23. Dezember 2005 Hurrikan "Katrina", der zur Überflutung von New Orleans führte, war lediglich ein Wirbelsturm der Kategorie 3 auf der bis 5 reichenden Skala. Das teilte das Nationale Wetteramt in Miami (Florida) mit. Die Meteorologen revidierten damit ihre Einschätzung, daß "Katrina" die Küste des Bundesstaates Louisianas am 29. August als Wirbelsturm der Kategorie 4 erreicht hatte.
Die Windstärke bei Erreichen der Küste betrug laut einem neuen Bericht des Hurrikanzentrums 200 Kilometer in der Stunde. In New Orleans, westlich vom Zentrum des Hurrikans, hätten vermutlich Windstärken geherrscht, wie sie für einen Hurrikan der schwächsten oder zweitschwächsten Kategorie typisch seien. Danach hätte "Katrina" in New Orleans eine Stärke zwischen 119 und 177 Kilometern in der Stunde gehabt.
Wieso brachen trotzdem die Deiche?
Die aktualisierte Einschätzung des Wetteramtes wirft neue Fragen dazu auf, warum die Deiche in New Orleans brachen. Nach Überzeugung der Pioniereinheit, die für die Instandhaltung der Deiche zuständig ist, war dies der Fall, da die Deiche wohl Hurrikanen bis zur Kategorie 3, nicht jedoch stärkeren Wirbelstürmen standhalten können.
Eine Sprecherin des "Army Corps of Engineers" sagte zu dem Bericht des Wetteramtes, der wichtigste Faktor sei nicht die Windstärke, sondern die Flutwelle. Da "Katrina" vor Erreichen der Küste ein Hurrikan der Kategorie 5 gewesen sei, habe die Flutwelle mit entsprechender Kraft gegen die Deiche von New Orleans gedrückt. Meteorologen des Nationalen Wetteramtes bestätigten, daß die Flutwelle wahrscheinlich stärker gewesen sei, als dies gewöhnlich bei einem Hurrikan der Kategorie 3 der Fall sei.
Fälle von Euthanasie?
Der Fernsehsender CNN berichtete unterdessen, die Justiz in Louisiana gehe dem Verdacht nach, daß es in einem Krankenhaus in New Orleans während der Flutkatastrophe zu Fällen von Euthanasie gekommen sei. Derartige Vorwürfe seien "glaubwürdig" und "einer Untersuchung wert", habe der Leitende Staatsanwalt Charles Foti mitgeteilt. CNN berichtet, Ärzte in dem Krankenhaus "Memorial Medical Hospital", in dem während der Flutkatastrophe verheerende Zustände herrschten, hätten Diskussionen von Verwaltungsangestellten mit angehört, "Patienten von ihrem Leiden zu erlösen". Argwohn habe außerdem eine Ärztin erregt, die Patienten Spritzen verabreicht und ihnen versichert habe, daß es ihnen dann bessergehe; gewöhnlich verabreiche nur medizinisches Hilfspersonal Spritzen.
Bei der Polizei von New Orleans führte die brutale Verhaftung eines 64 Jahre alten schwarzen Mannes, der im Oktober von Polizeibeamten geschlagen worden war, zu weiteren personellen Konsequenzen. Zwei weiße Polizeibeamte wurden nun wegen ihrer Beteiligung an dem Vorfall, der von einer Videokamera aufgezeichnet worden war, entlassen.
Text: gel. / F.A.Z., 23.12.2005, Nr. 299 / Seite 8
Bildmaterial: AP, dpa/dpaweb