bereich der Synchronisationssoftware zu werden. Zwar herrscht in der Software-Branche ein enormer Preis- und Konkurrenzdruck. Doch da unser Produkt einzigartig ist und wir wissen, dass die Herausforderung im richtigen Marketing liegt, glauben wir, dieses Ziel erreichen zu können. Dass ich ein Unternehmertyp bin, ist mir erst in meiner jetzigen Position als Geschäftsführer richtig bewusst geworden. Noch einmal ins Angestelltendasein zu wechseln stellt für mich keine Option dar. Eher könnte ich mir vorstellen, noch ein weiteres Unternehmen zu gründen. Mein Tipp an gründungswillige Studenten: Die allerbeste Zeit, um ein solches Wagnis einzugehen, ist, wenn man frisch aus dem Studium kommt. Dann hat man noch den Mut, die dazugehörigen Risiken einer Existenzgründung auf sich zu nehmen und auch die Belastungen zu akzeptieren, die durch geringeren Verdienst, längere Arbeitszeiten und Abstriche im Privatleben entstehen.

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2: Eva Voss (25), Vorsitzende, gründete während ihres Politikstudiums in Freiburg den Verlag Fördergemeinschaft wissenschaftlicher Publikationen von Frauen (fwpf).
Entscheidend für eine Existenzgründung ist, dass die Idee gut ist. Bei uns war es der Gedanke, dass der Frauenanteil in der Forschung noch viel zu gering ist. Das wollen wir mit der Fördergemeinschaft wissenschaftlicher Publikationen von Frauen ändern. Bei unserer Gründung stand die Idee also viel mehr im Vordergrund als das Geschäftliche - zumindest am Anfang. Vor zwei Jahren machte mein heutiger Verlagspartner Henrik Udvari ein Praktikum bei einem Ein-Mann-Verlag, der auf philosophische Texte spezialisiert ist. Dass sich dieser Betrieb selbst trägt, machte uns Mut für unser eigenes Konzept. Weil wir aber diese dezidierte Frauenförderperspektive vertreten und dazu noch sehr jung sind, stießen wir anfangs auf einige Skepsis. Trotzdem haben wir uns ausführlich bei Existenzgründerforen informiert und uns über Steuerberater abgesichert, bevor wir mit der fwpf loslegten. Im März 2006 erschien dann unser erstes Buch anlässlich des Weltfrauentages. Bis heute sind acht Bücher in unserem Verlag erschienen, und mittlerweile tragen sich unsere Publikationen finanziell sogar selbst. Unser Verlag hat momentan noch die Rechtsform eines Vereins, wir arbeiten alle ehrenamtlich. So wollen wir das unternehmerische Risiko erst einmal gering halten. Aber dabei soll es nicht bleiben. In den nächsten Jahren wollen wir ein richtiges Verlagsunternehmen auf die Beine stellen und dann auch erste Mitarbeiter einstellen. Es ist ein tolles Gefühl, die Verantwortung für so ein außergewöhnliches Projekt zu tragen und mitzuerleben, dass es bei den Autorinnen und Leserinnen auf positive Resonanz stößt. Erst vor wenigen Wochen waren wir mit einem eigenen Verlagsstand auf einer wissenschaftlichen Tagung. Zur Lesung unserer jüngsten Publikation Philosophie des Tanzes kamen über 80 Besucherinnen. Was mir am Unternehmertum so gefällt, ist, dabei zuzusehen, wie aus einer reinen Idee etwas Greifbares erwächst. Von ersten Widrigkeiten sollte man sich deshalb auch nicht schrecken lassen. Man sollte an seiner Idee festhalten und ihr auf die Füße helfen. Wenn sie gut ist, ist der Weg zur Umsetzung nur noch ein kleiner Schritt. Und es kommt ganz entscheidend darauf an, die passende Rechtsform zu finden. Denn so minimiert man finanzielle Risiken - und kann dann nachts auch ruhig schlafen.

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3: Gerald Schönbucher (29), Geschäftsführer, gründete noch während seines Studiums die Medientauschbörse Hitflip.de, die heute Marktführer in Deutschland ist.
