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Was der Coach rät Das Auslandsstudium als Bewerbungsköder Von Florian Vollmers 
 | | Doris Brenner ist Personalentwicklerin und Karriere-Coach in Frankfurt am Main. |
12. Oktober 2009 Auslandsstudium ist nicht gleich Auslandsstudium. Damit es zum Karrieresprungbrett wird, müssen einige Dinge beachtet werden. Hier die wichtigsten Tipps von renommierten Karriereexperten.
Doris Brenner ist Personalentwicklerin und Karriere-Coach in Frankfurt am Main. ? Was kommt besser beim Arbeitgeber an: Sprachkurs, Praktikum oder Studium im Ausland? : Ein reiner Sprachkurs ist besser als nichts, hat aber in der Bewerbung eine relativ geringe Wertigkeit. Prinzipiell sind Arbeitgeber eher an beruflicher Erfahrung interessiert, die ein Bewerber im Ausland gesammelt hat. Ideal ist jedoch die sinnvolle Kombination aus Hochschule und Praxis. Dies kann zum Beispiel in Form eines an den ausländischen Studiengang angegliederten Praktikums bei einem Unternehmen erfolgen. Im Idealfall ist dieses Unternehmen in der gleichen Branche tätig wie der Wunscharbeitgeber, an den man seine Bewerbung richtet. Wer an einem Austauschprogramm teilgenommen hat, das weite Teile des Auslandsaufenthaltes organisiert, muss das nicht unbedingt erwähnen, da Eigeninitiative von Bewerbern besser ankommt. Erwähnen sollte man erhaltene Stipendien, da sie zeigen, dass man erfolgreich aus einer Wettbewerbssituation hervorgegangen ist. Christian Püttjer ist Trainer und Berater in den Bereichen Bewerbung, Karriere und Rhetorik.  | | Christian Püttjer ist Trainer und Berater in den Bereichen Bewerbung, Karriere und Rhetorik. |
? In welchen Ländern ist ein Aufenthalt karrieretechnisch besonders zu empfehlen? : Länder, in denen Studium und Berufsausbildung sehr stark auf Fallstudien basieren, kommen bei potentiellen Arbeitgebern immer sehr gut an. Dazu gehören die englischsprachigen Länder, also die USA, Großbritannien, Australien und Neuseeland. Darüber hinaus werden auch die sogenannten BRIC-Staaten, denen für die kommenden Jahrzehnte eine dominierende Stellung in der Weltwirtschaft prognostiziert wird, von Arbeitgebern sehr geschätzt: Das sind Brasilien, Russland, Indien und China. Wer kein wirtschaftlich orientiertes Studium absolviert, sollte sich für einen Auslandsaufenthalt dort orientieren, wo traditionell nicht viele Austauschstudenten vorzufinden sind, um sich ein Alleinstellungsmerkmal zu verschaffen. Im Übrigen empfehle ich allen Studierenden, im Ausland zu den ansässigen Wirtschaftsorganisationen wie Handelskammern und Berufsverbände Kontakt aufzunehmen. Svenja Hofert ist Karriereberaterin und Autorin zahlreicher Bewerbungsratgeber. ? Wie lange sollte man im Ausland bleiben? : Das Minimum liegt bei drei Monaten, noch besser ist natürlich ein Auslandsaufenthalt, der mindestens sechs Monate dauert. Im Idealfall ist man ein ganzes Jahr im Ausland. Wer länger bleiben will, sollte zugleich darauf achten, dass die Studiendauer insgesamt nicht zu sehr ausufert. Allerdings ist die Organisation eines längeren Auslandsstudiums angesichts der straffen Bachelor- und Masterstundenpläne immer schwerer zu bewerkstelligen. Tendenziell geht die Zahl der auswärts Studierenden deshalb zurück. In meiner Beratungspraxis erlebe ich zurzeit, dass viele Absolventen krisenbedingt Leerlauf haben und mich dann fragen: Soll ich die Zeit für einen längeren Auslandsaufenthalt nutzen? Für mich ist das überhaupt keine Frage: Ja klar! Nutzen Sie freie Zeit, um möglichst lange ins Ausland zu gehen. Das ist nicht nur aus Sicht der Karriere sinnvoll, sondern trägt auch zur Persönlichkeitsbildung bei! Martin Wehrle ist Autor des Lexikons der Karriere-Irrtümer.  | | Svenja Hofert ist Karriereberaterin und Autorin zahlreicher Bewerbungsratgeber. |
