16. Dezember 2009

Interview

Controller schauen in die Zukunft

Von Peter Weill



Arne tom Wörden, Manager bei Access
19. Januar 2004 
Vom Kostensenkungsprogramm über die Strategieentwicklung bis hin zu Akquisitionen - der Beruf des Controllers ist vielschichtig und bietet exzellente Entwicklungsmöglichkeiten. Warum das so ist und wie sich der Job weiterentwickeln wird, erklärt Arne tom Wörden, Personalberater in der Funktion als Manager im Bereich Search & Selection bei Access.



? Herr tom Wörden, in welchen Branchen werden zur Zeit besonders viele Controller gesucht?



: Controller sind im Grunde in jeder Branche wichtig. Schließlich sind sie es, die in die Zukunft eines Unternehmens blicken - im Gegensatz zu den Experten aus dem Rechnungswesen, die die Vergangenheit abbilden. Ob sie in der Chemiebranche einsteigen oder in der Automobilindustrie, macht übrigens keinen großen Unterschied. In der produzierenden Industrie werden überall die gleichen Methoden eingesetzt, so daß sie als Controller problemlos wechseln können. Das gilt allerdings nicht für einen Wechsel zwischen Industrie und Finanzbranche, wo mit anderen Instrumenten gearbeitet wird. Abgesehen davon gestaltet sich die Jobsuche in der Bankenbranche zur Zeit insgesamt schwierig.



? Die Zugänge zum Controlling sind vielfältig: Manche satteln auf BWL besondere Fachkenntnisse auf, andere gehen den umgekehrten Weg und eignen sich nachträglich betriebswirtschaftliches Know-how an. Welchen Weg halten Sie für sinnvoller?



: Ich halte den klassischen Weg für den besseren: zuerst BWL studieren, dann Fachwissen aufsatteln. Damit hat man eine gute Basis, mit der man in jeder Branche einsteigen und, wie gesagt, später auch zwischen den Unternehmen wechseln kann. Als Mediziner mit Controlling-Wissen werden Sie es in der Automobilindustrie allerdings schwer haben. Wichtig ist auch, daß sich Einsteiger im Vorfeld genau über die unterschiedlichen Controlling-Bereiche informieren: Die Arbeit eines Werks-Controllers unterscheidet sich erheblich von der eines internationalen Busineß-Controllers; ein Vertriebs-Controller tut nicht das Gleiche wie ein Personal-Controller. Und im Mittelstand ist der Controller oft zugleich der Leiter Rechnungswesen.



? Controlling ist heute eng mit den Systemlandschaften der Unternehmen verknüpft. Wieviel müssen Controller von IT verstehen?



: Sehr viel. Daß sie mit SAP umgehen können, gehört heute schon fast zum Standard. Gerade für Controller ist es wichtig, die Zusammenhänge in der IT-Landschaft zu kennen und zu verstehen. Am besten ist es, wenn sie sich dieses Wissen schon während des Studiums aneignen - sei es in Form von Seminaren oder während Praktika. Und sie sollten nicht vergessen, diese Qualifikation in ihren Lebenslauf einzutragen. Meiner Erfahrung nach haben die meisten Personaler keine Zeit, jedes der Zeugnisse auf Details wie SAP hin zu studieren. Dabei sind genau diese Details entscheidend.



? Experten zufolge entwickeln sich Controller weg vom "Erbsenzähler" des Unternehmens hin zum Berater des Managements. Wie können sich Berufseinsteiger auf diese gestiegenen Anforderungen vorbereiten?



: In der Tat müssen Controller heute die Fragen des Managements schon erkannt und beantwortet haben, bevor der Geschäftsführer sie stellt. Wo sitzen die Risiken? Wo laufen die Kosten aus dem Ruder? Dazu brauchen sie nicht nur exzellente BWL-Kenntnisse, sondern müssen auch wissen, wo die Zahlen herkommen. "Scheuklappen absetzen", kann ich da nur raten. Gehen Sie in die Produktion und sehen Sie sich die Zusammenhänge an. Und schauen Sie schon während Ihres Studiums nicht nur in ihre Controlling-Bücher, sondern auch nach rechts und links.



? Der Fortbildungsmarkt für Con-troller ist unübersichtlich: Von Kommunikations- und Moderationsseminaren bis hin zu Fachfortbildungen bei der Controller Akademie AG gibt es alles. Welche Fortbildungen halten Sie für wesentlich?



: Wenn ich Lebensläufe von Controllern sichte, finde ich die Controller Akademie darin recht häufig wieder. Grundsätzlich ist es wichtig, daß sie sehr gut präsentieren können und rhetorisch sicher sind. Stellen Sie sich vor, Sie präsentieren Ihre Zahlen vor einem internationalen Management-Board: Da brauchen Sie ein gutes Standing.



? Wie entwickelt sich das Berufsbild des Controllers Ihrer Ansicht nach weiter?



: Weil die Systeme des internen und externen Rechnungswesens - in der Fachsprache Controlling und Accounting genannt - harmonisiert werden, sitzt der Controller in Zukunft direkt an den Stellhebeln, über die sich die Qualität der Ergebnisse erheblich steigern läßt. Deshalb wird der Controller von morgen immer stärker als Berater des Top-Managements herangezogen werden und bei unternehmerischen, strategischen Entscheidungen eine wichtige Rolle spielen.



? Welche Rolle spielt das Recruiting von Controllern bei Access?



: Zur Zeit stammen rund 30 Prozent der von Access besetzten Stellen aus dem Bereich Controlling - von der Konsumgüterindustrie bis hin zu Dienstleistern. Die aktuellen Vakanzen finden sie unter www.access.de.

Text: Hochschulanzeiger Nr. 70, 2004