Ein bisschen ist unsere Gründungsidee der Tatsache zu verdanken, dass es in Vallendar keine einzige Videothek gibt. Ich habe dort BWL an der WHU studiert. Vor zwei Jahren saß ich dort eines Nachmittags mit meinem Kommilitonen Jan Miczaika zusammen, wir hatten gerade keine Lust, an unserer Dissertation weiterzuarbeiten und stöberten im Internet herum. Dabei stießen wir auf eine Meldung über PeerFlix, eine legale DVD-Tauschbörse in den USA. Wir dachten, das könnte auch etwas für uns sein. Schließlich wussten wir aus unserem Freundeskreis, dass der Tauschbedarf groß war - vor allem im videotheklosen Vallendar. Im Juni 2005 gingen wir dann mit Hitflip online. Wir hatten zehn Mitglieder, das waren unsere Freunde. Die 20 DVDs, die zum Tausch standen, waren unsere eigenen. Heute findet man 350.000 Artikel unter hitflip.de, allein in Deutschland sind 130.000 Mitglieder angemeldet. Im November haben wir hitflip.at in Österreich gestartet. In Großbritannien sind wir durch die Übernahme eines Wettbewerbers ebenfalls Marktführer. Unser Logo ist übrigens ein Delfin. Wir haben ziemlich schnell gemerkt, dass wir mit dem Konzept einer Online-Plattform für den Tausch von DVDs, CDs, Büchern und Games einen Nerv getroffen haben. Trotzdem haben wir nebenher weiter am WHU-Lehrstuhl für Unternehmertum und Existenzgründung gearbeitet, wo wir auch unser erstes Hitflip-Büro hatten. Mitte 2006 kam dann der Punkt, wo wir uns entscheiden mussten: Wissenschaft oder Unternehmertum. Hitflip war derart gewachsen, dass wir Leute für den Kundenservice und die Entwicklung anstellen mussten. Mittlerweile beschäftigen wir 22 Mitarbeiter und haben unser eigenes Bürogebäude in der Kölner Innenstadt bezogen. Unser Ziel ist es, mit Hitflip Weltmarktführer zu werden. Ich habe mich für diesen Weg entschieden, weil mir Verkaufen schon immer Spaß gemacht hat und weil ich mein eigener Herr sein will. Für Hitflip haben wir alles gegeben, unsere gesamten Ersparnisse gingen anfangs dafür drauf. Man muss schon ein überzeugter Machertyp für eine Existenzgründung sein und auch mal Entscheidungen fällen können, die mit Risiken verbunden sind. Sonst erreicht man nicht viel. Mein persönlicher Tipp an künftige Gründer: Macht es nicht allein. Bei Hitflip sind wir zu dritt, meine Partner Jan Miczaika und Andre Alpar sind Mitgründer und ebenfalls Geschäftsführer. Und wir ergänzen uns hervorragend zu einem erfolgreichen Team.

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4: Lukasz Gadowksi (29) gründete als BWL-Student das Merchandising-Unternehmen Spreadshirt und erhielt 2006 den OnlineStar-Preis als Gründer des Jahres.
Mein erstes Unternehmen habe ich im dritten Semester an der Uni Paderborn gegründet, eine kleine Consulting GmbH. Im vierten Semester dann schon das nächste, eine Mobile-Commerce-Firma. Während meines Studiums habe ich mich hauptsächlich um meine Unternehmensstarts gekümmert. Dabei ging es für mich nie darum, reich zu werden. Ich gestalte eben einfach gern, und da hat man als Unternehmer einfach die größten Freiräume. Für die Uni habe ich praktisch gar nicht gelernt. Wenn Klausuren anstanden, habe ich mich in der Nacht davor noch mal vor die Bücher gesetzt. Meist habe ich knapp bestanden. Wenn ich durchfiel, habe ich wiederholt. Diese frühe Zeit als Unternehmer hat mir sehr viel Erfahrung gebracht. Ich habe viele Fehler gebaut, die man nicht noch einmal macht. Davon profitiere ich heute als Geschäftsführer von Spreadshirt. Die Idee zu dieser Gründung kam mir in den Semesterferien als Praktikant bei einem IT-Start-up. Ich überlegte mir, dass es technisch möglich sein müsste, Einzelstücke von Fanartikeln in hoher Qualität schnell verfügbar zu machen - im Prinzip