? Wie wichtig ist der Auslandsaufenthalt für die Bewerbung von Berufseinsteigern? : Das hängt davon ab, wo man sich bewirbt. Bodenständige Mittelständler in der Provinz, die ein nationales Geschäft betreiben, sehen Auslandsaufenthalte eher skeptisch. Denn wer garantiert ihnen, dass den neuen Mitarbeiter nicht bald das Fernweh packt und er zu einem international agierenden Konzern abwandert? Anders in größeren Firmen oder solchen, die international aufgestellt sind: Dort zeigt ein Auslandsaufenthalt, dass ein Kandidat über den Tellerrand schaut, dass er Experimente wagt und nicht immer nur den Weg des geringsten Widerstands geht. Außerdem verhilft ihm der Auslandsaufenthalt zu einer größeren Lebenserfahrung und Kenntnis anderer Kulturen. |
Karrieretipps: So verkauft man den Auslandsaufenthalt in der Bewerbung 1. Achten Sie darauf, dass ausländische Bezeichnungen von Studiengängen, Arbeitsfeldern und Institutionen zusätzlich oder gleich ganz in deutscher Übersetzung verzeichnet sind. Für eine Bewerbung gibt es nichts Schlimmeres als Inhalte, die Ihr Wunscharbeitgeber beim Lesen nicht versteht. 2. Im Zweifelsfall sind Unternehmen eher an der beruflichen Erfahrung als an der reinen Theorie des Studiums interessiert: Räumen Sie der Darstellung von Auslandspraktika in der Bewerbung also einen mindestens ebenso großen Raum ein wie dem Studienaufenthalt. 3. Beschränken Sie sich nicht nur auf die Angabe von Universitätsnamen, Studiengängen und Positionen. Beschreiben Sie konkret, welche Studienvertiefungen Sie verfolgt haben, welche Inhalte Sie in Fallstudien bearbeitet haben und was Sie in bestimmten Praxisprojekten erfolgreich bewältigt haben. 4. Stellen Sie in der Bewerbung ausführlich dar, was der Auslandsaufenthalt bei Ihnen als Persönlichkeit bewirkt hat: Das kann entweder in einem Absatz im Anschreiben oder in einer separaten Rubrik Auslandserfahrung geschehen. Beschreiben Sie zum Beispiel, dass Sie eine größere Sensibilität für kulturelle Unterschiede gewonnen haben und dass Sie die Mentalität sowie Umgangsformen in Alltag und Arbeitsleben des jeweiligen Gastlandes kennenlernen durften. 5. Stellen Sie dar, wie Ihr Wunscharbeitgeber von Ihrem Auslandsaufenthalt profitieren kann, indem Sie sich auf eine Sie-Orientierung anstatt auf eine Ich-Orientierung konzentrieren. Also nicht schreiben Ich war für sechs Monate in Brasilien und habe dort gelernt, dass ..., sondern Ihre Firma kann von meiner Kenntnis des brasilianischen Marktes profitieren, denn .... 6. Holen Sie sich, wenn möglich, Empfehlungsschreiben von ausländischen Dozenten und Arbeitgebern ein, die Sie dann Ihrer Bewerbungsmappe beilegen können. 7. Nehmen Sie unbedingt die gewonnenen Sprachkenntnisse in Ihre Bewerbungsmappe mit auf, und stellen Sie dabei den Fortschritt dar. So wird aus gut zum Beispiel verhandlungssicher. 8. Erwähnen Sie reine Sprachkurse nur, wenn Sie damit Lücken im Lebenslauf schließen können. | | |
Text: Hochschulanzeiger Nr. 104, 2009, Seite 16 Bildmaterial: David Michaels, privat
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