08. Oktober 2008

Viel Marktgeschrei auf dem JobBasar

Was bringen eigentlich die Megamessen?

Von Florian Vollmers




10. Dezember 2007 
Tausende von Besuchern tummeln sich jährlich auf dem Absolventenkongress in Köln, der größten Jobmesse in Deutschland. Solche Massenveranstaltungen nutzen Unternehmen regelmäßig, um öffentlichkeitswirksam Imagepflege zu betreiben. Wer als Bewerber dort auftaucht, muss aufpassen, dass er auf dem Rummelplatz nicht untergeht. Doch zumindest für einen ersten Einblick in die Unternehmenslandschaft sind Megamessen nützlich.

Was hat eine Autogrammstunde von Fußballstars bei Borussia Dortmund mit der Jobsuche zu tun? Erst mal gar nichts. Aber wer im vergangenen Jahr den Kölner Absolventenkongress - die größte Jobmesse Deutschlands - besucht hat, konnte beobachten, wie ein großer Industriekonzern die Aufmerksamkeit auf seinen Unternehmensstand lenkte, indem er die berühmten Kicker derart ins Rampenlicht stellte. „Das hat schon Eindruck gemacht“, erinnert sich Johann Zuber, der einer der 11.000 Besucher des letzten Absolventenkongresses war. „Solche Aktionen rufen den Namen eines Unternehmens noch lange Zeit später ins Gedächtnis.“ Einen besonders guten Eindruck hat die Megamesse damit auf den 23-jährigen Studenten der Elektrotechnik jedoch nicht gemacht: „Das Prestigedenken der Unternehmen stand eindeutig im Vordergrund - und nicht die Interessen der Bewerber, die einen Job suchten“, so Zuber.

Ob Megamessen wie der Absolventenkongress, die Talents-Jobmesse oder auch der Job & Career Market auf Hannover Messe und Cebit: Oft machen sie eher den Eindruck eines Rummelplatzes, auf dem sich die Unternehmen marktschreierisch anpreisen, als einer ernsthaften Kontaktplattform. Nicht nur prominente Sportler treten auf den Plan. Sprachreisen werden verlost, Bier wird ausgeschenkt, Essen verteilt. Im vergangenen Jahr sponserte eine Unternehmensberatung auf dem Absolventenkongress rollbare Koffer, auf denen man seine gesammelten Papiere ablegen konnte - und die dann massenhaft das Messebild prägten. „Manche Unternehmensstände waren dermaßen pompös, dass man schnell den Überblick verlieren konnte“, erinnert sich Johann Zuber. „Es war so überlaufen, dass ich als Bewerber eher das Gefühl hatte unterzugehen.“

Und doch erleben die Megamessen gerade in letzter Zeit einen immer größeren Zulauf. So stieg die Bewerberzahl auf der in München stattfindenden Talents innerhalb der vergangenen vier Jahre von 900 auf 2.400. Die älteste der Megamessen ist der Absolventenkongress: 1989 von einem Doktoranden in der Schweiz gegründet, etablierte sich die Veranstaltung vom Fleck weg als bis heute aufwendigste ihrer Art. Im ersten Jahr präsentierten sich 24 Aussteller, heute sind es über 300. Die Besucherzahl kletterte von 500 auf über 11.000. „Das absolute Hoch haben wir zur Jahrtausendwende erlebt“, berichtet Judith Oppitz, Geschäftsführerin der Hobsons GmbH in Frankfurt am Main, heutiger Veranstalter des Absolventenkongresses. „Danach gab es aufgrund der konjunkturellen Lage einen kleinen Einbruch, der mittlerweile überwunden ist.“ Auch in diesem Jahr wird die Besucherzahl der Messe irgendwo zwischen 11.000 und 13.000 liegen, deren Ausstellungsfläche um 45 Prozent größer ist als noch vor zwei Jahren.

80 Prozent der Unternehmen kommen wieder. Bei 20 Prozent der Aussteller des Absolventenkongresses findet eine Fluktuation statt. Der Arzneimittelhersteller Boehringer Ingelheim beispielsweise nahm in den neunziger Jahren zweimal am Absolventenkongress teil - und bleibt der Veranstaltung seitdem fern. „Auf 48 Quadratmetern haben wir damals mit acht Mitarbeitern täglich 10 Stunden mit Hunderten von Interessierten gesprochen“, erinnert sich Personalleiter Manfred Hund. „Das war enorm aufwendig und sicherlich sehr gut für unser Image, aber inzwischen konzentrieren wir uns lieber auf kleine, regionale Messen.“ Noch schärfer formuliert es Udo Keuchen, Personalleiter der Samsung Deutschland GmbH: „Unternehmen gehen auf Massenveranstaltungen, um sich als Arbeitgeber zu präsentieren, aber den Platz für intensive Gespräche und Recruiting gibt es dort nicht.“

Anders sieht das beispielsweise die Unternehmensberatung Accenture: „Auch die großen Messen betrachten wir als echtes Instrument, um geeignete Bewerber zu finden“, sagt Simone Wamsteker, Channel-Management-Leiterin bei Accenture. Bis zu 2 Prozent der jährlichen Neubesetzungen seien allein beim Absolventenkongress getroffen worden. „Obwohl der Andrang recht groß ist, schaffen wir es an unseren Messeständen, jedem Bewerber 15 bis 20 Minuten zu widmen und zu jedem Kontakt eine Notiz anzulegen.“ Um den Nutzen von Großveranstaltungen zu verdeutlichen, verweist man bei Hobsons auf das positive Feedback der Bewerber: „Unsere Befragungen haben ergeben, dass 80 Prozent mit dem Messebesuch zufrieden sind“, berichtet Geschäftsführerin Judith Oppitz. „Und rund ein Drittel der Besucher sind über Empfehlungen zu uns gekommen.“

Dass der Trubel großer Jobmessen auch von Vorteil ist, findet Bewerbungstrainer Jürgen Hesse: „Um einen ersten Eindruck zu gewinnen, welche Unternehmen gut gefallen und welche nicht, kann eine Messe gar nicht groß genug sein.“ Auch Elektrotechnik-Student Johann Zuber schätzte am Absolventenkongress trotz des vielen Jahrmarktgeschreis den Aspekt der Größe: „Man muss sich durch die Massen hindurchkämpfen - aber zumindest theoretisch hatte man dort die ganz große Auswahl.“

Text: Hochschulanzeiger Nr. 93, 2007
Bildmaterial: Moni Port, Labor