30. Juni 2008 Bei der Simulation einer Geiselbefreiung sind in einer Kaserne in der südfranzösischen Stadt Carcassonne 17 Menschen durch scharfe Schüsse verletzt worden. Darunter waren fünf Kinder. Ein Elitesoldat habe am Sonntagabend aus seinem Sturmgewehr eine Salve mit echter Munition verschossen, teilte das Verteidigungsministerium in Paris mit. Nun soll geklärt werden, ob der Unteroffizier einen Anfängerfehler beging oder absichtlich gehandelt hat.
Der Schütze dient nach Informationen der Zeitung Le Figaro seit acht Jahren in der Eliteeinheit in Carcassonne und wurde von seinen Vorgesetzten geschätzt. Er war gerade von einem Auslandseinsatz zurückgekehrt. Die in der Stadt stationierten Fallschirmjäger der Marineinfanterie werden unter anderem in Afghanistan und in Afrika eingesetzt. Unter den Verletzten waren zwei Soldaten und 15 Zivilisten, alles Familienangehörige der Soldaten. Ein am Brustkorb getroffener Mann und ein drei Jahre altes Kind schwebten am Montag noch in Lebensgefahr. Die Zuschauer wurden von den Kugeln selbst oder von Splittern getroffen. Ich habe erst gemerkt, was passiert, als um mich herum die Menschen niedergesunken sind, sagte ein Teilnehmer. Das war schrecklich. Ich war mit meiner Frau und meinen Kindern gekommen.
Kriminelle Handlung oder Unfall?
Die Behörden lösten Katastrophenalarm aus, die Verletzten wurden mit fünf Hubschraubern und 13 Rettungsfahrzeugen in die umliegenden Krankenhäuser gebracht. Der Unglücksschütze wurde festgenommen, mehrere Gewehre wurden sichergestellt. Das wird nicht ohne Folgen bleiben, sagte Verteidigungsminister Hervé Morin nach einem Besuch der Opfer im Krankenhaus. Militär und Justiz leiteten Ermittlungen ein.
Die Fallschirmjäger hatten am Sonntag mit der öffentlichen Vorführung ihres Könnens den Wechsel ihres Kommandeurs gefeiert. Fünf Simulationen einer Geiselbefreiung verliefen ohne Zwischenfälle. Die Soldaten verschossen dabei Salven aus ihren Sturmgewehren, die bis zu 1000 Schuss pro Minute abgeben können. Das ist lauter und macht mehr Eindruck als Einzelschüsse, sagte ein Soldat. Bei der letzten Vorführung wurde echte Munition eingesetzt.
Unklar war zunächst, wie das einem erfahrenen Elitesoldaten passieren konnte, der jeden Tag mit der Waffe umgeht. Die Übungsmunition hat eine andere Farbe und eine andere Form. Die Munition wird nie vermischt und man sieht die erste Patrone im Magazin. Das kann man eigentlich nicht verwechseln, sagte ein Militärsprecher. Der Soldat müsse zudem sein Gewehr stets entladen und dürfe keine Patronen zurückbehalten.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP, dpa