Flugzeugabsturz

Zweifel an Sicherheitsstandards

Schiffe und Hubschrauber patroullieren im Absturzgebiet

Schiffe und Hubschrauber patroullieren im Absturzgebiet

04. Januar 2004 Einen Tag nach dem Absturz einer ägyptischen Chartermaschine ins Rote Meer ist am Sonntag weiter nach Leichen gesucht worden. Taucher hätten 13 der insgesamt 148 Todesopfer geborgen, berichteten arabische Fernsehsender am Sonntag.

Bislang konnten weder die Flugschreiber noch das Hauptteil des Wracks geortet werden, in dem wahrscheinlich zahlreiche Leichen eingeschlossen sind. Die Suche wird dadurch erschwert, daß die Wrackteile in einer Tiefe von bis zu 1000 Meter liegen. Die Regierung in Paris will ein Schiff mit Sonarausstattung, einen Unterwasserroboter und Taucher für die Suche einsetzen. Auch der stellvertretende Außenminister Renaud Muselier reiste nach Ägypten. Er sagte, die Angehörigen sollten auf eigenen Wunsch voraussichtlich am Mittwoch oder Donnerstag mit einem Sonderflug nach Scharm al Scheich gebracht werden. Allerdings rate er den Familien von der Reise ab, bevor die Toten identifiziert seien.

Technisches Versagen

Der französische Verkehrsminister Gilles de Robien sagte, alles deute auf ein technisches Versagen der Maschine der Chartergesellschaft Flash Airways hin. Der französische Premierminister Jean-Pierre Raffarin traf in dem am Zielflughafen Roissy bei Paris eingerichteten Krisenzentrum mit Angehörigen der Opfer zusammen. Außer den 133 Franzosen und 13 ägyptischen Besatzungsmitgliedern waren nach Angaben aus Kairo noch ein marokkanischer Passagier und eine Japanerin an Bord gewesen.

Die Boeing 737 der Flash Airlines, die am frühen Samstagmorgen zunächst Fluggäste von Venedig nach Scharm al Scheich gebracht hatte, war am Samstag kurz vor fünf Uhr Ortszeit (vier Uhr MEZ) von dem Urlaubsort gestartet. Die Maschine war auf dem Weg nach Kairo und sollte nach einem Besatzungswechsel von dort nach Paris weiterfliegen. Aber rund elf Kilometer südlich von Scharm al Scheich verschwand sie von den Radarschirmen. Zuvor hatte der Pilot noch versucht, wegen technischer Schwierigkeiten zum Flughafen zurückzukehren. Einen Notruf hatte er allerdings nicht abgesetzt. Das könne auf eine Explosion im Cockpit hindeuten, sagten Fachleute; diese These wurde von Ägypten energisch bestritten. Zu den Umständen des Absturzes berichtete der Fernsehsender LCI, die Maschine habe beim Start nur schwer an Höhe gewonnen, habe innerhalb von siebzehn Sekunden 1500 Meter Höhe verloren und sei "wie ein Stein" ins Meer gestürzt.

Flash Airlines in der Schweiz verboten

Nach Angaben des Bundesamtes für Zivilluftfahrt (BAZL) in Bern ist Flash Airlines schon seit Herbst 2002 in der Schweiz mit einem Flugverbot belegt. Bei einer routinemäßigen Kontrolle auf dem Flughafen Zürich-Kloten seien im Oktober 2002 eine Reihe von Sicherheitsmängeln an einer Maschine festgestellt worden, sagte BAZL-Sprecherin Celestine Perissinotto. Dabei habe es sich um Verletzungen von Vorschriften der Internationalen Zivilluftfahrt-Organisation ICAO gehandelt. Das Protokoll sei sowohl Flash Airlines wie auch der ägyptischen Zivilluftfahrtbehörde zugestellt worden. "Seither hatten wir keine Reaktion", sagte Perissinotto. Aus Italien wurde berichtet, im vergangenen Jahr habe es bei einem Flug von Flash Airlines von Scharm al Scheich nach Bologna Probleme mit einem Triebwerk gegeben. Das Luftfahrt-Bundesamt in Braunschweig kündigte am Sonntag an, das seit September 2003 bestehende Einflugrecht der Gesellschaft in Deutschland zu überprüfen.

Die am Samstag abgestürzte Maschine war nach Angaben von Flash Airlines eine von lediglich zwei Boeing 737 der Fluglinie, die seit sechs Jahren im Geschäft ist. Gewartet worden sei das knapp elf Jahre alte Flugzeug in Norwegen, bei der letzten Überprüfung seien keine Probleme festgestellt worden. Flash Airlines ist ein Teil des 1985 in Ägypten gegründeten Tourismusunternehmens Flash Group. Die Fluglinie ist spezialisiert auf preisgünstige Charterflüge zwischen Kairo und europäischen Städten. Bei Flash Tours können Urlaubsreisen mit Ausflugsprogrammen gebucht werden. Außerdem bietet das Unternehmen Kreuzfahrten an und verfügt auch über eigene Hotels.

Keine Stornierungen

An den Stränden von Scharm al Scheich herrschte am Sonntag reger Bade- und Tauchbetrieb. Lediglich das Fallschirmgleiten mit Schnellbooten vor der Küste untersagte die Polizei wegen der Bergungsarbeiten. Hotelmanager berichteten, nach dem Unglück habe es keine Stornierungen beunruhigter Touristen gegeben. Ein Tauchlehrer sagte, es sei nicht zu erwarten, daß Hobbytaucher auf Teile des Flugzeugs oder auf sterbliche Überreste der Opfer stießen, da kein Wind wehe und die Maschine weit weg von den gut besuchten Stränden abgestürzt sei.

Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.01.2004, Nr. 3 / Seite 7
Bildmaterial: AP, dpa/dpaweb, REUTERS

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