musste man doch nur die notwendigen Prozesse aufeinander abstimmen. Heute können Webseitenbetreiber mit Hilfe von Spreadshirt binnen weniger Minuten einen Online-Shop mit selbstgestalteten Fanartikeln einrichten. Spreadshirt übernimmt dann von der Lagerhaltung über Produktion, Versand, Zahlungsabwicklung bis zum Kundenservice alle notwendigen Funktionen. Zu unseren Kunden zählen viele Privatpersonen, aber auch Ärzte ohne Grenzen, Napster, Bela B und Oliver Kahn. Als wir am Anfang unser Geschäftsmodell Investoren vorstellten, mussten wir uns viel unqualifizierte Kritik anhören. Bei einem Businessplan-Wettbewerb wurde unser Konzept als unrealistisch abgelehnt. Als Unternehmer muss man vorher wissen, ob man sich eine Sache auch zutraut. Nur so kann man es schaffen. Unser Ziel war von Anfang an, mit Spreadshirt erfolgreich zu sein und zu wachsen. Wir haben das Unternehmen 2002 zu zweit und ohne Startkapital gegründet. Heute beschäftigen wir weltweit über 230 Mitarbeiter und expandieren von Leipzig aus ins europäische Ausland und in die USA. Wäre uns das nicht gelungen, hätte ich sofort etwas anderes ausprobiert. Ich kann mir nichts anderes vorstellen, als Unternehmer zu sein.

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5: Dirk K. Martin und Harald Popp gründeten gleich nach ihrem Studium die PM Computer Services GmbH & Co. KG (PMCS), die heute rund 100 Mitarbeiter beschäftigt.
Wir waren 27 Jahre alt, als wir uns entschlossen, ein Unternehmen zu gründen, das mittelständischen und großen Firmen dabei hilft, IT-Kosten zu sparen - zum Beispiel mit Software, die Servicearbeiten automatisiert. Während unseres Wirtschaftsingenieurstudiums hatten wir bereits Gründererfahrung gesammelt: Unsere Opus GbR beschäftigte damals 25 Kommilitonen, die Computer in den Filialen der Deutschen Bank AG regelmäßig mit Updates versahen. Trotzdem gingen wir beim Sprung in die Selbständigkeit ein hohes Risiko ein: Schließlich gab es für uns erstklassige Berufsaussichten in der Industrie - mit entsprechenden Verdienstchancen. Aber darauf kam es uns nicht an. Wir hatten beide Erfahrungen in Großunternehmen gesammelt und wussten: Das ist nicht das, woran wir Spaß haben. Ein großes Maß an Freiheit und Selbständigkeit ist uns lieber als eine sichere Karriere mit Kompromissen und Abhängigkeiten.
Mit der Opus GbR haben wir das finanzielle Fundament für unser heutiges Unternehmen selbst gelegt und dabei gleich am Anfang gelernt, mit wenig Mitteln effizient zu arbeiten. Das ist ausgesprochen wichtig, weil es die Innovationskraft und die Marktfähigkeit einer Idee fördert.
Zunächst konzentrierten wir uns auf den Vertrieb von Software und auf IT-Dienstleistungen, 2003 wurden wir mit dem Produkt helpLine außerdem zum Software-Hersteller. Nachdem PMCS bereits in der Schweiz und in Österreich erfolgreich an den Start gegangen ist und die Umsätze kontinuierlich steigern konnte, wollen wir das Gesamt-Portfolio nun auch im nicht-deutschsprachigen Ausland anbieten - zum Beispiel im Mittleren Osten.
Natürlich sind wir stolz darauf, dass es uns gelungen ist, ein Unternehmen mit heute etwa 100 Mitarbeitern aufzubauen - und das ausgerechnet in der schwersten Zeit der IT-Branche. Vielleicht liegt das daran, dass wir schon immer unbeirrt nach den bewährten betriebswirtschaftlichen Methoden unser Unternehmen geführt haben, auch schon während der Gründungsphase, als alle von der New Economy sprachen und an das schnell zu machende Geld glaubten.
Heute gilt PMCS als eines der am schnellsten wachsenden Technologieunternehmen Deutschlands und war bereits zweimal Finalist im Wettbewerb Entrepreneur des Jahres. Das zeigt doch: Schnelles und solides Wachstum schließen sich nicht aus.